Autor: Stojancho Gjorgjiev

  • Solar Valley: Der nächste Sonnenuntergang

    Das Ende des Solar Valley steht in einem mehr als hundert Meter langen Gang und stapelt sich auf Paletten fast bis zur Decke. In Folie eingewickelte Solarmodule verlieren sich im Dunkel des Ganges. Kleingruppen werden kurz vor Jahresende daran vorbei durch die Produktionshallen geführt, in denen sich früher Minister und Spitzenpolitiker vor schwarz glänzenden Solarmodulen fotografieren ließen. Jetzt kleben kleine Nummern an Regalsystem, Produktionsanlagen, Tischen – sogar an Bürotopfpflanzen. Das Inventar von Meyer Burger, des letzten großen Solarmodulproduzenten in Deutschland, kommt unter den Hammer. 

    «Der Aufstieg war Aufbruch pur – man hat gespürt, was Menschen leisten, wenn sie von einer Mission begeistert sind», sagt Gunter Erfurt. Er war bis zum Herbst 2024 Geschäftsführer des Schweizer Herstellers Meyer Burger mit seinen Produktionsstätten in Bitterfeld-Wolfen und im sächsischen Freiberg. Erfurt gilt als einer der engagiertesten Vertreter der Solarbranche in Deutschland. 2025 meldete Meyer Burger Insolvenz an. Heute sagt Erfurt: «Die Solarindustrie in Deutschland ist in einem bemitleidenswerten Zustand.»

    Aufstieg und Fall im Solar Valley

    Mit dem Ende von Meyer Burger 2025 ist die letzte große Hoffnung auf eine Rückkehr der industriellen Photovoltaik-Fertigung in Deutschland fürs Erste geplatzt. Wieder einmal. Gleichzeitig läuft der Ausbau von PV-Anlagen weiter. Das wirkt wie ein Paradox: Deutschland baut Solar aus, aber produziert kaum noch Solar. 

    Das Solar Valley im Osten von Sachsen-Anhalt steht beispielhaft für die Entwicklung des Marktes in Deutschland. Hier ist der Umbruch nicht abstrakt, sondern sichtbar: Hallen, die einmal Zukunft versprachen, werden jetzt leer geräumt, ihr Inventar bei Industrieauktionen versteigert. Wie eine aufgegebene Grenze steht das alte Empfangsgebäude des Industriegebiets am Eingang der «Sonnenallee». 

    Umsätze brachen bis zu 90 Prozent ein

    «In der ursprünglichen Form existiert das Solar Valley leider schon seit zehn Jahren nicht mehr», sagt Carsten Körnig, der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft. Er verfolgt seit 30 Jahren die Entwicklung der Solarbranche. «Deutschland war einmal Vorreiter der Solarindustrie.» 

    Das «Solar Valley» entstand kurz nach der Jahrtausendwende und galt als eines der größten Zentren der Solarindustrie in Europa. In dem Industriegebiet im Bitterfelder Ortsteil Thalheim siedelten sich zahlreiche Unternehmen an. Bis zu 3.500 Jobs gab es. Dann habe vor rund 15 Jahren der erste Niedergang der Hersteller von Solarmodulen und ihren Vorprodukten begonnen, sagt Verbandschef Körnig. Mit massiven plötzlichen Einschnitten der Förderung habe die schwarz-gelbe Koalition um 2012 einen Einbruch der Inlandsnachfrage um 80 Prozent verursacht. Unternehmen hätten Umsatzeinbußen zwischen 80 und 90 Prozent gehabt.

    Massiver Ausbau in China drückt Preise

    Gleichzeitig baute China die Produktion massiv aus und flutete den Weltmarkt mit günstigen Solarmodulen. Zahlreiche Unternehmen im Solar Valley gingen pleite. Die deutsche Solarbranche verlor nach Angaben des Branchenverbands damals rund 100.000 ihrer 130.000 Jobs. Inzwischen ist der Markt in chinesischer Hand. Nach Angaben der Internationalen Energie Agentur (IEA) verfügte China im Jahr 2022 über 75 Prozent der weltweiten Modulfertigung. «Die Zahlen sprechen für sich und seitdem hat sich die Lage nicht verbessert», sagt Körnig. 2021 versuchte Meyer Burger mit dem Aufbau seiner Standorte in Sachsen und Sachsen-Anhalt die Produktion wieder nach Deutschland zu holen – vergeblich. «Wir haben zugelassen, dass eine Technologie, die aus Deutschland kommt und hier entwickelt wurde, aus der Hand gegeben wird», sagt der frühere Meyer Burger-Chef Erfurt. Inzwischen gebe es nicht einmal mehr Ankündigungen in der Branche, die irgendjemand ernst nehme. 

    «Ich würde nicht sagen, dass die Solarindustrie tot ist»

    «Ich würde nicht sagen, dass die Solarindustrie tot ist», hält Ralph Gottschalg dagegen. Er ist Leiter des Fraunhofer-Center für Silizium-Photovoltaik in Halle (Saale) und Professor an der Hochschule Anhalt. Das Institut sei damals gegründet worden, um das Solar Valley zu unterstützen. «Dann war leider die erste Talsohle schon da.» Der Markt habe sich in den vergangenen 20 bis 30 Jahren extrem verändert. Bei Standardprodukten werde Deutschland nicht konkurrenzfähig sein – «bei allem, was in Container gepackt wird». Dabei werde China immer günstiger sein. Aber es gebe Nischenprodukte, beispielsweise Fassaden mit Photovoltaik, die nicht in Container gepackt werden könnten. Auch dort sei der Markt noch gigantisch. 

    Gleichzeitig sei Deutschland bei der Forschung weiter führend. Und auch beim sogenannten Downstream-Markt, also dem Handel, der Installation und Wartung von Anlagen. «Im Sinne von volkswirtschaftlichem Vorteil ist das auch nicht zu verachten», sagt Gottschalg. Der Bundesverband Solarwirtschaft spricht von rund 150.000 Beschäftigten in der Solarbranche in Deutschland. Es gebe mehr als 20.000 Betriebe in Deutschland, die Photovoltaik-Anlagen oder Dienstleistungen für die Solarbranche im Angebot hätten.

    Zölle, Boni, Subventionen: Experten sehen verschiedene Möglichkeiten

    In der Forschung seien einige Unternehmen weiterhin in Ostdeutschland angesiedelt. Das ursprüngliche Solar Valley strahle also immer noch bis in die Gegenwart aus, sagt Geschäftsführer Körnig. Innovative Unternehmen aus dem Umkreis des Solar Valley seien immer noch international gefragte Technologiepartner. Sie benötigten allerdings klare Zukunftsperspektiven. «Grundsätzlich besteht weiterhin die Möglichkeit für eine Renaissance der Solarindustrie in Deutschland und in Europa.»

    Die beste Forschung könne langfristig aber nicht liefern, wenn die Industrie nicht mehr da sei, hält der frühere Unternehmenschef Gunter Erfurt dagegen. Wie die Branche gerettet werden kann, dazu gibt es unter Experten aber verschiedene Ansätze, so könne es etwa Anreize oder Boni für den Einsatz deutscher Solarmodule geben. Beim Thema Subventionen und Zölle gehen die Meinungen dagegen auseinander. Fakt sei nur, sagt Erfurt, dass es keine Möglichkeiten mehr gebe, wenn die Politik nicht jetzt aktiv werde. «Ich bin als Optimist hoffentlich bekannt: Zu spät ist es erst dann, wenn wir die technologische Basis verlieren, etwas zu tun.»

  • Filmlegende Brigitte Bardot ist tot

    Brigitte Bardot ist tot. Die französische Filmschauspielerin starb im Alter von 91 Jahren, wie die Fondation Brigitte Bardot mitteilte.

  • Ermittler: Dutzende Tote bei Feuer in Schweizer Nobel-Skiort

    Bei einem Brand während einer Silvesterparty im Schweizer Nobel-Skiort Crans-Montana sind nach Polizeiangaben mehrere Dutzend Menschen ums Leben gekommen. Rund 100 seien in der Bar zum Großteil schwer verletzt worden, sagte der Kommandant der Walliser Kantonspolizei, Frédéric Gisler. Die Ermittler gehen von einem Unglück aus.

  • Thailand und Kambodscha einigen sich auf Waffenruhe

    Nach wochenlangen Gefechten an der Grenze haben sich Thailand und Kambodscha auf eine sofortige Waffenruhe verständigt. Die Verteidigungsminister der beiden Länder unterzeichneten eine entsprechende Vereinbarung.

  • Was Porsche-Chef Michael Leiters über seine neue Rolle denkt

    Der neue Porsche-Chef Michael Leiters hat sich im sozialen Netzwerk LinkedIn zu seinem Start beim Stuttgarter Sportwagenbauer geäußert. Das neue Jahr beginne mit einem besonderen Meilenstein, schrieb Leiters. Er übernehme die aus seiner Sicht spannendste Rolle in der gesamten Automobilbranche. Leiters ist seit Jahresanfang Porsche-Chef und Nachfolger von VW-Chef Oliver Blume, der zuletzt auch die Sportwagentochter führte.

    Hinter Porsche liegt ein turbulentes Jahr. Neben dem sinkenden Absatz belastet der Strategieschwenk, wieder mehr Verbrenner zu entwickeln und zu produzieren, das Unternehmen. Der kostet Milliarden – und hat den Gewinn des Konzerns bislang fast komplett aufgezehrt. Auch deshalb laufen aktuell Gespräche über eine weitere Sparrunde. Der ausgeschiedene Porsche-Chef Blume hatte kürzlich in Aussicht gestellt, dass sie im ersten Quartal abgeschlossen werden könnten. 

    Erst im vergangenen Februar hatten sich die VW-Tochter und Arbeitnehmervertreter auf ein erstes Sparpaket geeinigt. Bis 2029 sollen in der Region Stuttgart demnach 1.900 Jobs wegfallen – wegen der Beschäftigungssicherung sozialverträglich. Außerdem laufen die Verträge von rund 2.000 befristet Angestellten aus.

    Vom Assistenten zum Vorstandschef

    Der neue Chef Leiters ist bei Porsche kein Unbekannter. Der Ingenieur war früher 13 Jahre bei dem Unternehmen tätig und kam zu den Schwaben in der Ära von Wendelin Wiedeking. Er war sein Assistent und galt manchen auch als Problemlöser. Die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch kennen den promovierten Maschinenbauer, der an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen studierte, gut. 

    Leiters hatte sich bei dem Sportwagenbauer hochgearbeitet. Menschen, die ihn kennen, beschreiben ihn als analytischen und strategischen Manager. Der Name des zweifachen Familienvaters wird bei Porsche vor allem mit dem Cayenne und gleichfalls mit dem Macan in Verbindung gebracht. Der Blume-Nachfolger verließ den Sportwagenbauer in der Zeit, als Matthias Müller an der Spitze der Schwaben stand. Danach wurde er zunächst Technikchef bei Ferrari, bevor er zu McLaren wechselte.

  • Schlechte Stimmung in der Metall- und Elektroindustrie

    Die schwierige wirtschaftliche Lage drückt einer Umfrage zufolge auf die Stimmung in der Metall- und Elektroindustrie in Nordrhein-Westfalen. Viele Betriebe schauen pessimistisch auf 2026, wie Verband Metall NRW mitteilte. 

    Nur 14 Prozent der Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als gut, lediglich 10 Prozent erwarten in den nächsten sechs Monaten eine Besserung. An der Befragung zum Jahreswechsel nahmen laut Verband 354 Unternehmen mit knapp 95.000 Beschäftigten teil. Bei einer zum Jahreswechsel 2024/2025 durchgeführten Umfrage waren die Ergebnisse ähnlich schlecht ausgefallen.

    Auch bei der Beschäftigung lässt sich die Unsicherheit ablesen. Nur 15 Prozent der Unternehmen planen im ersten Halbjahr Neueinstellungen. Jeder vierte Betrieb will laut Umfrage Stellen abbauen, knapp 30 Prozent haben dies in den vergangenen sechs Monaten bereits getan. Der Anteil der Unternehmen mit Kurzarbeit ist mit 28 Prozent weiterhin hoch. Seit Juni 2024 gehen in der Branche laut Verband monatlich bereits rund 2.100 Arbeitsplätze verloren. Die Produktion liegt demnach 23 Prozent unter dem Niveau von 2018. 

    Verband sieht gravierende Standortschwäche

    Präsident Arndt Kirchhoff wertet die Ergebnisse als «Ausdruck einer tiefen Wettbewerbsfähigkeitskrise und gravierenden Standortschwäche», die durch geopolitische Unsicherheiten verschärft werde. Bei Unternehmern verstärke sich der Eindruck, dass Teile der Politik die wirtschaftlichen Realitäten nicht ausreichend wahrnehmen würden. Mit Blick auf politische Entscheidungen in Brüssel und Berlin begegne ihm eine große Unruhe und Verunsicherung. 

    «Um das Ruder wirklich herumzureißen, braucht Deutschland jetzt einen wirtschafts- und sozialpolitischen Befreiungsschlag», so Kirchhoff. Er forderte unter anderem eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit.

    Zu dem Industriezweig zählen unter anderem der Maschinenbau, die Elektroindustrie, der Automobilbau, Hersteller von Metallerzeugnissen, die Metallerzeugung und -bearbeitung sowie Gießereien.

  • Pleite oder Verkauf? Warum so viele Unternehmen keinen Weg aus der Nachfolgekrise finden (FOTO)

    In vielen deutschen Unternehmen herrscht Alarmstufe Rot: Tausende Chefs gehen in Rente, aber niemand will übernehmen. Die Nachfolgekrise trifft Handwerk, Mittelstand und Traditionsbetriebe gleichermaßen. Wo früher Familienmitglieder oder motivierte Mitarbeiter einsprangen, entsteht heute eine Lücke, die Firmen in Existenznot bringt. Viele stehen vor der brutalen Entscheidung: verkaufen oder schließen? Und oft bleibt am Ende nur die Insolvenz.

    Ganze Branchen gehen verloren, weil es an Nachfolgern fehlt. Viele Firmen sind gesund, aber ohne passende Übergabe schlicht nicht überlebensfähig. Wer jetzt nicht aktiv Lösungen sucht, wird vom Markt gefegt. Dieser Beitrag zeigt, warum so viele Unternehmen keine Nachfolger finden.

    Verkauf kommt oft zu spät ins Spiel

    In der Praxis zeigt sich immer wieder ein zentrales Problem: Der Unternehmensverkauf wird häufig erst dann in Betracht gezogen, wenn die wirtschaftliche Lage bereits angespannt ist. Dabei gilt das Gegenteil als Erfolgsfaktor. Unternehmen lassen sich am besten veräußern, solange sie stabile oder zumindest ausgeglichene Zahlen vorweisen können. Selbst eine schwarze Null kann ausreichen, sofern das Geschäftsmodell tragfähig ist, eine klare Marktposition besteht oder ein belastbarer Kundenstamm vorhanden ist.

    Dennoch warten viele Unternehmer zu lange. Statt frühzeitig Optionen zu prüfen, wird die Nachfolgefrage verdrängt oder vertagt. Sobald Umsätze sinken und Margen unter Druck geraten, verschlechtert sich jedoch die Verhandlungsposition erheblich. Potenzielle Käufer werden vorsichtiger, während Handlungsspielräume schrumpfen.

    Fehlende Exit-Strategien verschärfen die Krise

    Ein weiteres strukturelles Defizit liegt in der mangelnden Vorbereitung. In vielen Betrieben existiert kein klarer Exit-Plan. Dabei wäre es gerade in wirtschaftlich erfolgreichen Phasen sinnvoll, sich regelmäßig mit grundlegenden Fragen auseinanderzusetzen: Wann könnte ein Verkauf sinnvoll sein? Welche Szenarien kommen infrage? Und wer könnte als Käufer überhaupt in Betracht gezogen werden?

    Ohne diese strategische Vorarbeit geraten Unternehmer in eine reaktive Rolle. Wenn äußere Faktoren wie Branchenkrisen, technologische Umbrüche oder geopolitische Veränderungen hinzukommen, bleibt oft kaum Zeit, um tragfähige Alternativen zu entwickeln. Besonders in Branchen mit strukturellem Abschwung zeigt sich dieses Muster deutlich.

    Wenn ganze Branchen unter Druck geraten

    Ein Blick auf die aktuelle Entwicklung macht das Ausmaß sichtbar. Die Automobilindustrie und ihre Zulieferer stehen seit Jahren unter massivem Transformationsdruck. Ähnliches gilt für Teile der Chemieindustrie. In solchen Fällen ist nicht mehr das gesamte Unternehmen automatisch verkäuflich. Stattdessen rücken einzelne Stärken in den Fokus: technisches Know-how, eingespielte Prozesse, qualifizierte Fachkräfte oder spezialisierte Geschäftsbereiche.

    Gerade hier liegt jedoch eine häufig unterschätzte Chance. Auch wenn das ursprüngliche Kerngeschäft an Bedeutung verliert, können Teilbereiche weiterhin attraktiv sein. Voraussetzung ist allerdings, dass diese Potenziale rechtzeitig erkannt und aktiv weiterentwickelt werden.

    Insolvenz bedeutet nicht zwangsläufig Stillstand

    Sobald ein Insolvenzverwalter eingebunden ist, wird die Situation komplexer, aber nicht zwangsläufig aussichtslos. Zwar sind Entscheidungen dann stärker reglementiert, dennoch besteht häufig ein gemeinsames Interesse daran, möglichst viel Substanz zu erhalten. Dazu zählen Arbeitsplätze ebenso wie technisches Wissen und funktionierende Betriebseinheiten.

    In diesem Kontext gewinnen Teilverkäufe an Bedeutung. Unternehmen können einzelne Sparten abstoßen, während andere Bereiche restrukturiert oder neu ausgerichtet werden. Besonders in Zeiten geopolitischer Umbrüche entstehen dabei unerwartete Überschneidungen zwischen Industrien, die zuvor wenig Berührungspunkte hatten.

    Fachkräfte bleiben ein entscheidender Wertfaktor

    Ein Aspekt wird in der öffentlichen Debatte oft unterschätzt: der Wert der Mitarbeiter. Vor allem qualifizierte Fachkräfte sind branchenübergreifend gefragt. Ob im klassischen Maschinenbau, in der Automobilproduktion oder in der Rüstungsindustrie – technische Fähigkeiten, Produktionskompetenz und industrielle Erfahrung lassen sich vielfach übertragen.

    Entsprechend kommt es zunehmend vor, dass ganze Abteilungen oder Standorte von Unternehmen aus anderen Branchen übernommen werden. Der Fokus liegt dabei weniger auf dem bisherigen Produkt als auf dem vorhandenen Know-how. Für betroffene Betriebe kann das eine realistische Alternative zur vollständigen Schließung darstellen.

    Nachfolgekrise als strategische Herausforderung

    Die aktuelle Nachfolgekrise ist daher kein rein demografisches Problem. Sie ist vor allem Ausdruck fehlender strategischer Planung und unzureichender Anpassung an veränderte Marktbedingungen. Unternehmen, die frühzeitig über Verkaufsszenarien nachdenken, ihre Stärken klar definieren und flexibel auf Branchenverschiebungen reagieren, erhöhen ihre Überlebenschancen deutlich.

    Wer hingegen abwartet, riskiert, dass Entscheidungen nicht mehr selbstbestimmt getroffen werden können. In vielen Fällen entscheidet dann nicht mehr die unternehmerische Vision, sondern der äußere Druck über die Zukunft des Betriebs. Genau darin liegt die eigentliche Dramatik der aktuellen Entwicklung.

    Über Fabian Zamzau und Michael Polit:

    Fabian Zamzau und Michael Polit sind die Geschäftsführer der Otter Consult GmbH. Sie unterstützen Unternehmer dabei, einen qualifizierten Nachfolger für ihren Betrieb zu finden, um ihn im Anschluss gewinnbringend an den Interessenten zu verkaufen. Das Team der Otter Consult GmbH begleitet seine Kunden hierbei bei allen wichtigen Prozessen und Entscheidungen und betreut sie vollumfänglich bis zum Verkauf. Weitere Informationen unter: https://otterconsult.de/

    Pressekontakt:
    Otter Consult GmbH
    Vertreten durch: Fabian Zamzau & Michael Polit
    E-Mail: Beratung@otterconsult.de
    Webseite: https://otterconsult.de/
    Weiteres Material: www.presseportal.de
    Quelle:            Otter Consult GmbH
  • Zwei Tote durch Pyrotechnik in Bielefeld

    Zwei 18-Jährige sind in der Silvesternacht in Bielefeld bei Unfällen mit selbstgebauter Pyrotechnik ums Leben gekommen. Die jungen Männer erlitten tödliche Gesichtsverletzungen, wie die Polizei mitteilte. Zuvor berichtete die «Bild» darüber.

  • Weißes Haus: Trump empfängt Selenskyj am Sonntag

    US-Präsident Donald Trump empfängt am Sonntag den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Palm Beach im US-Bundesstaat Florida. Das Weiße Haus kündigte das bilaterale Treffen für Sonntagnachmittag 15.00 Uhr Ortszeit (21.00 Uhr MEZ) an.

  • Neue Ära bei Ford in Saarlouis

    Es ist ein besonderes Jahr, das bei Ford in Saarlouis nach den Werksferien am 5. Januar beginnt: für den Arbeitgeber, für seine Beschäftigten und für den Betriebsrat. Denn seit hier Mitte November der letzte Ford Focus vom Band rollte, trifft nach 55 Jahren die Bezeichnung «Autobauer» für diesen Standort nicht mehr wirklich zu. 

    «Wir gehören nach wie vor zur deutschen Ford-Werke GmbH, aber vorher waren wir ein reines Produktionswerk. In Zukunft nennen wir uns Ford Customer Service Plant – FCSP – und werden ein reines Teile- und Komponentenwerk sein», erläutert der Betriebsratsvorsitzende Dennis Stoffel. Ersatzteile für ausgelaufene Fahrzeugmodelle werden nach Köln und von dort an Ford-Händler in ganz Europa geliefert. Außerdem werden Blech- und Kunststoffteile für die laufende Produktion hergestellt. 

    Auch für den 48-Jährigen bedeutet die neue Ära einen Neuanfang: Erst im Dezember wurde er an die Spitze des Betriebsrates gewählt. Sein Vorgänger Markus Thal und dessen Stellvertreter Holger Michel hatten mit ihrem Rücktritt im September die Neuwahlen ermöglicht und damit ganz bewusst nach vorn gezogen: «Mir war es wichtig, dass der neue Betriebsrat am 5. Januar sofort loslegen kann und wir keine Zeit verlieren», sagte Thal im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. «Gerade in der neuen Aufbauphase des Werkes wäre das tödlich gewesen. Da braucht man von der ersten Minute einen funktionierenden Betriebsrat.»

    Nur noch 1.000 statt 4.500 Beschäftigte

    Der ist jedoch deutlich geschrumpft – entsprechend der gesunkenen Belegschaftsstärke: Von den einst 4.500 Beschäftigten sind nur noch 1000 übrig, die Zahl der Betriebsräte hat sich von 29 auf 13 verringert. «Die Anzahl der Themen, mit denen wir uns befassen, wird aber nicht geringer sein. Es gibt nur weniger Menschen, die wir betreuen», meint Stoffel. Vor allem werde es darum gehen, dass die neuen Projekte zeitnah starten und für die Kollegen der neue Arbeitsplatz, die Arbeitsbedingungen, die Einstufung und somit die Bezahlung stimmen.

    Eines der neuen Arbeitsbereiche wird das Batterie-Recycling und Up-Cycling sein, sprich: Die Mitarbeiter werden alte Batterien prüfen, zerlegen und wieder zu neuen zusammenbauen. Markus Thal liegt bei den neuen Projekten besonders am Herzen, dass der Wiedereinstieg in die Berufsausbildung gelungen sei: So werden künftig wieder zwölf Azubis ihre Lehre in drei verschiedenen technisch-gewerblichen Berufen machen können. 

    Ford 1000: «Wir haben es in der Hand»

    Für Dennis Stoffel steht außer Frage, dass diese – wie auch die anderen Kollegen bei dem Programm «Ford 1000» – eine Perspektive haben: «Die Ersatzteilfertigung und -bereitstellung ausgelaufener Produkte ist gesetzlich geregelt und beträgt zwischen 10 und 15 Jahren», unterstreicht er. Doch auch unabhängig davon glaubt er an eine positive Zukunft in Saarlouis. «Meine Botschaft an die Belegschaft ist: Wir haben es in der Hand. Die Ford-Leitung wird gerade zu Beginn verstärkt ein Auge auf uns haben und prüfen, ob Qualität und Lieferzeiten stimmen.» 

    Schon in der Vergangenheit habe man oft bewiesen, dass man eines der produktivsten und qualitativ besten Werke in der Ford-Welt sei. Stoffel: «Ich gehe fest davon aus, dass wir auch in Zukunft zeigen werden, dass wir ein Standort sind, an dem Qualität gelebt und produziert wird.»

    Auf die Trauer folgt Motivation

    Und so langsam spiegle sich diese neue Zuversicht auch in der Belegschaft wider. «Bis November war die Zeit sehr geprägt von Trauer und Abschied. Das war allgegenwärtig. Auch wenn man durch die leeren Hallen ging und die abgerissenen Anlagen sah», blickt der neue Betriebsratsvorsitzende zurück. Auch habe bei den bereits gestarteten Projekten zu Beginn noch große Unsicherheit unter den Kollegen bestanden. «Viele haben sich gefragt, wie es weitergeht und mussten sich in den neuen Teams erst zusammenfinden. Aber jetzt scheint die Trauerphase langsam beendet und man merkt, dass die Kollegen hochmotiviert sind.» 

    Von Euphorie allerdings mag er noch nicht sprechen: «Aber viele sind bereit, das Neue zu starten und in verschiedenen Projekten echte Pionierarbeit zu leisten.» 

    Und auch, wenn es nicht gelungen sei, die Ford-Focus-Produktion in Saarlouis zu erhalten und das neue FCSP «nur die zweitbeste Lösung» sei, ist Stoffel mit dem Erreichten zufrieden: «Das Schöne war: Bis auf wenige Ausnahmen konnte jeder selbst entscheiden, ob er gehen oder bleiben und einen Neustart versuchen möchte. Wir mussten keine Auswahl treffen.»

    Transfergesellschaft mit knapp 1.400 Kollegen

    Nach Angaben von Markus Thal sind zum 1. Dezember 1.390 Kollegen in die Transfergesellschaft gewechselt. «Ab 55 Jahren können sie bis zu 24 Monaten bleiben, darunter haben sie eine 18-monatige Laufzeit.» Nach über 30 Jahren im Betriebsrat – davon fast elf als Vorsitzender – kann er auch mit Stolz auf dieses Ergebnis blicken: «Alle Seiten sagen uns, es könne als bisher einzigartig erachtet werden, was man hier für die Menschen im Anschluss erreichen konnte.»

    Aktuell werde das bisherige Ford-Verwaltungsgebäude von der Transfergesellschaft für Einzelberatungen und Gruppenworkshops genutzt. «Ende des Jahres wird es in dieser Größe dann sicher nicht mehr benötigt, dann wird es abgerissen – und auch die Endmontage wird es dann nicht mehr geben», vermutet Thal. Schon jetzt werde parallel die Fläche für die Neuansiedlung des Pharma-Unternehmens Vetter aus Ravensburg vorbereitet.

    Wie es selbst für ihn weitergeht, kann der 56-Jährige allerdings noch nicht sagen: Fest steht bislang nur, dass er Ende März aus dem Unternehmen ausscheidet.

    Noch weitere Freiwillige für Abfindungsprogramm gesucht

    Derweil läuft das Abfindungsprogramm bei Ford weiter. Dennis Stoffel rechnet, dass die Zahl der Mitarbeiter bis zum Jahresende auf etwa 850 sinken wird. 
    Nach Angaben der Werkleitung hätten bislang 150 Beschäftigte über das neue Programm einen Aufhebungsvertrag unterzeichnet. «Um möglichst nahe an das vorgegebene Ziel von 250 Aufhebungsverträgen zu kommen», machten Werkleiter Michael Steuer und Personalleiter Holger Bähr im Dezember in einer internen Info darauf aufmerksam, dass die Teilnahme an dem Freiwilligenprogramm nach wie vor möglich sei. Interessierte können sich dafür noch bis zum 15. Januar in der Personalabteilung melden.