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  • USA beschlagnahmen Öltanker unter russischer Flagge

    Das US-Militär hat einen unter russischer Flagge fahrenden Öltanker beschlagnahmt. Der Zugriff im Nordatlantik sei wegen «Verstößen gegen US-Sanktionen» erfolgt, teilte das Europa-Kommando der US-Streitkräfte (Eucom) mit.

  • USA beschlagnahmen Öltanker unter russischer Flagge

    Das US-Militär hat einen unter russischer Flagge fahrenden Öltanker beschlagnahmt. Der Zugriff im Nordatlantik sei wegen «Verstößen gegen US-Sanktionen» erfolgt, teilte das Europa-Kommando der US-Streitkräfte (Eucom) mit.

  • Stromversorgung im Südwesten Berlins wieder angelaufen

    Fünf Tage nach dem großflächigen Stromausfall im Berliner Südwesten ist die Stromversorgung für das betroffene Gebiet wieder angelaufen. Schrittweise sollten in den nächsten Stunden sämtliche Haushalte wieder Strom haben, teilte ein Sprecher der landeseigenen Netzgesellschaft Stromnetz Berlin mit.

  • Bosch-Chef Hartung: Gewinn deutlich unter Plan

    Angesichts der schwierigen Wirtschaftslage erwartet Bosch-Chef Stefan Hartung, dass der Technologiekonzern zum zweiten Mal in Folge weniger Gewinn machen wird. «Der Gewinn vor Steuern wird 2025 deutlich unter Plan sein, geringer als im Vorjahr. Gerade der Abbau von Stellen kostet viel Geld, wenn man sozialverträglich vorgehen will», sagte der Manager der Wochenzeitung «Die Zeit». Bereits 2024 war der Vorsteuergewinn im Vergleich zum Vorjahr um fast ein Drittel auf gut 2,7 Milliarden Euro abgesackt. Unter dem Strich, also nach Steuern, war der Einbruch noch deutlicher. 

    Hartung zufolge wirken sich mehrere Faktoren negativ auf die Geschäftszahlen des Unternehmens aus. Zum einen kosteten Zölle und Handelsbarrieren Geld. «Zugleich spüren wir bei unseren Produkten für Endkonsumenten, also den Kühlschränken und Waschmaschinen, Mährobotern und Bohrmaschinen, zunehmenden Wettbewerb», sagte der Bosch-Chef. Die Bereitschaft der Kundinnen und Kunden, höhere Preise zu bezahlen, lasse nach. 

    Eine schnelle Erholung im angelaufenen Jahr erwartet Hartung nicht. «2026 wird sich das Wachstum in den USA und China abschwächen, für Europa und Deutschland sind die Prognosen auch nicht gut», sagte der 59-Jährige. Dies werde sich an den Zahlen ablesen lassen. 2026 werde nicht einfacher. «Die für Zukunftsinvestitionen benötigte Zielrendite von mindestens sieben Prozent werden wir frühestens ab 2027 erreichen können.»

    Tausende Jobs fallen weg

    Bosch ist als weltweit größter Autozulieferer bekannt, verkauft aber auch Haushaltsgeräte, Elektrowerkzeuge und Wärmepumpen. Die breite Aufstellung – sonst ein Vorteil der Schwaben – wurde zuletzt aber zum Nachteil. In vielen Bereichen ist der Konzern aus Gerlingen bei Stuttgart nach eigenen Angaben nur noch eingeschränkt wettbewerbsfähig. Allein im Zulieferbereich gibt es demnach eine Kostenlücke in Milliardenhöhe. 

    Erst im September hatte der Konzern daher angekündigt, rund 13.000 weitere Stellen abzubauen. Betroffen sind vor allem Zuliefer-Jobs in Deutschland. Das Management und Arbeitnehmervertreter verhandeln an mehreren Standorten über die Pläne. Der Abbau soll sozialverträglich geschehen. Sparprogramme gibt es aber auch in anderen Sparten. Die Abbau-Ankündigungen seit Ende 2023 summieren sich mittlerweile auf rund 29.000 Jobs weltweit. Vorläufige Zahlen für das Geschäftsjahr 2025 will Bosch Ende Januar veröffentlichen.

  • Zalando-Aus: Wackelt der Aufschwung Ost?

    Auf bis zu 4.000 Jobs durch Zalando hatte die Thüringer Landespolitik einst gehofft. Nun plant der Berliner Moderhändler so schnell aus Erfurt zu verschwinden, wie er vor rund vierzehn Jahren gekommen ist. In einem Dreivierteljahr soll Schluss sein für die rund 2.700 Beschäftigten. Landespolitik, Kommune und Gewerkschaften wurden davon kalt erwischt. Es hatte offenbar keinerlei Warnsignale gegeben. 

    «Dass wir hier vor vollendete Tatsachen gestellt worden sind, ist absolut unüblich und ganz sicher kein guter Stil», so Thüringens Wirtschaftsministerin Colette Boos-John (CDU). Es ist ein weiterer harter Schlag in einer Reihe von wirtschaftlichen Rückschlägen für den Osten Deutschlands: Das Aus für die geplante milliardenschwere Intel-Chipfabrik in Magdeburg, das Aus bei Dow Chemical im mitteldeutschen Chemiedreieck, der Niedergang der Solarindustrie im «Solar Valley», die Schließung der einst als Vorzeigefabrik gebauten gläsernen VW-Manufaktur in Dresden. 

    22 Millionen Euro für Zalando in Erfurt

    Es sind nicht nur wirtschaftliche Rückschläge – für viele Beschäftigte dürften sie sich auch wie gebrochene Versprechen anfühlen. Zahlreiche der wirtschaftlichen Leuchttürme, die gerade zu wackeln drohen, sind einst mit Fördermillionen in den Osten geholt worden. Im Fall von Zalando waren es 22 Millionen Euro. Seine vertragliche Schuldigkeit hat das Unternehmen getan, die Zweckbindung der Gelder ist ausgelaufen, heißt es aus dem Thüringer Wirtschaftsministerium. Doch die Beschäftigten dürften das anders sehen.

    Hohe Energiepreise, schwache globale Nachfrage, Konkurrenz aus dem Ausland: Die kriselnde deutsche Wirtschaft ist kein Ost-Phänomen, doch angesichts schwacher Wirtschaftsprognosen und einem Höchststand bei den Firmenpleiten dürfte insbesondere vom Osten auch wirtschaftspolitischer Druck auf den Bund ausgehen: In Sachsen-Anhalt macht sich die AfD berechtigte Hoffnungen, nach der Wahl im September die erste Landesregierung zu stellen. Sie buhlt um Stimmen der Enttäuschten und Verärgerten.

    Experte: Teils kaum noch Unterschied zwischen Ost und West 

    Aber wackelt der Aufschwung Ost gerade generell? «Geht es um die wirtschaftlichen Aufholprozesse nach der Einheit, steht meist die noch immer vorhandene Ungleichheit im Vordergrund», schreibt Martin Gornig vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in einer Analyse zu den Unterschieden zwischen Ost und West.

    «Dabei wird aber übersehen, dass es in den ostdeutschen Städten und Kreisen, abgesehen von den Großstädten, im Vergleich zu ihren westdeutschen Pendants kaum noch Unterschiede gibt.» Viele ostdeutsche Regionen schreiben laut Gornig sogar Erfolgsgeschichten. 

    Davon berichtet auch die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Susanne Kaiser, in ihrem aktuellen Bericht. «Die ostdeutsche Wirtschaft wächst bereits seit Jahren stärker als die westdeutsche.» Viele Regionen im Osten hätten sich als attraktive Standorte für Forschung, Technologie und Start-ups etabliert. 

    Aktuelle wirtschaftliche Krisenstimmung trifft ganz Deutschland

    Die Rückschläge der vergangenen Monate an ostdeutschen Wirtschaftsstandorten haben jeweils unterschiedliche Gründe: In der Chemieindustrie in Leuna wurden hohe Energiepreise genannt. Chip-Hersteller Intel kämpft weltweit mit Problemen. Die Solarindustrie hat große Konkurrenz aus China. Automobilzulieferer etwa im Harz und in Thüringen hängen an den Problemen der großen Autoindustrie bei der Umstellung von Verbrennern auf Elektroantriebe. Probleme, die es so auch im Westen gibt. 

    Laut dem aktuellen Insolvenztrend des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) lag 2025 die Zahl der Firmeninsolvenzen bundesweit so hoch wie seit 20 Jahren nicht. «Der Anstieg war breit, da wurde niemand verschont», sagte der Leiter der IWH-Insolvenzforschung, Steffen Müller der dpa. «Der Süden ist stark im Maschinenbau und in der Automobilzulieferung, das ist eine strukturelle Krise, die sich im Insolvenzgeschehen zeigt.»

    Zugleich gab es auch erfreuliche Nachrichten für die ostdeutsche Wirtschaft: In der Chip-Industrie in Dresden sind neue Investitionen von rund 1,1 Milliarden Euro geplant. Und Sachsen-Anhalt hält auch ohne Intel an der Entwicklung des High-Tech-Parks bei Magdeburg fest und spricht mit Investoren. 

    Dominanz «verlängerter Werkbänke» im Osten

    Aber Hiobsbotschaften bleiben hängen. Zalando wurde 2012 in Erfurt, Intel 2022 als großes Versprechen angekündigt. Kommunen gehen in Vorleistung mit Fördergeldern und Infrastruktur, während in fernen Konzernzentralen Entscheidungen getroffen werden. 

    Joachim Ragnitz vom Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung in Dresden nennt in einer Analyse strukturelle Defizite im Osten: vor allem das Fehlen von großen eigenständigen Unternehmen, die Dominanz sogenannter verlängerter Werkbänke und häufig auf regionale Märkte ausgerichtete Produktionszweige.

    Angesichts der schwierigen Lage warnten Arbeitgeber und Gewerkschaften der ostdeutschen Chemiebranche im Dezember vor einem regelrechten Abbau Ost und dem Verlust von bis zu 63.000 Arbeitsplätzen. Für die Ostdeutschen dürften die jüngsten wirtschaftlichen Rückschläge keine guten Erinnerungen an bisherige Transformationserfahrungen hervorrufen.

  • Trendwende? Industrieaufträge schüren Konjunkturhoffnung

    In der krisengeschüttelten deutschen Industrie schüren unerwartet starke Bestellungen die Hoffnung auf bessere Zeiten. Im November stieg der Auftragseingang um 5,6 Prozent zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Experten hatten nach einem starken Oktober-Wert mit einem Rückgang gerechnet. 

    Die guten Auftragszahlen – das größte Plus seit Ende 2024 – sorgten auch an der Börse für Optimismus und trieben den Leitindex Dax zeitweise auf ein Rekordhoch. Ökonomen setzen darauf, dass steigende Rüstungsausgaben die Konjunktur ankurbeln. Zugleich warnen sie vor zu viel Optimismus für die deutsche Wirtschaft, die 2026 nach drei Jahren ohne Wachstum wieder zulegen soll. 

    Ökonomen sehen mögliche Trendwende 

    «Endlich mal eine Zahl von der deutschen Konjunktur, an der es nichts zu meckern gibt», sagte Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Er sieht darin ein echtes Zeichen für eine mögliche Trendwende. Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank, sprach von einer «freudigen Konjunkturüberraschung». 

    Deutliche Auftragszuwächse im November gab es etwa für Hersteller von Metallerzeugnissen mit gut 25 Prozent und im Sonstigen Fahrzeugbau (Flugzeuge, Schiffe, Züge, Militärfahrzeuge) mit einem Plus von 12,3 Prozent. «In diesen Bereichen wurde ein hohes Volumen an Großaufträgen verzeichnet,» erklärten die Statistiker. Ohne Großaufträge war der Auftragseingang 0,7 Prozent höher als im Vormonat. Moderate Zuwächse gab es auch bei elektrischen Ausrüstungen und im Maschinenbau.

    Die Auftragseingänge dürften in den kommenden Monaten vor allem von Rüstungsaufträgen geprägt bleiben, meint Gitzel. Der US-Angriff auf Venezuela führe eindrücklich vor Augen, dass es in der derzeitigen Weltordnung auf militärische Stärke ankomme. Die deutsche Rüstungsbranche werde deshalb zu einem der wichtigsten Treiber für die Industrie gehören. 

    Ähnlich äußerte sich der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, Sebastian Dullien. Rüstungsbestellungen dürften zu weiter steigenden Auftragseingängen führen. Das Auftragsplus sei ein weiteres Indiz, dass die steigenden Staatsausgaben im neuen Jahr die Wirtschaft ankurbeln werden. 

    «Diese Stütze ist für die Industrie hochwillkommen», betonte Dullien. 2026 dürfte deutlich besser für die deutsche Industrie werden als das abgelaufene Jahr. Neben steigenden Staatsausgaben für Rüstung dürfte auch der Anstieg bei Infrastrukturinvestitionen der Industrie mehr Aufträge bescheren. 

    Krise der Industrie: 120.000 Jobs verloren

    Die Schwäche der Industrie ist einer der wesentlichen Gründe für die Krise der deutschen Wirtschaft, die zwei Jahre in Folge geschrumpft ist und 2025 stagnieren dürfte. Ende des dritten Quartals 2025 waren laut Statistischem Bundesamt rund 5,43 Millionen Menschen in der Industrie beschäftigt – ein Rückgang von 120.300 Beschäftigten in einem Jahr.

    Die Krise der Industrie spiegelt sich auch in gestiegenen Insolvenzen wider: Sie lagen laut dem Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) 2025 auf dem höchsten Stand seit 20 Jahren.

    Im neuen Jahr könnte die deutsche Wirtschaft wieder an Fahrt gewinnen – nicht zuletzt wegen der staatlichen Milliardenausgaben. Forschungsinstitute wie das Ifo, das RWI Essen und das Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) haben ihre Prognosen für 2026 zuletzt aber gesenkt und erwarten nur ein Plus von rund einem Prozent oder weniger. 

    Die deutsche Wirtschaft leidet nicht nur unter strukturellen Problemen wie Bürokratie und teurer Energie. Auch die hohen US-Zölle und harte Konkurrenz aus China machen ihr zu schaffen. Dem Industrieverband BDI zufolge ist die Industrieproduktion 2025 das vierte Jahr in Folge geschrumpft.

    Nun verdichten sich die Zeichen auf Besserung. Die Aufträge für die Industrie legten dem Statistischen Bundesamt im November sowohl im Inland mit einem Orderplus von 6,5 Prozent zu als auch aus dem Ausland (plus 4,9 Prozent). 

    DIHK: «Aufschwung kein Selbstläufer»

    Jupp Zenzen, Konjunkturexperte beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK), sieht die Lage geteilt. «Der dritte Anstieg bei den Auftragseingängen in Folge ist ein gutes Zeichen. Ohne die Berücksichtigung der insbesondere rüstungsgetriebenen Großaufträge fallen die Zuwächse allerdings deutlich bescheidener aus.»

    Zumindest die Talsohle scheine nun erreicht. «Ein Aufschwung in der Industrie ist aber bei weitem kein Selbstläufer, die strukturellen Probleme am Standort Deutschland wie hohe Kosten, hohe Steuern und überbordende Bürokratie bleiben ungelöst.»

  • Stromversorgung im Südwesten Berlins wieder angelaufen

    Nach dem tagelangen großflächigen Stromausfall im Berliner Südwesten ist die Stromversorgung für das betroffene Gebiet wieder angelaufen. Schrittweise sollten in den nächsten Stunden sämtliche Haushalte wieder Strom haben, teilte ein Sprecher der landeseigenen Netzgesellschaft Stromnetz Berlin mit.

  • Zahl der Arbeitslosen im Dezember gestiegen

    Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Dezember im Vergleich zum Vormonat um 23.000 auf 2,908 Millionen gestiegen. Das sind 101.000 mehr als im Dezember 2024, wie die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg mitteilte. Die Arbeitslosenquote stieg im Vergleich zum November um 0,1 Punkte auf 6,2 Prozent.

  • Zahl der Arbeitslosen im Dezember gestiegen

    Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Dezember im Vergleich zum Vormonat um 23.000 auf 2,908 Millionen gestiegen. Das sind 101.000 mehr als im Dezember 2024, wie die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg mitteilte. Die Arbeitslosenquote stieg im Vergleich zum November um 0,1 Punkte auf 6,2 Prozent.

  • BCG Global Trade Report: Europas Handelsströme verlagern sich

    München (ots)

    • Welthandel wächst weiter – für die EU verändern sich jedoch die Gewichte ihrer wichtigsten Handelspartner deutlich
    • EU-Handel mit den USA und China entwickelt sich unterdurchschnittlich
    • An Bedeutung gewinnen regelbasierte, handelsoffene Volkswirtschaften sowie ausgewählte Märkte außerhalb der klassischen Handelsachsen
    • EU-Außenhandel legt deutlich stärker zu als Binnenhandel

    Der globale Warenhandel bleibt auch in einem zunehmend fragmentierten Umfeld robust und wächst bis 2034 im moderaten Entwicklungspfad jährlich um rund 2,5 Prozent, so eine Prognose der Strategieberatung Boston Consulting Group (BCG). Die Handelsbeziehungen der EU werden sich dabei grundlegend verändern, weil sich die Märkte zunehmend multipolar entwickeln mit Auswirkungen auf die Bedeutung einzelner Handelspartner. Das zeigt der BCG Global Trade Report 2026, der die Entwicklung der weltweiten Handelsströme über einen Zeitraum von zehn Jahren untersucht. Entscheidend für die EU ist dabei weniger das globale Wachstum insgesamt als die Frage, woher dieses Wachstum künftig kommt und wie sich Europas Handelsprofil verändert.

    Um diese Dynamik einzuordnen, arbeitet der BCG Global Trade Report 2026 erstmals mit vier unterschiedlichen Entwicklungspfaden für den Welthandel über die kommenden zehn Jahre. Hintergrund ist die wachsende Unsicherheit durch geopolitische Spannungen, industriepolitische Eingriffe und fragmentierte Handelsregeln. In dem von den Beratern als besonders plausibel eingeschätzten, moderaten Trade-Patchwork-Szenario wächst der globale Warenhandel trotz dieser Belastungen weiter und steigt von rund 23 Billionen US-Dollar im Jahr 2024 auf knapp 30 Billionen US-Dollar bis 2034. Dieses Wachstum liegt leicht über dem erwarteten globalen Wirtschaftswachstum, geht jedoch mit einer tiefgreifenden Neuordnung der Handelsströme einher: Während einzelne traditionelle Handelsachsen an Bedeutung verlieren, gewinnen neue, politisch und regulatorisch geprägte Verbindungen an Gewicht.

    Phase tiefgreifender Neuordnung

    Für die Europäische Union zeigen die Daten ein differenziertes Bild: Während der EU-Handel mit den USA und China bis 2034 jeweils nur um rund 1,5 Prozent pro Jahr wächst und damit deutlich unter dem globalen Durchschnitt bleibt, entwickeln sich andere Partnerschaften spürbar dynamischer. Der Handel der EU mit regelbasierten, handelsoffenen Volkswirtschaften legt im selben Zeitraum im Schnitt um rund 2,5 Prozent jährlich zu, so die Prognose. Innerhalb dieser Gruppe entfällt etwa 40 Prozent des Handelsvolumens auf die EU selbst, was die wachsende Bedeutung eng integrierter Handelsräume unterstreicht. Besonders relevant für Europas künftige Handelsentwicklung sind dabei die Beziehungen zu den EFTA-Staaten, den CPTPP-Ländern, dem Vereinigten Königreich und Südkorea. „Der Welthandel tritt nicht in eine Phase des Rückzugs ein, sondern in eine Phase tiefgreifender Neuordnung“, sagt Nikolaus Lang, Senior Partner bei BCG und Co-Autor des Reports. „Trotz zunehmender geopolitischer Fragmentierung wächst der globale Warenhandel weiter – entlang neuer, politisch geprägter Handelsachsen.“

    Diese Verschiebungen spiegeln sich auch in der unterschiedlichen Dynamik von EU-Binnen- und EU-Außenhandel wider: Während nach Einschätzung der BCG-Experten der Binnenhandel bis 2034 nur um rund 1,4 Prozent jährlich wächst, entwickelt sich der EU-Außenhandel mit einem Plus von etwa 2,3 Prozent pro Jahr deutlich dynamischer. Das externe Handelsvolumen der EU steigt von rund 5,3 Billionen US-Dollar im Jahr 2024 auf etwa 6,7 Billionen US-Dollar bis 2034. Für Europas Handelsentwicklung wird also die Positionierung in internationalen Wertschöpfungs- und Handelsnetzwerken immer entscheidender.

    Diversifizierung wird strategische Notwendigkeit

    Besonders deutlich zeigen sich die strukturellen Herausforderungen der EU in ihren sektoralen Abhängigkeiten. In Branchen wie Automobil & Mobilität, Maschinenbau und Biopharma entfallen in einzelnen Segmenten jeweils mehr als 30 bis 40 Prozent des Handelsvolumens auf die USA und China. Diese Konzentration erhöht die Anfälligkeit europäischer Wertschöpfungsketten gegenüber handelspolitischen Eingriffen und geopolitischen Spannungen. Diversifizierungsstrategien können Risiken reduzieren, gehen jedoch mit einer steigenden Komplexität wirtschaftlicher und politischer Abstimmungsprozesse innerhalb der EU einher.

    „Die EU bleibt in zentralen Industrien stark von den USA und China abhängig“, betont Lang, der auch den Vorsitz des BCG Henderson Institute innehat. „Diese Verwundbarkeit zwingt Europa, wirtschaftliche Sicherheitsinteressen und das Bekenntnis zu regelbasiertem Handel neu auszubalancieren – Diversifizierung wird damit zur strategischen Notwendigkeit.“ Und auch jenseits Europas zeigen sich unterschiedliche Entwicklungsdynamiken im Welthandel: Der BCG Global Trade Report zeigt, dass insbesondere der Handel zwischen BRICS+-Staaten (ohne China) sowie mit Teilen des Global South bis 2034 jeweils um rund 3 Prozent pro Jahr zunimmt. China baut seine wirtschaftlichen Beziehungen zu diesen Märkten weiter aus; der Handel mit anderen BRICS+-Staaten wächst im gleichen Zeitraum um rund 5,5 Prozent jährlich. Dagegen verliert der direkte Handel zwischen den USA und China weiter an Bedeutung und geht bis 2034 um rund 4,5 Prozent zurück. Gleichzeitig wächst der Warenhandel der USA insgesamt mit nur rund 1,5 Prozent pro Jahr deutlich langsamer als der globale Durchschnitt.

    Implikationen für Wirtschaft und Politik

    Vor diesem Hintergrund wird Europas Handelszukunft zur strategischen Gestaltungsaufgabe. Für Unternehmen bedeutet das: Sie müssen Handels- und Lieferketten stärker an unterschiedliche Handelsräume anpassen und geopolitische Risiken systematisch in Investitions- und Standortentscheidungen einbeziehen. Gleichzeitig stehen politische Entscheidungsträger vor der Aufgabe, wirtschaftliche Offenheit, industriepolitische Steuerung und das Bekenntnis zu regelbasiertem Handel in einem komplexeren globalen Umfeld auszubalancieren. „Die EU steht vor einem strukturellen Wendepunkt“, sagt BCG-Partner Nikolaus Lang. „Das künftige Handelswachstum wird vor allem aus Partnerschaften mit gleichgesinnten Volkswirtschaften kommen – nicht aus dem Binnenmarkt allein.“

    Über die Studie

    Der BCG Global Trade Report 2026 analysiert die Entwicklung des weltweiten Warenhandels über einen Zeitraum von zehn Jahren bis 2034. Grundlage ist das BCG Global Trade Model, das auf historischen Handelsdaten, makroökonomischen Indikatoren und szenariobasierten Annahmen beruht. Der Bericht untersucht Handelsströme zwischen mehr als 150 Ländern und ordnet sie in regionale und handelspolitische Kontexte ein. Angesichts der zunehmenden Unsicherheit im globalen Handelsumfeld arbeitet der Report erstmals mit vier möglichen Entwicklungspfaden, um unterschiedliche wirtschafts- und geopolitische Rahmenbedingungen abzubilden.

    Über BCG

    Die Boston Consulting Group (BCG) ist eine weltweit führende Unternehmensberatung. Gemeinsam mit Führungskräften aus Wirtschaft und Gesellschaft treiben wir tiefgreifende Transformationen voran. Seit der Gründung 1963 leistet BCG Pionierarbeit im Bereich Unternehmensstrategie. Unser Ziel: Organisationen so stärken, dass sie wachsen, nachhaltige Wettbewerbsvorteile entwickeln und positiven gesellschaftlichen Wandel gestalten können.

    BCG steht für erstklassige Strategieberatung mit Technologiekompetenz sowie unternehmerischer Umsetzungskraft – von digitalen Geschäftsmodellen bis zu Corporate Ventures. Unsere internationalen Teams vereinen Branchenwissen, funktionale Expertise und vielfältige Perspektiven – sie hinterfragen den Status quo und setzen Impulse für echte Veränderung. Unser Beratungsmodell ist einzigartig: Es setzt auf enge Zusammenarbeit innerhalb unserer Teams und bei unseren Kunden – über alle Organisationsebenen hinweg. BCG ist mit rund 33.000 Mitarbeitenden in über 100 Städten und mehr als 50 Ländern vertreten. Weltweit erzielte BCG im Jahr 2024 einen Umsatz von 13,5 Milliarden US-Dollar.

    Weitere Informationen: www.bcg.com

    Pressekontakt:
    Boston Consulting Group
    Simona Gulich
    Media Relations Specialist
    T + 49 151 10386025
    simona.gulich@bcg.com
    Weiteres Material: www.presseportal.de
    Quelle:            The Boston Consulting Group