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  • Schlechte Stimmung in der Metall- und Elektroindustrie

    Die schwierige wirtschaftliche Lage drückt einer Umfrage zufolge auf die Stimmung in der Metall- und Elektroindustrie in Nordrhein-Westfalen. Viele Betriebe schauen pessimistisch auf 2026, wie Verband Metall NRW mitteilte. 

    Nur 14 Prozent der Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als gut, lediglich 10 Prozent erwarten in den nächsten sechs Monaten eine Besserung. An der Befragung zum Jahreswechsel nahmen laut Verband 354 Unternehmen mit knapp 95.000 Beschäftigten teil. Bei einer zum Jahreswechsel 2024/2025 durchgeführten Umfrage waren die Ergebnisse ähnlich schlecht ausgefallen.

    Auch bei der Beschäftigung lässt sich die Unsicherheit ablesen. Nur 15 Prozent der Unternehmen planen im ersten Halbjahr Neueinstellungen. Jeder vierte Betrieb will laut Umfrage Stellen abbauen, knapp 30 Prozent haben dies in den vergangenen sechs Monaten bereits getan. Der Anteil der Unternehmen mit Kurzarbeit ist mit 28 Prozent weiterhin hoch. Seit Juni 2024 gehen in der Branche laut Verband monatlich bereits rund 2.100 Arbeitsplätze verloren. Die Produktion liegt demnach 23 Prozent unter dem Niveau von 2018. 

    Verband sieht gravierende Standortschwäche

    Präsident Arndt Kirchhoff wertet die Ergebnisse als «Ausdruck einer tiefen Wettbewerbsfähigkeitskrise und gravierenden Standortschwäche», die durch geopolitische Unsicherheiten verschärft werde. Bei Unternehmern verstärke sich der Eindruck, dass Teile der Politik die wirtschaftlichen Realitäten nicht ausreichend wahrnehmen würden. Mit Blick auf politische Entscheidungen in Brüssel und Berlin begegne ihm eine große Unruhe und Verunsicherung. 

    «Um das Ruder wirklich herumzureißen, braucht Deutschland jetzt einen wirtschafts- und sozialpolitischen Befreiungsschlag», so Kirchhoff. Er forderte unter anderem eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit.

    Zu dem Industriezweig zählen unter anderem der Maschinenbau, die Elektroindustrie, der Automobilbau, Hersteller von Metallerzeugnissen, die Metallerzeugung und -bearbeitung sowie Gießereien.

  • Pleite oder Verkauf? Warum so viele Unternehmen keinen Weg aus der Nachfolgekrise finden (FOTO)

    In vielen deutschen Unternehmen herrscht Alarmstufe Rot: Tausende Chefs gehen in Rente, aber niemand will übernehmen. Die Nachfolgekrise trifft Handwerk, Mittelstand und Traditionsbetriebe gleichermaßen. Wo früher Familienmitglieder oder motivierte Mitarbeiter einsprangen, entsteht heute eine Lücke, die Firmen in Existenznot bringt. Viele stehen vor der brutalen Entscheidung: verkaufen oder schließen? Und oft bleibt am Ende nur die Insolvenz.

    Ganze Branchen gehen verloren, weil es an Nachfolgern fehlt. Viele Firmen sind gesund, aber ohne passende Übergabe schlicht nicht überlebensfähig. Wer jetzt nicht aktiv Lösungen sucht, wird vom Markt gefegt. Dieser Beitrag zeigt, warum so viele Unternehmen keine Nachfolger finden.

    Verkauf kommt oft zu spät ins Spiel

    In der Praxis zeigt sich immer wieder ein zentrales Problem: Der Unternehmensverkauf wird häufig erst dann in Betracht gezogen, wenn die wirtschaftliche Lage bereits angespannt ist. Dabei gilt das Gegenteil als Erfolgsfaktor. Unternehmen lassen sich am besten veräußern, solange sie stabile oder zumindest ausgeglichene Zahlen vorweisen können. Selbst eine schwarze Null kann ausreichen, sofern das Geschäftsmodell tragfähig ist, eine klare Marktposition besteht oder ein belastbarer Kundenstamm vorhanden ist.

    Dennoch warten viele Unternehmer zu lange. Statt frühzeitig Optionen zu prüfen, wird die Nachfolgefrage verdrängt oder vertagt. Sobald Umsätze sinken und Margen unter Druck geraten, verschlechtert sich jedoch die Verhandlungsposition erheblich. Potenzielle Käufer werden vorsichtiger, während Handlungsspielräume schrumpfen.

    Fehlende Exit-Strategien verschärfen die Krise

    Ein weiteres strukturelles Defizit liegt in der mangelnden Vorbereitung. In vielen Betrieben existiert kein klarer Exit-Plan. Dabei wäre es gerade in wirtschaftlich erfolgreichen Phasen sinnvoll, sich regelmäßig mit grundlegenden Fragen auseinanderzusetzen: Wann könnte ein Verkauf sinnvoll sein? Welche Szenarien kommen infrage? Und wer könnte als Käufer überhaupt in Betracht gezogen werden?

    Ohne diese strategische Vorarbeit geraten Unternehmer in eine reaktive Rolle. Wenn äußere Faktoren wie Branchenkrisen, technologische Umbrüche oder geopolitische Veränderungen hinzukommen, bleibt oft kaum Zeit, um tragfähige Alternativen zu entwickeln. Besonders in Branchen mit strukturellem Abschwung zeigt sich dieses Muster deutlich.

    Wenn ganze Branchen unter Druck geraten

    Ein Blick auf die aktuelle Entwicklung macht das Ausmaß sichtbar. Die Automobilindustrie und ihre Zulieferer stehen seit Jahren unter massivem Transformationsdruck. Ähnliches gilt für Teile der Chemieindustrie. In solchen Fällen ist nicht mehr das gesamte Unternehmen automatisch verkäuflich. Stattdessen rücken einzelne Stärken in den Fokus: technisches Know-how, eingespielte Prozesse, qualifizierte Fachkräfte oder spezialisierte Geschäftsbereiche.

    Gerade hier liegt jedoch eine häufig unterschätzte Chance. Auch wenn das ursprüngliche Kerngeschäft an Bedeutung verliert, können Teilbereiche weiterhin attraktiv sein. Voraussetzung ist allerdings, dass diese Potenziale rechtzeitig erkannt und aktiv weiterentwickelt werden.

    Insolvenz bedeutet nicht zwangsläufig Stillstand

    Sobald ein Insolvenzverwalter eingebunden ist, wird die Situation komplexer, aber nicht zwangsläufig aussichtslos. Zwar sind Entscheidungen dann stärker reglementiert, dennoch besteht häufig ein gemeinsames Interesse daran, möglichst viel Substanz zu erhalten. Dazu zählen Arbeitsplätze ebenso wie technisches Wissen und funktionierende Betriebseinheiten.

    In diesem Kontext gewinnen Teilverkäufe an Bedeutung. Unternehmen können einzelne Sparten abstoßen, während andere Bereiche restrukturiert oder neu ausgerichtet werden. Besonders in Zeiten geopolitischer Umbrüche entstehen dabei unerwartete Überschneidungen zwischen Industrien, die zuvor wenig Berührungspunkte hatten.

    Fachkräfte bleiben ein entscheidender Wertfaktor

    Ein Aspekt wird in der öffentlichen Debatte oft unterschätzt: der Wert der Mitarbeiter. Vor allem qualifizierte Fachkräfte sind branchenübergreifend gefragt. Ob im klassischen Maschinenbau, in der Automobilproduktion oder in der Rüstungsindustrie – technische Fähigkeiten, Produktionskompetenz und industrielle Erfahrung lassen sich vielfach übertragen.

    Entsprechend kommt es zunehmend vor, dass ganze Abteilungen oder Standorte von Unternehmen aus anderen Branchen übernommen werden. Der Fokus liegt dabei weniger auf dem bisherigen Produkt als auf dem vorhandenen Know-how. Für betroffene Betriebe kann das eine realistische Alternative zur vollständigen Schließung darstellen.

    Nachfolgekrise als strategische Herausforderung

    Die aktuelle Nachfolgekrise ist daher kein rein demografisches Problem. Sie ist vor allem Ausdruck fehlender strategischer Planung und unzureichender Anpassung an veränderte Marktbedingungen. Unternehmen, die frühzeitig über Verkaufsszenarien nachdenken, ihre Stärken klar definieren und flexibel auf Branchenverschiebungen reagieren, erhöhen ihre Überlebenschancen deutlich.

    Wer hingegen abwartet, riskiert, dass Entscheidungen nicht mehr selbstbestimmt getroffen werden können. In vielen Fällen entscheidet dann nicht mehr die unternehmerische Vision, sondern der äußere Druck über die Zukunft des Betriebs. Genau darin liegt die eigentliche Dramatik der aktuellen Entwicklung.

    Über Fabian Zamzau und Michael Polit:

    Fabian Zamzau und Michael Polit sind die Geschäftsführer der Otter Consult GmbH. Sie unterstützen Unternehmer dabei, einen qualifizierten Nachfolger für ihren Betrieb zu finden, um ihn im Anschluss gewinnbringend an den Interessenten zu verkaufen. Das Team der Otter Consult GmbH begleitet seine Kunden hierbei bei allen wichtigen Prozessen und Entscheidungen und betreut sie vollumfänglich bis zum Verkauf. Weitere Informationen unter: https://otterconsult.de/

    Pressekontakt:
    Otter Consult GmbH
    Vertreten durch: Fabian Zamzau & Michael Polit
    E-Mail: Beratung@otterconsult.de
    Webseite: https://otterconsult.de/
    Weiteres Material: www.presseportal.de
    Quelle:            Otter Consult GmbH
  • Zwei Tote durch Pyrotechnik in Bielefeld

    Zwei 18-Jährige sind in der Silvesternacht in Bielefeld bei Unfällen mit selbstgebauter Pyrotechnik ums Leben gekommen. Die jungen Männer erlitten tödliche Gesichtsverletzungen, wie die Polizei mitteilte. Zuvor berichtete die «Bild» darüber.

  • Weißes Haus: Trump empfängt Selenskyj am Sonntag

    US-Präsident Donald Trump empfängt am Sonntag den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Palm Beach im US-Bundesstaat Florida. Das Weiße Haus kündigte das bilaterale Treffen für Sonntagnachmittag 15.00 Uhr Ortszeit (21.00 Uhr MEZ) an.

  • Neue Ära bei Ford in Saarlouis

    Es ist ein besonderes Jahr, das bei Ford in Saarlouis nach den Werksferien am 5. Januar beginnt: für den Arbeitgeber, für seine Beschäftigten und für den Betriebsrat. Denn seit hier Mitte November der letzte Ford Focus vom Band rollte, trifft nach 55 Jahren die Bezeichnung «Autobauer» für diesen Standort nicht mehr wirklich zu. 

    «Wir gehören nach wie vor zur deutschen Ford-Werke GmbH, aber vorher waren wir ein reines Produktionswerk. In Zukunft nennen wir uns Ford Customer Service Plant – FCSP – und werden ein reines Teile- und Komponentenwerk sein», erläutert der Betriebsratsvorsitzende Dennis Stoffel. Ersatzteile für ausgelaufene Fahrzeugmodelle werden nach Köln und von dort an Ford-Händler in ganz Europa geliefert. Außerdem werden Blech- und Kunststoffteile für die laufende Produktion hergestellt. 

    Auch für den 48-Jährigen bedeutet die neue Ära einen Neuanfang: Erst im Dezember wurde er an die Spitze des Betriebsrates gewählt. Sein Vorgänger Markus Thal und dessen Stellvertreter Holger Michel hatten mit ihrem Rücktritt im September die Neuwahlen ermöglicht und damit ganz bewusst nach vorn gezogen: «Mir war es wichtig, dass der neue Betriebsrat am 5. Januar sofort loslegen kann und wir keine Zeit verlieren», sagte Thal im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. «Gerade in der neuen Aufbauphase des Werkes wäre das tödlich gewesen. Da braucht man von der ersten Minute einen funktionierenden Betriebsrat.»

    Nur noch 1.000 statt 4.500 Beschäftigte

    Der ist jedoch deutlich geschrumpft – entsprechend der gesunkenen Belegschaftsstärke: Von den einst 4.500 Beschäftigten sind nur noch 1000 übrig, die Zahl der Betriebsräte hat sich von 29 auf 13 verringert. «Die Anzahl der Themen, mit denen wir uns befassen, wird aber nicht geringer sein. Es gibt nur weniger Menschen, die wir betreuen», meint Stoffel. Vor allem werde es darum gehen, dass die neuen Projekte zeitnah starten und für die Kollegen der neue Arbeitsplatz, die Arbeitsbedingungen, die Einstufung und somit die Bezahlung stimmen.

    Eines der neuen Arbeitsbereiche wird das Batterie-Recycling und Up-Cycling sein, sprich: Die Mitarbeiter werden alte Batterien prüfen, zerlegen und wieder zu neuen zusammenbauen. Markus Thal liegt bei den neuen Projekten besonders am Herzen, dass der Wiedereinstieg in die Berufsausbildung gelungen sei: So werden künftig wieder zwölf Azubis ihre Lehre in drei verschiedenen technisch-gewerblichen Berufen machen können. 

    Ford 1000: «Wir haben es in der Hand»

    Für Dennis Stoffel steht außer Frage, dass diese – wie auch die anderen Kollegen bei dem Programm «Ford 1000» – eine Perspektive haben: «Die Ersatzteilfertigung und -bereitstellung ausgelaufener Produkte ist gesetzlich geregelt und beträgt zwischen 10 und 15 Jahren», unterstreicht er. Doch auch unabhängig davon glaubt er an eine positive Zukunft in Saarlouis. «Meine Botschaft an die Belegschaft ist: Wir haben es in der Hand. Die Ford-Leitung wird gerade zu Beginn verstärkt ein Auge auf uns haben und prüfen, ob Qualität und Lieferzeiten stimmen.» 

    Schon in der Vergangenheit habe man oft bewiesen, dass man eines der produktivsten und qualitativ besten Werke in der Ford-Welt sei. Stoffel: «Ich gehe fest davon aus, dass wir auch in Zukunft zeigen werden, dass wir ein Standort sind, an dem Qualität gelebt und produziert wird.»

    Auf die Trauer folgt Motivation

    Und so langsam spiegle sich diese neue Zuversicht auch in der Belegschaft wider. «Bis November war die Zeit sehr geprägt von Trauer und Abschied. Das war allgegenwärtig. Auch wenn man durch die leeren Hallen ging und die abgerissenen Anlagen sah», blickt der neue Betriebsratsvorsitzende zurück. Auch habe bei den bereits gestarteten Projekten zu Beginn noch große Unsicherheit unter den Kollegen bestanden. «Viele haben sich gefragt, wie es weitergeht und mussten sich in den neuen Teams erst zusammenfinden. Aber jetzt scheint die Trauerphase langsam beendet und man merkt, dass die Kollegen hochmotiviert sind.» 

    Von Euphorie allerdings mag er noch nicht sprechen: «Aber viele sind bereit, das Neue zu starten und in verschiedenen Projekten echte Pionierarbeit zu leisten.» 

    Und auch, wenn es nicht gelungen sei, die Ford-Focus-Produktion in Saarlouis zu erhalten und das neue FCSP «nur die zweitbeste Lösung» sei, ist Stoffel mit dem Erreichten zufrieden: «Das Schöne war: Bis auf wenige Ausnahmen konnte jeder selbst entscheiden, ob er gehen oder bleiben und einen Neustart versuchen möchte. Wir mussten keine Auswahl treffen.»

    Transfergesellschaft mit knapp 1.400 Kollegen

    Nach Angaben von Markus Thal sind zum 1. Dezember 1.390 Kollegen in die Transfergesellschaft gewechselt. «Ab 55 Jahren können sie bis zu 24 Monaten bleiben, darunter haben sie eine 18-monatige Laufzeit.» Nach über 30 Jahren im Betriebsrat – davon fast elf als Vorsitzender – kann er auch mit Stolz auf dieses Ergebnis blicken: «Alle Seiten sagen uns, es könne als bisher einzigartig erachtet werden, was man hier für die Menschen im Anschluss erreichen konnte.»

    Aktuell werde das bisherige Ford-Verwaltungsgebäude von der Transfergesellschaft für Einzelberatungen und Gruppenworkshops genutzt. «Ende des Jahres wird es in dieser Größe dann sicher nicht mehr benötigt, dann wird es abgerissen – und auch die Endmontage wird es dann nicht mehr geben», vermutet Thal. Schon jetzt werde parallel die Fläche für die Neuansiedlung des Pharma-Unternehmens Vetter aus Ravensburg vorbereitet.

    Wie es selbst für ihn weitergeht, kann der 56-Jährige allerdings noch nicht sagen: Fest steht bislang nur, dass er Ende März aus dem Unternehmen ausscheidet.

    Noch weitere Freiwillige für Abfindungsprogramm gesucht

    Derweil läuft das Abfindungsprogramm bei Ford weiter. Dennis Stoffel rechnet, dass die Zahl der Mitarbeiter bis zum Jahresende auf etwa 850 sinken wird. 
    Nach Angaben der Werkleitung hätten bislang 150 Beschäftigte über das neue Programm einen Aufhebungsvertrag unterzeichnet. «Um möglichst nahe an das vorgegebene Ziel von 250 Aufhebungsverträgen zu kommen», machten Werkleiter Michael Steuer und Personalleiter Holger Bähr im Dezember in einer internen Info darauf aufmerksam, dass die Teilnahme an dem Freiwilligenprogramm nach wie vor möglich sei. Interessierte können sich dafür noch bis zum 15. Januar in der Personalabteilung melden.

  • Selenskyj kündigt baldigen Besuch bei Trump an

    Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat für die kommenden Tage eine Reise zu US-Präsident Donald Trump angekündigt. Er schrieb in den Netzwerken Telegram und X, bis zum Jahreswechsel könne viel für eine Friedensregelung erreicht werden.

  • Schauspieler Uwe Kockisch im Alter von 81 Jahren gestorben

    Der als Commissario Brunetti aus der ARD-Krimiserie Donna Leon bekannt gewordene Schauspieler Uwe Kockisch ist tot. Er starb am Montag im Alter von 81 Jahren in Madrid, wie seine Agentur unter Berufung auf seine Frau der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Zuvor hatte die «Junge Welt» berichtet.

  • 2026 mehr Arbeitslose erwartet – Jugend besonders betroffen

    Der Arbeitsmarkt in Sachsen war 2025 zäh wie Kaugummi und vor allem junge Menschen drohen immer häufiger, in der Arbeitslosigkeit hängenzubleiben. Für 2026 sind die Aussichten mau. «Die Arbeitslosigkeit wird steigen», sagt Klaus-Peter Hansen, Chef der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit. «Wir werden uns mit 7,X bei der Arbeitslosenquote anfreunden müssen.» Das wären mehr als 150.000 Arbeitslose im Freistaat. Ähnlich fällt die Einschätzung des Arbeitsministeriums aus: «Der sächsische Arbeitsmarkt steht zum Jahreswechsel 2025/2026 weiter unter Druck.» 

    Arbeitslosigkeit auf Zehn-Jahres-Hoch

    War Sachsen viele Jahre an einen vitalen Arbeitsmarkt und sinkende Arbeitslosenzahlen gewöhnt, hat sich der Trend längst umgekehrt. Im November waren fast 145.900 Menschen arbeitslos gemeldet – eine Quote von 6,8 Prozent. Höher war die Zahl zuletzt 2015. «Wir haben zehn Jahre an Entwicklung opfern müssen», konstatiert Hansen. 

    Ein genauerer Blick hinter die Zahlen zeige zudem, dass heute die Struktur der Arbeitslosigkeit anders sei als vor zehn Jahren. «Wir haben wesentlich mehr Menschen ohne Berufsabschluss und deutlich mehr Menschen mit Migrationshintergrund.» Deswegen brauche es mehr Zeit, um diese Menschen in Arbeit zu bringen – etwa durch Qualifizierungen und Sprachkurse.

    Flaute kostet Tausende Jobs in der Industrie 

    Die Flaute in wichtigen Branchen wie dem Maschinenbau und der Autoindustrie hat zu spürbarem Jobabbau geführt. So ist die Beschäftigung im Verarbeitenden Gewerbe binnen Jahresfrist um etwa 9.800 Menschen gesunken. Starke Rückgänge gibt es auch bei Leiharbeit, im Bereich Erziehung und Unterricht, dem Handel und Instandhaltung von Kraftfahrzeugen und im Baugewerbe. 

    Von einer Deindustrialisierung will man im Wirtschaftsministerium aber nicht sprechen. Sachsen bleibe ein industriell geprägtes Bundesland mit hohen Zukunftspotenzialen, heißt es auf Anfrage. Doch stehe die Industrie vor großen Umwälzungen und befinde sich in einem stetigen Strukturwandel. Dabei würden wirtschaftliche Aktivitäten zwischen einzelnen Bereichen verlagert. 

    Ein Beispiel sei die Mikroelektronik. Hier entstünden gerade Tausende neue Arbeitsplätze. «Es herrscht die paradoxe Situation von gleichzeitigem Beschäftigungsabbau einerseits und Fachkräftemangel andererseits», so die Analyse. Langfristig würden auch in Sachsen Arbeitskräfte knapper. 

    Arbeitslosigkeit hat junges Gesicht – Pendlerzahl steigt

    «Die Arbeitslosigkeit hat wieder einmal ein sehr junges Gesicht», betont Hansen. Denn wenn Unternehmen Jobs abbauen, müssten meist diejenigen zuerst gehen, die am kürzesten dabei sind. So ist die Jugendarbeitslosigkeit von ihrem Tiefststand im Jahr 2019 mit rund 9.500 auf zuletzt fast 14.900 Menschen geklettert. Damit ist aktuell etwa jeder zehnte Arbeitslose jünger als 25 Jahre. 

    Und offensichtlich nehmen auch wieder mehr Menschen längere Wege zur Arbeit auf sich. «Die Pendlerzahlen nehmen zu», erklärt Hansen. Ein bekanntes Phänomen: «Krisenphasen lösen einen Anstieg der erzwungenen Mobilität aus.» Denn für die Menschen steige dann der Erwerbsdruck, etwa um ihren Lebensstandard aufrecht zu halten. Aktuell pendeln 12.400 Arbeitskräfte mehr von Sachsen in andere Regionen, als zur Arbeit in den Freistaat kommen. Bessere Verdienstmöglichkeiten seien das Hauptmotiv für Pendler, heißt es. 

    Wie wirkt sich der künftige Wehrdienst auf den Arbeitsmarkt aus?

    Folgen auf den Arbeitsmarkt wird der neue Wehrdienst haben. Zum einen könnte damit die Arbeitslosigkeit unter jungen Menschen sinken. Zum anderen werde Betrieben Beschäftigungspotenzial entzogen, erläuterte Hansen. Denn Unternehmen müssen dann vorübergehend auf junge Fachkräfte verzichten, wenn diese ihren Dienst leisten. 

    Doch bei solchen Diensten würden auch Kompetenzen und Erfahrungen vermittelt, die in der Berufswelt helfen können, so Hansen. «Das muss nicht der Dient an der Waffe sein.» Teamfähigkeit gehöre dazu, aber auch mit Situationen klarzukommen, in denen man an physische und mentale Grenzen komme.

  • Vereinigte Arabische Emirate kündigen Abzug aus dem Jemen an

    Die Vereinigten Arabischen Emirate haben den Abzug ihrer verbliebenen Truppen aus dem Jemen angekündigt. Der Schritt erfolge «angesichts der jüngsten Entwicklungen» im Land, teilte das emiratische Verteidigungsministerium der Staatsagentur WAM zufolge mit.

  • USA sanktionieren Führung von deutscher Organisation HateAid

    Das von der US-Regierung verhängte Einreiseverbot wegen angeblicher Zensur amerikanischer Online-Plattformen betrifft auch die Leiterinnen der deutschen Organisation HateAid, die sich gegen Hass im Netz engagiert. Betroffen sind die beiden Geschäftsführerinnen Anna-Lena von Hodenberg und Josephine Ballon, wie das US-Außenministerium auf X mitteilte. Für ihren Einsatz gegen digitale Gewalt war von Hodenberg im Oktober mit dem Bundesverdienstorden ausgezeichnet worden.