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  • Wie der Iran-Krieg immer mehr Firmen und Verbraucher erfasst

    Der Krieg im Nahen Osten ist Tausende Kilometer von Deutschland entfernt und hat doch längst Firmen und Verbraucher erreicht. Nicht nur an Tankstellen spüren die Menschen den Ölpreisschock, er droht sich über höhere Energie- und Transportkosten tief in viele Lebensbereiche und Branchen zu fressen. Ökonomen rechnen mit einer deutlich anziehenden Inflation und einem Dämpfer für die ohnehin anfällige Konjunkturerholung in Deutschland, vor allem sollten die Kämpfe lange andauern. Ein Überblick, wie der Krieg immer mehr die Wirtschaft trifft und was auf Verbraucher zukommt. 

    Lebensmittel

    Forscher befürchten, dass der Krieg die Lebensmittelpreise hoch treibt. Handelsexperte Carsten Kortum rechnet vor allem bei energieintensiven Produkten wie Backwaren, Milchprodukten sowie verarbeiteten Lebensmitteln wie Tiefkühlkost oder Getränken mit steigenden Preisen. Auch Produkte mit langen Lieferwegen wie Fisch oder Obst könnten wegen höherer Logistik- und Beschaffungskosten teurer werden, sagte der Professor an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Heilbronn. «Zunächst sind einzelne Spezialitäten sowie Obst und Gemüse betroffen, mittelfristig zieht der Preisdruck jedoch durch weite Teile des Lebensmittelkorbs.»

    Laut Samina Sultan vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) ist die Lage bei Getreide, Mais, Soja und Reis besonders kritisch – wegen hoher Düngemittelpreise. «Hier sind Preissteigerungen wahrscheinlich», sagte die Ökonomin. Da Soja und Mais auch als Futtermittel verwendet werden, könne auch Fleisch teurer werden. 

    Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie erwartet ebenfalls Folgen für die Preise. Die Kosten für Produktion und Auslieferung an den Lebensmittelhandel nähmen deutlich zu, sagte Geschäftsführer Olivier Kölsch. Holger Eichele vom Deutschen Brauer-Bund erklärte, dass steigende Energie- und Rohstoffpreise zu höheren Produktionskosten in der Getränkebranche führen könnten. Branchenexperte Kai Hudetz vom IFH Köln erwartet, dass der Handel Zusatzkosten mindestens teilweise an Verbraucher weiterreichen wird.

    Autofahrer

    Sie trifft es spürbar: Superbenzin war zuletzt mehr als 25 Cent je Liter teurer als vor Kriegsbeginn, Diesel um mehr als 40 Cent. Sollten die Preise auf dem aktuellen Niveau bleiben, würde das – grob auf typische Verbräuche und Jahresfahrleistungen hochgerechnet – einen Dieselfahrer pro Monat mit etwa 40 Euro zusätzlich belasten und den Fahrer eines Benziners mit rund 20 Euro.

    Landwirtschaft

    Die Bauern klagen über steigende Preise für Dünger und Sprit. 
    «Gerade jetzt für die Frühjahrsbestellung sind die sprunghaften Preissteigerungen beim Diesel besonders schmerzhaft, auch die Preise für Dünger schießen nach oben», sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied kürzlich. Von März bis Juni werde bis zu einem Drittel des Jahresverbrauches an Diesel benötigt.

    Grund für steigende Düngerpreise sind verzögerte Lieferungen von Ammoniak, weil davon rund ein Fünftel des Welthandels durch die gesperrte Straße von Hormus läuft. Noch gebe es aber keine Probleme bei der Versorgung der Landwirtschaft mit Mineraldüngern, erklärte der Industrieverband Agrar. «Bislang sind erste Auswirkungen auf die Preisentwicklung zwar spürbar, aber von Preisspitzen wie nach Russlands Überfall auf die Ukraine vor vier Jahren ist der Markt noch weit entfernt.»

    Luftverkehr

    Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat die Drehkreuze am Persischen Golf als Achillesferse des internationalen Luftverkehrs bezeichnet. Tatsächlich haben die iranischen Angriffe dazu geführt, dass sich die Passagierströme zwischen Asien und Europa komplett verschoben haben. In der Folge sind die Preise auf den sicheren Direktverbindungen ohne Umstieg in den Emiraten stark gestiegen. Die Kapazitäten der Golf-Airlines fehlen auch im weltweiten Luftfrachtsystem, sodass hier die Raten heftig anziehen. 

    Den höheren Kerosinpreis können Airlines für eine begrenzte Zeit wegstecken, wenn sie über Termingeschäfte entsprechende Vorsorge getroffen haben. Ohne dieses Hedging hat etwa die skandinavische SAS sofort die Preise massiv angehoben und schwach gebuchte Flüge gestrichen. Das IW rechnet allgemein mit Mehrkosten für Passagiere. Flugreisen dürften sich infolge der höheren Kerosinpreise verteuern, sagt Ökonomin Sultan.

    Stahl 

    Die energieintensive Stahlindustrie ist in Sorge. «Ein dauerhaft höherer Gaspreis hätte Auswirkungen auf die Produktionskosten, weil Erdgas an vielen Stellen in der Produktion eingesetzt wird», sagt eine Sprecherin vom Thyssenkrupp Steel, Deutschlands größtem Stahlkonzern. Gas komme etwa beim Beheizen von Öfen zum Einsatz oder als Grundlage für technische Gase.

    Öl dagegen spiele im Energiemix des Konzerns eine untergeordnete Rolle. «Indirekte Auswirkungen können sich – wie in der gesamten Industrie – vor allem über die Verteuerung allgemeiner Energiepreise, Transportkosten und Vorprodukte ergeben», erklärt die Sprecherin. Aber: «Sollten höhere Energiepreise die wirtschaftliche Entwicklung belasten, könnte sich das perspektivisch auch auf die Nachfrage unserer Kunden auswirken.» 

    Seine Rohstoff‑ oder Logistikströme sieht Thyssenkrupp Steel indes nicht beeinträchtigt, da der Konzern die Straße von Hormus grundsätzlich nicht für Transporte nutze. Kostensteigerungen seien dennoch nicht zu vermeiden, weil Fracht sich durch höhere Treibstoffkosten verteure.

    Chemie

    Die Chemie, die viel Gas und Öl verbraucht, ist vom Anstieg der Energiepreise besonders betroffen. Steigende Kosten kann die Branche aber nicht immer an Kunden weitergeben, was ihre Margen belastet. Öl und Gas spielen in der Chemie zudem eine zentrale Rolle als Ausgangsstoffe etwa für Kunststoffe, Dünger, Medikamente, Lösungsmittel und Kosmetika. 

    Der Iran-Krieg trübt die Aussichten für die ohnehin kriselnde Branche, die unter teurer Energie, Überkapazitäten am Weltmarkt und der schwachen Wirtschaft leidet. Wolfgang Große Entrup, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands VCI, warnte zudem jüngst vor Versorgungsengpässen bei Rohstoffen wie Ammoniak, Phosphat, Helium und Schwefel, da die Straße von Hormus faktisch blockiert ist. 

    Spediteure

    Mit dem gestiegenen Ölpreis hat sich Diesel stark verteuert, was Spediteure stark belastet. «Die Dieselpreisexplosion trifft die Transportbranche in besonderer Härte, da die Kraftstoffkosten rund ein Drittel der Gesamtkosten ausmachen», sagte jüngst Dirk Engelhardt, Chef des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL). Viele mittelständische Betriebe gerieten durch den Anstieg des Dieselpreises an ihre Grenzen. Der BGL forderte Soforthilfen von der Politik wie eine Dieselpreisbremse und zinsgünstige Liquiditätshilfen.

    Reedereien

    Direkte Folgen hat der Krieg im Nahen Osten für die Schifffahrt. Der Verband Deutscher Reeder (VDR) geht davon aus, dass mindestens 30 Schiffe von zehn Reedereien mit deutschem Bezug und rund 1.000 Seeleute im Persischen Golf festsitzen – etwa die Hälfte davon sind Containerschiffe. Der Deutschen Marine zufolge sollen es mehr als 50 Schiffe sein. VDR-Hauptgeschäftsführer Martin Kröger berichtete jüngst von Angriffen mit Drohnen und Raketen auf Handelsschiffe.

    Zugleich warten viele Schiffe, die in den Golf einfahren wollen, auf eine Passage der gesperrten Seestraße. Rund 500 Schiffe sollen es sein, wie viele davon deutschen Reedereien angehören, ist unbekannt.

    Autoindustrie

    Die Branche kommt bisher glimpflich davon. Bei BMW und Audi heißt es, dass die Lieferketten stabil seien, beziehungsweise, es keine Beeinträchtigungen gebe. Auch der VW-Konzern spürt derzeit keine Folgen für die Produktion. Ähnlich sieht es bei Mercedes-Benz aus.

    Eine Sprecherin des Verbands der Automobilindustrie (VDA) beschrieb hingegen Folgen für die Lieferketten, «insbesondere im Bereich der gestiegenen Frachtkosten und der Änderung von Transportwegen». Die Unternehmen und der VDA beobachteten die Entwicklungen genau. Bei Bedarf priorisierten die Unternehmen Transporte um.

    Maschinenbau

    Die Golfregion zählte für die Maschinenbauer zuletzt zu den wenigen Regionen mit stabilem Exportwachstum, das nun einzubrechen droht. Viele Projekte in den von Öl- und Gasförderung abhängigen Branchen sind gestoppt, wie der Verband VDMA berichtet. Sollte der Konflikt länger dauern, sei hier mit negativen Effekten zu rechnen. Vor Ort machten den Unternehmen gestörte Lieferketten Sorgen, weil die wichtigen Häfen Abu Dhabi und Dubai vom internationalen Verkehr abgeschnitten seien. Verzögerungen sowie gestiegene Transport- und Versicherungskosten seien problematisch und könnten oft nicht an Kunden weitergereicht werden.

  • EU-Gipfel endet ohne Freigabe von Finanzhilfen für Ukraine

    Bundeskanzler Friedrich Merz und die anderen EU-Spitzen haben Ungarns Regierungschef Viktor Orban bei einem Gipfeltreffen in Brüssel nicht zur Aufgabe seiner Blockade von milliardenschweren Finanzhilfen für die Ukraine bewegen können. Die Beratungen endeten am späten Abend ohne eine Lösung des Streits, wie mehrere Diplomaten der Deutschen Presse-Agentur sagten.

  • Trump droht Iran mit massivem Angriff auf gesamtes Gasfeld

    US-Präsident Donald Trump hat dem Iran mit einer massiven Bombardierung des wichtigen Gasfelds «South Pars» gedroht. Eine solche Attacke des US-Militärs werde es geben, falls Iran weiter Katars Gasindustrie angreife, schrieb er auf der Plattform Truth Social. Für diesen Fall drohte er mit einem Angriff «mit einer Stärke und Schlagkraft, wie Iran es noch nie zuvor gesehen hat».

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  • Katerina Poladjan gewinnt Preis der Leipziger Buchmesse

    Katerina Poladjan hat den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik gewonnen. Sie wurde für ihren Roman «Goldstrand» ausgezeichnet, wie am Donnerstag auf der Messe verkündet wurde.

  • Trump: Israel greift wichtiges Gasfeld vorerst nicht mehr an

    Israel wird Irans wichtiges Gasfeld «South Pars» nach Angaben von US-Präsident Donald Trump nicht erneut angreifen. Das gelte, solange der Iran nicht weiter Katars Gasanlagen attackiere, schränkte er in einem Post auf der Plattform Truth Social ein.

  • EZB lässt Leitzinsen trotz Ölpreisschock unverändert

    Die Leitzinsen im Euroraum bleiben unverändert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hält den für Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins zum sechsten Mal in Folge bei 2,0 Prozent, wie die Notenbank in Frankfurt mitteilte.

  • US-Notenbank lässt Leitzins unangetastet

    Angesichts der wirtschaftlichen Verunsicherung durch den Iran-Krieg lässt die US-Notenbank den Leitzins unverändert. Die Zinsspanne bleibt damit bei 3,5 bis 3,75 Prozent, wie der Zentralbankrat der Federal Reserve (Fed) in Washington mitteilte.

  • Streit über Hochschulfinanzierung im Landtag

    Bekommen die Hochschulen in Schleswig-Holstein in den kommenden Jahren noch genug Geld, um Lehre und Forschung im bisherigen Umfang zu bezahlen? Nein, sagen die Oppositionsfraktionen von SPD, SSW und FDP im Landtag. Wiederbesetzungssperren und drohende Schließungen von Fachbereichen verunsicherten Beschäftigte und Studenten, gefährdeten Drittmittel und beschädigten den Wissenschaftsstandort im Norden, sagten Oppositionspolitiker übereinstimmend. Sprecher der regierungstragenden Fraktionen von CDU und Grünen warfen der Opposition vor, die Situation zu negativ darzustellen.

    Zuvor hatte Wissenschaftsministerin Dorit Stenke (CDU) in einem Bericht zur Lage der Hochschulen betont, mit den Ziel- und Leistungsvereinbarungen für die Jahre 2026 bis 2029 habe die Landesregierung «einen verlässlichen Rahmen für die Hochschulentwicklung geschaffen – unter schwierigen Bedingungen, aber gemeinsam und zukunftsorientiert».

    Der SPD-Bildungspolitiker Martin Habersaat kritisierte unrealistische Zielvereinbarungen, die Hochschulen in finanzielle Schieflage brächten. «Die Folgen sind Personalmangel, steigende Arbeitsbelastung, eingeschränkte Lehre und verzögerte Forschung.» Aktuelle Einstellungsstopps seien nur ein Vorgeschmack auf kommende Einschnitte.

    Natürlich könnten Hochschulen teure Studiengänge abbauen und durch günstigere ersetzen, sagte Habersaat. «Aber: Ein klimaneutrales Industrieland ohne Maschinenbau. Exzellenzcluster ohne Medizin. Das wird nicht funktionieren – und es wäre ein Weg, der die wirtschaftliche Zukunft unseres Landes gefährdet.»

    Der FDP-Fraktionschef Christopher Vogt sagte: «Wir machen uns große Sorgen um den Hochschulstandort Schleswig-Holstein, den CDU und Grüne durch ihre falsche Schwerpunktsetzung massiv gefährden.» Die Kieler Christian-Albrechts-Universität (CAU) wolle in den nächsten neun Monaten rund 150 bis 200 Stellen und rund acht Millionen Euro einsparen, weil die Koalition bei ihr kürze, obwohl ihre Betriebskosten ständig steigen.

    Aus Sicht der CDU-Abgeordneten Wiebke Zweig ist die finanzielle Basis der Hochschulen dagegen solide. So bewegten sich die Mittel der CAU in der aktuellen Ziel- und Leistungsvereinbarungsperiode 2026 bis 2029 aus Grundbudget des Landes und Zukunftsvertrag Studium und Lehre von Bund und Land auf einem stabilen Niveau. Von 2025 auf 2026 steigen sie demnach von 261,5 Millionen Euro auf 264,7 Millionen Euro. Die Mittel der Universität zu Lübeck und der Europa-Universität Flensburg seien im Durchschnitt um 10,8 Prozent und 4,3 Prozent höher als 2025.

    Dabei seien die Tarif- und Besoldungssteigerungen für das aus dem Grundbudget finanzierte Hochschulpersonal nicht enthalten, betonte Zweig. «Diese gleicht das Land vollständig aus, sie gehen nicht auf Kosten der Budgets der Hochschulen – eine enorme Entlastung.»

    Der Grünen-Abgeordnete Malte Krüger nannte die aktuelle Haushaltslage und die veränderten Studierendenzahlen eine große Herausforderung für die Hochschulen. Die Haushaltsprobleme an der CAU und der Europa-Universität Flensburg seien ernst, sie seien aber nicht plötzlich entstanden. «Sobald wieder mehr Geld zur Verfügung steht, müssen insbesondere die Hochschulen und die Wissenschaft davon profitieren. Diese sind wichtig für die Innovationskraft in unserem Land.»

    Die SSW-Abgeordnete Jette Waldinger-Thiering sorgt sich um den Bestand der Minderheitensprachen an den Hochschulen. Zum Beispiel laufe in der Frisistik bald eine Vertretungsstelle aus.