Autor: Stojancho Gjorgjiev

  • Warum manche Firmen in Sachsen-Anhalt Zölle gut wegstecken

    Trotz weiter hoher US-Zölle können einige Unternehmen aus Sachsen-Anhalt ihre Geschäfte in den Vereinigten Staaten bislang stabil halten. Wie die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) auf Anfrage mitteilte, profitieren vor allem Firmen mit spezialisierten Produkten davon, dass ihre Waren in den USA nur schwer ersetzbar sind.

    Ein Beispiel dafür ist das Schraubenwerk Zerbst. Nach Angaben von Geschäftsführer Eckhard Schmidt blieb das USA-Geschäft des Unternehmens trotz der höheren Zölle bislang konstant. Rund acht Prozent des Umsatzes erzielt der Hersteller von Spezialschrauben in den USA. Die zusätzlichen Kosten würden vor allem von den Kunden in den Vereinigten Staaten getragen. Eine wichtige Rolle spiele dabei, dass die Bauteile spezialisiert und schwer ersetzbar seien.

    Unsicherheit trotz Zolldeal

    Die Lage bleibt dennoch angespannt. Die Europäische Union und die USA hatten sich bereits im vergangenen Jahr grundsätzlich auf eine Obergrenze von 15 Prozent für die meisten EU-Exporte in die Vereinigten Staaten verständigt. Vertreter von EU-Kommission, Europaparlament und Mitgliedstaaten einigten sich nun darauf, wie die Zusagen aus dem sogenannten Turnberry-Deal umgesetzt werden sollen.

    Gerade für exportorientierte Unternehmen in Sachsen-Anhalt sorgt die US-Zollpolitik weiter für Verunsicherung. «Die unberechenbare Zollpolitik der USA sorgt für erhebliche Verunsicherungen bei unseren US-aktiven Unternehmen», sagte Birgit Stodtko, Geschäftsführerin International der IHK Halle-Dessau.

    Besonders betroffen seien chemische und pharmazeutische Erzeugnisse sowie Maschinen und Metallerzeugnisse. Auch für Automobilzulieferer bleibe die Lage wegen möglicher weiterer US-Zölle angespannt.

    Manche Unternehmen profitieren sogar

    Gleichzeitig zeigt sich in Sachsen-Anhalt bislang ein differenziertes Bild. «Bundesweit sind die Exporte in die USA 2025 drastisch eingebrochen. In Sachsen-Anhalt gab es diese Entwicklung glücklicherweise nicht», erklärte Stodtko.

    Nicht alle Unternehmen leiden gleichermaßen unter den Zöllen. Nach Angaben der IHK können einzelne Firmen ihre Geschäfte in den USA trotz höherer Abgaben nicht nur stabil halten, sondern sogar ausbauen. Der Süßwarenhersteller Halloren profitiere etwa davon, dass Schweizer Konkurrenten teilweise noch höhere Zölle zahlen müssten. Auch Merz Pharma in Dessau und Bayer in Bitterfeld werden von der Kammer als Beispiele für stabile US-Geschäfte genannt.

    Feste Lieferketten als Vorteil

    Die DIHK sieht die Gründe für stabile Exporte vor allem in langjährigen Geschäftsbeziehungen und festen Lieferketten. «Wer auf spezialisierte Maschinen, Vorprodukte oder Hightech „Made in Germany“ angewiesen ist, kann nicht einfach umsteigen», erklärte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier.

    Besonders deutlich zeige sich das im Maschinenbau, bei Automobilzulieferern sowie in der Chemie- und Pharmabranche. Viele deutsche Anbieter seien fest in bestehende Lieferketten eingebunden. Noch trügen diese Strukturen die Exporte.

    Nach Angaben von IHK und DIHK geben viele Unternehmen die zusätzlichen Kosten inzwischen weiter. «Knapp drei Viertel der Unternehmen geben an, sie ganz oder teilweise an ihre US-Kunden weiterzureichen», erklärte Treier. Damit trügen letztlich vor allem amerikanische Importeure und Verbraucher die Kosten der Zollpolitik.

    Wie es weitergeht

    Gleichzeitig warnen die Wirtschaftsverbände vor den Folgen dauerhaft hoher Zölle. «Die Hochzollpolitik der USA hat bereits großen Flurschaden in der deutschen Außenwirtschaft angerichtet», erklärte Treier. Dauerhaft hohe oder weiter steigende Zölle könnten die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Produkte zunehmend schwächen.

    Wie sich der Handelskonflikt weiter entwickelt, bleibt offen. Die Einigung von EU-Parlament und Mitgliedstaaten zur Umsetzung des Zolldeals muss noch vom Ministerrat und vom Plenum des Europaparlaments bestätigt werden. Zudem behält sich die EU vor, Zugeständnisse wieder auszusetzen, falls die USA weitere Zölle verhängen oder Vereinbarungen nicht einhalten.

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    Demnach sank die Zahl der Beschäftigten in der Industrie zum Ende des ersten Quartals auf 5,3 Millionen Menschen – ein Rückgang von 2,3 Prozent oder 127.300 zum Vorjahreszeitraum. Am meisten Arbeitsplätze gingen unterm Strich in der Autoindustrie verloren mit rund 32.000, gefolgt vom Maschinenbau (22.000) und der Metallerzeugung und -bearbeitung (8.800). 

    Metallbranche steigert Umsatz stark

    Zugleich sieht EY Hoffnung für die schwächelnde Industrie, der hohe Energie- und Arbeitskosten, Konkurrenz aus China und US-Zölle zu schaffen machen. Laut Studie stieg der Umsatz in der Industrie im ersten Quartal um 1,7 Prozent auf gut 531 Milliarden Euro – das erste Plus binnen Jahresfrist nach zehn Quartalen mit Rückgängen. Zuletzt war die Industrie im zweiten Quartal 2023 gewachsen. 

    Hauptgrund für den jüngsten Anstieg sei ein Umsatzplus von 18 Prozent in der Metallbranche, dort wuchsen die Exporte um 28 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Ein leichtes Plus schafften im ersten Quartal auch die Autobranche (2,1 Prozent) und die Elektroindustrie (1,4 Prozent). Dagegen sank der Umsatz in der Papier- und Textilindustrie um rund 6 bzw. 8 Prozent.

    «Die kommenden Monate werden zeigen, ob es sich beim Wachstum einiger weniger Branchen nur um ein Strohfeuer handelt oder um eine Trendwende», sagt Jan Brorhilker, Managing Partner bei EY Deutschland.

    Rückenwind für die Industrie kam im ersten Quartal sowohl aus dem Inland, als auch von den Exporten. Im ersten Quartal war die deutsche Wirtschaft insgesamt überraschend stark gewachsen. Der Auftragsbestand in der Industrie stieg im März laut Statistischem Bundesamt um gut 8 Prozent zum Vorjahresmonat. Allerdings dämpft der Iran-Krieg die Aussichten: Die Bundesregierung hat ihre Wachstumsprognose für 2026 auf 0,5 Prozent halbiert.

    «Solche Situation hat es sehr lange nicht gegeben»

    Brorhilker erwartet weitere Jobverluste in der Industrie, denn in vielen Branchen bestünden erhebliche Überkapazitäten. Sorgen um Fachkräftemangel träten zunehmend in den Hintergrund. Die Bundesregierung habe wichtige Maßnahmen ergriffen wie den Industriestrompreis oder die Senkung der Körperschaftssteuer, diese wirkten aber erst zeitverzögert.

    Bei vielen Unternehmen stünden nicht mehr nur Sparprogramme, sondern auch die Schließung ganzer Werke zur Diskussion, sagte Brorhilker. «Eine solche Situation hat es in der deutschen Industrie sehr lange nicht gegeben.»

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