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  • EU-Einigung: Weg für Mercosur-Handelsabkommen ist frei

    Der Weg für den Abschluss des EU-Freihandelsabkommens mit den vier südamerikanischen Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay ist frei. Bei einer Sitzung von Vertretern der 27 EU-Länder stimmten in Brüssel ausreichend viele Teilnehmer der geplanten Unterzeichnung des Deals zu, wie die Deutsche Presse-Agentur von Diplomaten erfuhr. 

    Die neue Freihandelszone mit mehr als 700 Millionen Einwohnern wird nach Angaben der EU-Kommission die weltweit größte dieser Art sein. Ermöglicht wurde die Einigung auf das umstrittene Abkommen durch weitere Zugeständnisse an die Agrarlobby. Diese sieht die Konkurrenz aus den Mercosur-Staaten als Existenzbedrohung für die europäische Landwirtschaft. In Südamerika können etwa Agrarprodukte wie Rindfleisch günstiger produziert werden als in Europa.

    Das Abkommen hatte eigentlich bereits kurz vor Weihnachten in Brasilien unterzeichnet werden sollen. Die notwendige Mehrheit im Rat der EU-Mitgliedstaaten kam damals allerdings noch nicht zustande, weil Italien seine Zustimmung an weitere Unterstützungszusagen an europäische Landwirte knüpfte. Das Ja von Italien war notwendig, weil mit Frankreich und Polen zwei andere große EU-Staaten das Abkommen in der derzeitigen Form ablehnen.

    Zeichen an Donald Trump

    Die neue Freihandelszone soll auch ein Zeichen gegen die protektionistische Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump setzen. Geplant ist, Zölle und Handelsbarrieren zwischen der EU und den Mercosur-Staaten weitestgehend abzubauen. Die deutsche Industrie dringt bereits seit Jahren auf den Abschluss des Abkommens.

    Die EU-Kommission schätzt, dass das Abkommen die jährlichen EU-Exporte nach Südamerika um bis zu 39 Prozent (49 Milliarden Euro) steigern kann – und damit mehr als 440.000 Arbeitsplätze in ganz Europa unterstützt. Besonders große Chancen werden für die Autoindustrie, den Maschinenbau und die Pharmabranche gesehen. Auf Autoimporte in die Mercosur-Länder wird beispielsweise derzeit ein Zoll in Höhe von 35 Prozent fällig.

    Verhandlungen dauerten ein Vierteljahrhundert

    Die Verhandlungen über das Mercosur-Abkommen waren bereits 1999 gestartet worden. Die EU-Kommission hatte sie dann im Dezember 2024 trotz anhaltender Kritik aus Ländern wie Frankreich abgeschlossen. Zuletzt brachte der Zollstreit der EU mit den USA noch einmal neue Dynamik in den Prozess. Viele Länder wollen jetzt zeigen, dass die Zeiten des fairen Handels nicht vorbei sind – zu ihnen gehört insbesondere auch Deutschland.

    Kritiker des Abkommens befürchten hingegen, dass europäische Landwirte in einen gnadenlosen Preiskampf gezwungen werden könnten und die Regenwaldzerstörung in Südamerika befeuert wird. Zudem wird behauptet, dass die strengen Standards der EU für Lebensmittelsicherheit und Tier- und Pflanzenschutz ausgehöhlt werden könnten. 

    Die EU-Kommission weist dies entschieden zurück und betont, dass weiter nur Produkte, die den umfangreichen europäischen Vorschriften entsprechen, in die EU eingeführt werden dürften. 

    Umfangreiches Sicherheitsnetz für Bauern

    Um den anhaltenden Protesten von Bauern gegen die geplante Freihandelszone den Wind aus den Segeln zu nehmen, hatte die Europäische Kommission jüngst noch einmal zusätzliche wirtschaftliche Sicherheitsklauseln ausgearbeitet. 

    Im Fall eines schädlichen Anstiegs der Einfuhren aus den Mercosur-Staaten oder eines übermäßigen Preisverfalls für die EU-Erzeuger sollen damit rasch Gegenmaßnahmen in Gang gesetzt werden können. Diese würden dazu führen, dass Zollvorteile vorübergehend wieder ausgesetzt werden.

    Eine besonders intensive Überwachung ist bei der Einfuhr von Produkten wie Rindfleisch, Geflügel, Reis, Honig, Eier, Knoblauch, Ethanol, Zitrusfrüchte und Zucker vorgesehen. Mindestens alle sechs Monate soll es auch einen Bericht zu den Auswirkungen von Importen aus den Mercosur-Ländern Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay geben.

    Zum Mercosur-Bund gehört mittlerweile auch Bolivien. Das Land muss aber erst noch Regeln anpassen, bevor es von dem Freihandelsabkommen profitieren kann.

    Unterzeichnung ist in Paraguay geplant

    Unterzeichnet werden soll das Abkommen nun in Paraguay, das derzeit die rotierende Präsidentschaft der Staatenbundes Mercosur innehat. Aus der EU wollen dafür EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident António Costa in das südamerikanische Land reisen.

    Nach der Einigung an diesem Freitag braucht es noch einen schriftlichen Beschluss für die Unterzeichnung und den Abschluss des Abkommens. Dieses gilt allerdings als Formsache.

  • EU-Einigung: Weg für Mercosur-Handelsabkommen ist frei

    Der Weg für den Abschluss des EU-Freihandelsabkommens mit den vier südamerikanischen Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay ist frei. Bei einer Sitzung von Vertretern der 27 EU-Länder stimmten in Brüssel ausreichend viele Teilnehmer der geplanten Unterzeichnung des Deals zu, wie die Deutsche Presse-Agentur von Diplomaten erfuhr. 

    Die neue Freihandelszone mit mehr als 700 Millionen Einwohnern wird nach Angaben der EU-Kommission die weltweit größte dieser Art sein. Ermöglicht wurde die Einigung auf das umstrittene Abkommen durch weitere Zugeständnisse an die Agrarlobby. Diese sieht die Konkurrenz aus den Mercosur-Staaten als Existenzbedrohung für die europäische Landwirtschaft. In Südamerika können etwa Agrarprodukte wie Rindfleisch günstiger produziert werden als in Europa.

    Das Abkommen hatte eigentlich bereits kurz vor Weihnachten in Brasilien unterzeichnet werden sollen. Die notwendige Mehrheit im Rat der EU-Mitgliedstaaten kam damals allerdings noch nicht zustande, weil Italien seine Zustimmung an weitere Unterstützungszusagen an europäische Landwirte knüpfte. Das Ja von Italien war notwendig, weil mit Frankreich und Polen zwei andere große EU-Staaten das Abkommen in der derzeitigen Form ablehnen.

    Zeichen an Donald Trump

    Die neue Freihandelszone soll auch ein Zeichen gegen die protektionistische Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump setzen. Geplant ist, Zölle und Handelsbarrieren zwischen der EU und den Mercosur-Staaten weitestgehend abzubauen. Die deutsche Industrie dringt bereits seit Jahren auf den Abschluss des Abkommens.

    Die EU-Kommission schätzt, dass das Abkommen die jährlichen EU-Exporte nach Südamerika um bis zu 39 Prozent (49 Milliarden Euro) steigern kann – und damit mehr als 440.000 Arbeitsplätze in ganz Europa unterstützt. Besonders große Chancen werden für die Autoindustrie, den Maschinenbau und die Pharmabranche gesehen. Auf Autoimporte in die Mercosur-Länder wird beispielsweise derzeit ein Zoll in Höhe von 35 Prozent fällig.

    Verhandlungen dauerten ein Vierteljahrhundert

    Die Verhandlungen über das Mercosur-Abkommen waren bereits 1999 gestartet worden. Die EU-Kommission hatte sie dann im Dezember 2024 trotz anhaltender Kritik aus Ländern wie Frankreich abgeschlossen. Zuletzt brachte der Zollstreit der EU mit den USA noch einmal neue Dynamik in den Prozess. Viele Länder wollen jetzt zeigen, dass die Zeiten des fairen Handels nicht vorbei sind – zu ihnen gehört insbesondere auch Deutschland.

    Kritiker des Abkommens befürchten hingegen, dass europäische Landwirte in einen gnadenlosen Preiskampf gezwungen werden könnten und die Regenwaldzerstörung in Südamerika befeuert wird. Zudem wird behauptet, dass die strengen Standards der EU für Lebensmittelsicherheit und Tier- und Pflanzenschutz ausgehöhlt werden könnten. 

    Die EU-Kommission weist dies entschieden zurück und betont, dass weiter nur Produkte, die den umfangreichen europäischen Vorschriften entsprechen, in die EU eingeführt werden dürften. 

    Umfangreiches Sicherheitsnetz für Bauern

    Um den anhaltenden Protesten von Bauern gegen die geplante Freihandelszone den Wind aus den Segeln zu nehmen, hatte die Europäische Kommission jüngst noch einmal zusätzliche wirtschaftliche Sicherheitsklauseln ausgearbeitet. 

    Im Fall eines schädlichen Anstiegs der Einfuhren aus den Mercosur-Staaten oder eines übermäßigen Preisverfalls für die EU-Erzeuger sollen damit rasch Gegenmaßnahmen in Gang gesetzt werden können. Diese würden dazu führen, dass Zollvorteile vorübergehend wieder ausgesetzt werden.

    Eine besonders intensive Überwachung ist bei der Einfuhr von Produkten wie Rindfleisch, Geflügel, Reis, Honig, Eier, Knoblauch, Ethanol, Zitrusfrüchte und Zucker vorgesehen. Mindestens alle sechs Monate soll es auch einen Bericht zu den Auswirkungen von Importen aus den Mercosur-Ländern Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay geben.

    Zum Mercosur-Bund gehört mittlerweile auch Bolivien. Das Land muss aber erst noch Regeln anpassen, bevor es von dem Freihandelsabkommen profitieren kann.

    Unterzeichnung ist in Paraguay geplant

    Unterzeichnet werden soll das Abkommen nun in Paraguay, das derzeit die rotierende Präsidentschaft der Staatenbundes Mercosur innehat. Aus der EU wollen dafür EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident António Costa in das südamerikanische Land reisen.

    Nach der Einigung an diesem Freitag braucht es noch einen schriftlichen Beschluss für die Unterzeichnung und den Abschluss des Abkommens. Dieses gilt allerdings als Formsache.

  • Zalando schließt Standort Erfurt mit 2.700 Beschäftigen

    Der deutsche Mode-Versandhändler Zalando schließt Ende September sein Logistikzentrum in Erfurt. Aktuell würden die 2.700 Beschäftigten an dem Standort über die Pläne informiert, teilte der Dax-Konzern mit Hauptsitz in Berlin mit.

  • Schulausfall wegen Sturmtiefs Elli in Hamburg und Bremen

    Wegen des erwarteten Sturmtiefs Elli bleiben am Freitag in den Stadtstaaten Hamburg und Bremen sowie in Teilen Niedersachsens die Schulen geschlossen. Nach Angaben der zuständigen Behörden gibt es Notbetreuung und teilweise Distanzunterricht.

  • Deutsche Produktion steigt unerwartet – aber Export leidet

    In der deutschen Industrie mehren sich die Anzeichen für ein Ende der jahrelangen Talfahrt. Im November stieg die Produktion von Industrie, Bau und Energieversorgern überraschend den dritten Monat in Folge – vor allem dank starker Zuwächse in der Autobranche. Einen empfindlichen Dämpfer gab es dagegen für die Exporteure, die im wichtigen Geschäft mit den USA starke Rückgänge hinnehmen mussten. Ökonomen sehen unterm Strich dennoch immer mehr Signale, dass die Wirtschaft im neuen Jahr wieder in Fahrt kommt. 

    Die jüngsten Daten unterstreichen, «dass es langsam aufwärtsgeht mit der Konjunktur der deutschen Industrie», sagte Analyst Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg. 

    Aus Sicht von Thomas Gitzel, Chefvolkswirt bei der Liechtensteiner VP Bank, dürfte die deutsche Wirtschaft zum Jahresende 2025 gewachsen sein. Die Industrieproduktion lasse darauf schließen, «dass das gesamtwirtschaftliche Wachstum im vierten Quartal klar über der Nullmarke liegen wird». Füllten sich die Auftragsbücher, werde die Produktion und in Folge auch die Exporte davon profitieren. «Es gibt also begründeten Anlass zur Hoffnung, dass die deutsche Wirtschaft im Jahr 2026 um einiges stärker wachsen sollte.»

    Autobranche stellt mehr her

    In der Industrie allein legte die Produktion im November um 2,1 Prozent zu – angetrieben nicht nur von der Autobranche, sondern auch vom Maschinenbau, einer weiteren Schlüsselbranche. Die Energiezeugung sank dagegen kräftig. Zusammen mit leichten Rückgängen am Bau wuchs die Produktion um 0,8 Prozent, während Experten einen Rückgang erwartet hatten. Schon am Donnerstag waren Daten zu Industrieaufträgen überraschend stark ausgefallen.

    «Exportwirtschaft droht Anschluss zu verlieren»

    Gegenwind bekommt die deutsche Wirtschaft aber vom Export, der im November deutlich um 2,5 Prozent auf rund 128 Milliarden Euro nachgab. Dirk Jandura, Präsident des Außenhandelsverbands BGA, sprach von einem «weiteren Warnsignal für den Wirtschaftsstandort Deutschland».

    Vor allem die wichtigen Exporte in die USA schrumpften angesichts der Zölle von Präsident Donald Trump kräftig um 4,2 Prozent zum Vormonat auf 10,8 Milliarden Euro. Im Vorjahresvergleich lagen die Ausfuhren in die USA sogar fast ein Viertel niedriger. «Das unterstreicht einmal mehr, wie sehr dieser einstige Wachstumsmotor der deutschen Wirtschaft ins Stottern geraten ist», sagt Marc Schattenberg, Volkswirt bei der Deutschen Bank. 

    Auch in die EU-Staaten wurde deutlich weniger exportiert, während die Ausfuhren nach China um 3,4 Prozent zulegten. DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier sieht ein geteiltes Bild. Problematisch bleibe die Beziehung zum wichtigsten Exportland, den USA. «Da ist es nur ein schwacher Trost, dass China die Rolle unseres wichtigsten Handelspartners wieder übernimmt.»

    Gestiegene Importe nach Deutschland und die höhere Industrieproduktion wertete Treier als «erste Anzeichen für eine nachhaltige Stabilisierung der Industrie zum Jahresende».

    Zwar habe sich die Industrieproduktion gefangen, meint auch Nils Jannsen, Leiter Konjunktur Deutschland am Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW). Doch insgesamt dürfte die Herstellung 2025 rund 14 Prozent niedriger liegen als 2018. In den vergangenen sieben Jahren sei die Industrieproduktion nur 2021 gestiegen, damals mit einer Teil-Erholung von der Corona-Pandemie.

    Ökonomen: Es geht langsam aufwärts

    Die Krise der Industrie, die im großen Stil Jobs streicht, ist ein wesentlicher Grund für die Flaute der deutschen Wirtschaft, die zwei Jahre in Folge geschrumpft ist und 2025 stagnieren dürfte. In diesem Jahr erwarten Ökonomen wieder Wachstum – nicht zuletzt, weil die milliardenschweren Staatsausgaben für Rüstung und Infrastruktur die Konjunktur anschieben. 

    Die positiven Signale aus der Industrie würden zwar von schwachen Exporten und einem geringen privaten Konsum überschattet, meint Carsten Brzeski, Chefvolkswirt bei der ING Bank. «Die ersten Anzeichen einer industriellen Wende, zusammen mit der vollständigen Umsetzung der Konjunkturprogramme, bestärken jedoch unsere Einschätzung, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr endlich wieder wachsen wird.»

  • CDU sagt Klausurtagung wegen Wetterwarnungen ab

    Der CDU-Vorstand hat seine Klausurtagung in Mainz wegen der aktuellen Wetterwarnungen abgesagt. «Aufgrund der eindringlichen Wetterwarnungen und der damit verbundenen Gefahrenlage sowie den angekündigten Zug- und Flugausfällen sehen wir uns leider gezwungen, unsere Jahresauftaktklausur am kommenden Freitag und Samstag abzusagen», teilte eine Parteisprecherin mit.

  • Zwei Brandenburger Minister treten aus BSW aus

    Nach dem Bruch der SPD/BSW-Koalition in Brandenburg treten Gesundheitsministerin Britta Müller und Verkehrsminister Detlef Tabbert aus dem Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) aus. Das teilten sie in einer Erklärung mit, die der dpa vorliegt. Zuvor berichteten die «Potsdamer Neuesten Nachrichten».

  • Deutsche Produktion steigt unerwartet – aber Export leidet

    In der deutschen Industrie mehren sich die Anzeichen für ein Ende der jahrelangen Talfahrt. Im November stieg die Produktion von Industrie, Bau und Energieversorgern überraschend den dritten Monat in Folge – vor allem dank starker Zuwächse in der Autobranche. Einen empfindlichen Dämpfer gab es dagegen für die Exporteure, die im wichtigen Geschäft mit den USA starke Rückgänge hinnehmen mussten. Ökonomen sehen unterm Strich dennoch immer mehr Signale, dass die Wirtschaft im neuen Jahr wieder in Fahrt kommt. 

    Die jüngsten Daten unterstreichen, «dass es langsam aufwärtsgeht mit der Konjunktur der deutschen Industrie», sagte Analyst Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg. 

    Aus Sicht von Thomas Gitzel, Chefvolkswirt bei der Liechtensteiner VP Bank, dürfte die deutsche Wirtschaft zum Jahresende 2025 gewachsen sein. Die Industrieproduktion lasse darauf schließen, «dass das gesamtwirtschaftliche Wachstum im vierten Quartal klar über der Nullmarke liegen wird». Füllten sich die Auftragsbücher, werde die Produktion und in Folge auch die Exporte davon profitieren. «Es gibt also begründeten Anlass zur Hoffnung, dass die deutsche Wirtschaft im Jahr 2026 um einiges stärker wachsen sollte.»

    Autobranche stellt mehr her

    In der Industrie allein legte die Produktion im November um 2,1 Prozent zu – angetrieben nicht nur von der Autobranche, sondern auch vom Maschinenbau, einer weiteren Schlüsselbranche. Die Energiezeugung sank dagegen kräftig. Zusammen mit leichten Rückgängen am Bau wuchs die Produktion um 0,8 Prozent, während Experten einen Rückgang erwartet hatten. Schon am Donnerstag waren Daten zu Industrieaufträgen überraschend stark ausgefallen.

    «Exportwirtschaft droht Anschluss zu verlieren»

    Gegenwind bekommt die deutsche Wirtschaft aber vom Export, der im November deutlich um 2,5 Prozent auf rund 128 Milliarden Euro nachgab. Dirk Jandura, Präsident des Außenhandelsverbands BGA, sprach von einem «weiteren Warnsignal für den Wirtschaftsstandort Deutschland».

    Vor allem die wichtigen Exporte in die USA schrumpften angesichts der Zölle von Präsident Donald Trump kräftig um 4,2 Prozent zum Vormonat auf 10,8 Milliarden Euro. Im Vorjahresvergleich lagen die Ausfuhren in die USA sogar fast ein Viertel niedriger. «Das unterstreicht einmal mehr, wie sehr dieser einstige Wachstumsmotor der deutschen Wirtschaft ins Stottern geraten ist», sagt Marcus Schattenberg, Volkswirt bei der Deutschen Bank. 

    Auch in die EU-Staaten wurde deutlich weniger exportiert, während die Ausfuhren nach China um 3,4 Prozent zulegten. DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier sieht ein geteiltes Bild. Problematisch bleibe die Beziehung zum wichtigsten Exportland, den USA. «Da ist es nur ein schwacher Trost, dass China die Rolle unseres wichtigsten Handelspartners wieder übernimmt.»

    Gestiegene Importe nach Deutschland und die höhere Industrieproduktion wertete Treier als «erste Anzeichen für eine nachhaltige Stabilisierung der Industrie zum Jahresende».

    Zwar habe sich die Industrieproduktion gefangen, meint auch Nils Jannsen, Leiter Konjunktur Deutschland am Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW). Doch insgesamt dürfte die Herstellung 2025 rund 14 Prozent niedriger liegen als 2018. In den vergangenen sieben Jahren sei die Industrieproduktion nur 2021 gestiegen, damals mit einer Teil-Erholung von der Corona-Pandemie.

    Ökonomen: Es geht langsam aufwärts

    Die Krise der Industrie, die im großen Stil Jobs streicht, ist ein wesentlicher Grund für die Flaute der deutschen Wirtschaft, die zwei Jahre in Folge geschrumpft ist und 2025 stagnieren dürfte. In diesem Jahr erwarten Ökonomen wieder Wachstum – nicht zuletzt, weil die milliardenschweren Staatsausgaben für Rüstung und Infrastruktur die Konjunktur anschieben. 

    Die positiven Signale aus der Industrie würden zwar von schwachen Exporten und einem geringen privaten Konsum überschattet, meint Carsten Brzeski, Chefvolkswirt bei der ING Bank. «Die ersten Anzeichen einer industriellen Wende, zusammen mit der vollständigen Umsetzung der Konjunkturprogramme, bestärken jedoch unsere Einschätzung, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr endlich wieder wachsen wird.»

  • Exportflaute verschärft Handlungsdruck

    „Die Zahlen sind ein weiteres Warnsignal für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Die Exportwirtschaft wird zunehmend zwischen schwacher Auslandsnachfrage, geopolitischen Risiken und wachsendem Wettbewerbsdruck zerrieben. Um Abhängigkeiten zu reduzieren und neue Wachstumsperspektiven zu eröffnen, muss das Mercosur-Abkommen heute endlich beschlossen werden“, fordert Dr. Dirk Jandura, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), anlässlich der aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zum deutschen Export.

    „Der sogenannte Chinaschock ist längst Realität – deutsche und europäische Anbieter geraten preislich immer stärker ins Hintertreffen. Die steigenden Importe aus China sind dabei Ausdruck einer noch vergleichsweise stabilen deutschen Binnenkonjunktur und eines höheren Bedarfs an importierten Vorleistungen. Sie ändern jedoch nichts an der strukturellen Schwäche des Außenhandels. Belastend ist auch der Einbruch im US-Geschäft, der unsere zentralen Exportbranchen wie die Automobilindustrie und den Maschinenbau trifft. Unser exportorientiertes Geschäftsmodell wird von außen zunehmend infrage gestellt, ohne dass es bislang eine schlüssige politische Antwort darauf gibt“, warnt Jandura.

    „Ganz oben auf der Agenda der Politik muss daher eine strategische Neuausrichtung der deutschen Außenwirtschaftspolitik stehen. Deutschland braucht jetzt eine aktive, strategische Außenwirtschaftspolitik, die Unternehmen bei Diversifizierung, Markterschließung und resilienten Lieferketten unterstützt – andernfalls droht ein schleichender Verlust an Wettbewerbsfähigkeit. Notwendig sind hierfür eine Bündelung der Zuständigkeiten, der Abbau von Doppelstrukturen und eine konsequentere Nutzung bestehender Förderinstrumente. Zudem muss die Außenwirtschaftspolitik deutlich enger mit Sicherheits- und Wirtschaftsschutzfragen verzahnt werden“, so der BGA-Präsident abschließend.

    Während laut Statistischem Bundesamt (DESTATIS) die Exporte gegenüber dem Vormonat um 2,5 Prozent zurückgingen, stiegen die Importe weiter an. Im Jahresvergleich zeigt sich ein ähnliches Bild: sinkende Ausfuhren bei deutlich steigenden Einfuhren. Der Außenhandelsüberschuss schrumpft weiter spürbar. Konkret sind im November 2025 die deutschen Exporte gegenüber Oktober 2025 kalender- und saisonbereinigt um 2,5 Prozent gesunken, während die Importe um 0,8 Prozent stiegen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat November 2024 nahmen die Exporte um 0,8 Prozent ab, die Importe legten hingegen um 5,4 Prozent zu.

    9. Januar 2026

    Pressekontakt:
    Iris von Rottenburg
    Abteilungsleiterin Kommunikation
    Frederike Röseler
    Pressesprecherin
    Tel: 030/590099520
    Mail: presse@bga.de
    Weiteres Material: www.presseportal.de
    Quelle:            BGA Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen e.V.
  • Deutsche Industrie bleibt überraschend auf Erholungskurs

    In der deutschen Industrie mehren sich die Anzeichen für ein Ende der Krise. In den Betrieben des verarbeitenden Gewerbes ist die Produktion im November dank starker Zuwächse in der Autoindustrie überraschend weiter gestiegen. 

    Im Monatsvergleich legte die Fertigung um 0,8 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilt. Dies war der dritte Anstieg in Folge. Analysten hatten hingegen einen Dämpfer erwartet und waren im Schnitt von einem Rückgang zum Oktober um 0,7 Prozent ausgegangen.

    Zudem wurden die Produktionsdaten für den Vormonat nach oben revidiert. Im Oktober war die Fertigung demnach um 2,0 Prozent gestiegen. Zuvor war ein Zuwachs um 1,8 Prozent gemeldet worden.

    Vor allem Zuwächse in der Automobilindustrie 

    «Die positive Entwicklung der Produktion im November 2025 ist maßgeblich auf die Zuwächse in der Automobilindustrie zurückzuführen», hieß es. Hier meldete das Bundesamt einen Anstieg um 7,8 Prozent im Monatsvergleich. Auch der Bereich Maschinenbau habe zum positiven Ergebnis beigetragen. Negativ habe sich ein Rückgang in der Energieerzeugung um 7,8 Prozent ausgewirkt.

    Auch die Entwicklung im Jahresvergleich überraschte positiv. Hier wurde für November ein Zuwachs um 0,8 Prozent ermittelt, während Analysten mit einem Rückgang um 1,0 Prozent gerechnet hatten. 

    Bereits am Donnerstag waren Daten zum Auftragseingang in der Industrie überraschend stark ausgefallen, was bei Ökonomen die Hoffnung auf ein Ende der Talfahrt in der deutschen Industrie weckte.

    Ifo: Autohersteller weniger pessimistisch

    Nach Angaben des Ifo-Instituts hat sich die Stimmung in der Automobilindustrie im Dezember 2025 leicht verbessert. Der Geschäftsklimaindex stieg demnach auf minus 19,8 Punkte von saisonbereinigt minus 20,2 Punkten im November. Während die Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage dem Ifo zufolge schlechter beurteilen, sehen sie den kommenden Monaten weniger pessimistisch entgegen. «Einen Lichtblick stellt die Entwicklung bei der Elektromobilität dar», sagt Ifo-Branchenexpertin Anita Wölfl. 

    Ökonomen: Es geht langsam aufwärts

    Die jüngsten Daten unterstreichen, «dass es langsam aufwärts geht mit der Konjunktur der deutschen Industrie», kommentierte Analyst Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg. Nach Einschätzung von Thomas Gitzel, Chefvolkswirt bei der VP Bank, lässt die Industrieproduktion darauf schließen, dass das gesamtwirtschaftliche Wachstum im vierten Quartal klar über der Nullmarke liegen werde.

    Die positiven Signale aus der Industrie würden zwar durch schwache Exporte und einen geringen privaten Konsum überschattet, sagte Carsten Brzeski, Chefvolkswirt bei der ING Bank. «Die ersten Anzeichen einer industriellen Wende, zusammen mit der vollständigen Umsetzung der Konjunkturprogramme, bestärken jedoch unsere Einschätzung, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr endlich wieder wachsen wird.»