Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) ist zu Gesprächen über einen Ausbau der Rüstungskooperation mit der Ukraine in der Hauptstadt Kiew eingetroffen. Bei neuen Projekten stehe die gemeinsame Entwicklung modernster unbemannter Waffensysteme aller Reichweiten im Fokus, sagte er der Deutschen Presse-Agentur zum Auftakt der Reise, die aus Sicherheitsgründen nicht öffentlich angekündigt worden war.
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Geiselnahme in einer Bank im rheinland-pfälzischen Sinzig
In einer Bankfiliale im rheinland-pfälzischen Sinzig ist es nach ersten Erkenntnissen der Polizei zu einer Geiselnahme gekommen. Die Einsatzkräfte seien mit einem Großaufgebot im Kreis Ahrweiler vor Ort, hieß es von der Polizei.
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Wickert Maschinenbau GmbH: Traditionsunternehmen stellt sich im Jahr des 125-jährigen Jubiläums strategisch und personell neu auf / Auszeichnung als „Hidden Champion der TechnologieRegion Karlsruhe“ (FOTO)
Die Wickert Maschinenbau GmbH stellt sich unter Leitung der geschäftsführenden Gesellschafterin Stephanie Wickert personell und strategisch für die Zukunft neu auf und setzt damit den laufenden Transformationsprozess fort: Zum 1. Mai 2026 hat der Sondermaschinenbauer für hydraulische Pressen und Pressensysteme Ralf Neukirchner als zweiten Geschäftsführer berufen.
Stephanie Wickert, geschäftsführende Gesellschafterin Wickert Maschinenbau GmbH:
„Wir freuen uns, mit Ralf Neukirchner eine strategisch-erfahrene Führungspersönlichkeit als Geschäftsführer für unser Familienunternehmen gewonnen zu haben. Die Stärke von Ralf Neukirchner liegt in der Verbindung von technischem Know-how und pragmatischer, ergebnisorientierter Führung. Gemeinsam mit unserem herausragenden Team werden wir in der Doppelspitze der Geschäftsführung die eingeleitete Transformation von Wickert Maschinenbau erfolgreich weiterentwickeln: Wir bleiben exzellente und zuverlässige Partner für unsere Kunden etwa in der Pharma-, Medizin-, Luft- und Raumfahrt- sowie Mobilitätsindustrie und legen darüber hinaus einen verstärkten Fokus auf die gewachsenen Bedarfe in Rüstung und Verteidigung. Mit Blick auf unsere Unternehmensgeschichte setzten wir mit unserem hochspezialisierten Team fort, was unser Familienunternehmen seit 125 Jahren so erfolgreich macht: Die optimale Verbindung von Hight-Tech-Expertise, Erfahrung und Innovation im Pressen- und Anlagenbau.“
Ralf Neukirchner, Geschäftsführer bei Wickert Maschinenbau GmbH:
„Wickert ist ein Unternehmen mit beeindruckender Tradition, einer starken Mannschaft und einer klaren Position in einem hochspezialisierten Marktsegment. Ich freue mich darauf, gemeinsam mit Stephanie Wickert in der Geschäftsführung und dem gesamten Team die eingeschlagene Transformationsstrategie konsequent umzusetzen, neue Akzente mit Fokus auf Wachstumsbranchen sowie strategische Partnerschaften zu setzen und Teil der Wickert-Erfolgsgeschichte zu sein.“
Wickert Maschinenbau gehört weltweit zu den führenden Unternehmen im Segment Sondermaschinenbau für hydraulische Pressen und Pressensysteme. Im Bereich Pharmapressen ist Wickert Maschinenbau Weltmarktführer.
Auszeichnung als „Hidden Champion in der TechnologieRegion Karlsruhe“
Für die innovative Ausrichtung des Unternehmens wurde Wickert Maschinenbau vielfach ausgezeichnet. Im April 2026 erhielt das Unternehmen den Preis „Hidden Champion in der TechnologieRegion Karlsruhe“ – diese Auszeichnung steht für die internationale Spitzenposition innovativer Unternehmen aus der TechnologieRegion Karlsruhe, die in ihrer Nische weltweit zu den Top drei gehören.
Stephanie Wickert, geschäftsführende Gesellschafterin: „Wir freuen uns sehr über diese Auszeichnung, die einmal mehr zeigt: Wickert Maschinenbau steht für Exzellenz, Zuverlässigkeit und ständige Innovation im Sinne unserer Kunden – und das seit 125 Jahren. Ich danke allen unseren Kunden und Partnern für die gute und erfolgreiche Zusammenarbeit. Ganz besonderer Dank gilt unseren exzellenten Mitarbeitenden, die jeden Tag aufs Neue unser Versprechen einlösen, die modernsten und besten Lösungen für unsere Kunden zu finden. Ich bin stolz, dass wir im Jahr des 125-jährigen Bestehens unseres regional in Landau tief verwurzelten Familienunternehmens zu den erfolgreichsten drei Unternehmen weltweit gehören und Weltmarktführer im Bereich Pharmapressen sind.“
Über Wickert Maschinenbau GmbH
Wickert Maschinenbau steht seit 125 Jahren für innovative High-Tech-Technologien, höchste Präzision und maßgeschneiderte Lösungen für eine Vielzahl unterschiedlicher Branchen. Wickert produziert hochautomatisierte Pressen und Anlagen, die die Vorgaben der Kunden passgenau und optimal erfüllen: Jede Presse bietet dem Kunden ein Alleinstellungsmerkmal und ist ein Unikat, das kein anderer am Markt hat, um den individuellen Anforderungen für sichere Maschinen und digital miteinander verbundene Anlagen optimal gerecht zu werden.
Das Spektrum der Wickert-Pressen reicht vom O-Ring bis zu hochkomplexen Bauteilen für die Pharma- und Medizinbranche, die Luftfahrt- und Mobilitätsindustrie und zunehmend auch für die Verteidigungs- und Rüstungsbranche. Angesichts der gewachsenen Bedarfe in Rüstung und Verteidigung liefert Wickert etwa Pressen oder vollautomatisierte Anlagen zur Herstellung von Ausrüstungen und Komponenten als Vorprodukte an große Hersteller – sei es für Helme, Teile für Schutzwesten oder Unterfahrschutz für Militärfahrzeuge oder Flugzeugteile. Ein weiterer Bereich im Portfolio von Wickert sind individuell konzipierte Anlagen für das Verpressen explosiver Materialien wie etwa Munition. Darüber hinaus produziert Wickert als Weltmarktführer im Bereich Pharmazie Anlagen und Pressen zur Herstellung pharmazeutischer Verschlussstopfen. Wickert Maschinenbau handelt wirtschaftlich, verantwortungsbewusst und nachhaltig.
Pressekontakt: Wickert Maschinenbau GmbH Unternehmenskommunikation Wollmesheimer Höhe 2 76829 Landau Tel: +49 6341-9343-12 www.wickert-presstech.de E-Mail: info@wickert-presstech.de
Weiteres Material: www.presseportal.de Quelle: Wickert Maschinenbau GmbH
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Photonik trifft PLM: Lightium setzt bei der Entwicklung von KI-Chips auf Aras Innovator
Um in einem der komplexesten Technologiefelder unserer Zeit erfolgreich zu sein, braucht es eine gute Idee ebenso wie einen roten Faden, der alles zusammenhält. Das Schweizer Deep-Tech-Unternehmen Lightium setzt deshalb auf die PLM-Plattform von Aras. Lightium entwickelt photonische integrierte Schaltungen (PICs), die Daten per Licht statt per Elektronenfluss übertragen. Aras Innovator ermöglicht mit dem Digital Thread die Vernetzung von Daten, Prozessen und Fachbereichen im gesamten Unternehmen.
„In modernen KI-Rechenzentren ist nicht mehr die Rechenleistung der größte Engpass, sondern die Übertragung von Daten“, sagt Amir H. Ghadimi, Co-Founder und CEO von Lightium. „Genau hier setzen wir an: Mit photonischen integrierten Schaltungen können wir die Leistungsfähigkeit deutlich über heutige Technologien hinaus skalieren und gleichzeitig den Energieverbrauch signifikant senken.“
Mit zunehmender technologischer Ambition steigen jedoch auch die Komplexität der Entwicklungsprozesse sowie der Bedarf an durchgängiger Datenstruktur und Rückverfolgbarkeit. Eine durchgängige Nachverfolgbarkeit der Daten ist jedoch entscheidend für die Skalierung der Entwicklung und das Yield-Management in der photonischen Produktion. „In der Photonik gibt es – anders als in der Elektronik oder im Maschinenbau – noch keine etablierten PLM-Standards und kaum fertige Integrationen, da sich die Entwicklung zwischen softwaregetriebenen Arbeitsweisen und klassischen Hardware- bzw. Industrieprozessen bewegt“, erläutert Kevin Radican, Head of Data bei Lightium. „Wir mussten daher eine Plattform wählen, die sich wirklich an unsere Anforderungen anpassen lässt.“
Ein durchgängiges Lifecycle-Management ist die zentrale Voraussetzung für Skalierung und Industrialisierung. Aras Innovator bietet genau diese Flexibilität. Mithilfe der Low-Code-PLM-Anwendung sollen bei Lightium künftig Entwicklungsdaten, Simulationen und Designprozesse übergreifend vernetzt werden, um skalierbare Produktionsprozesse zu ermöglichen, wobei eine leistungsfähige Backend-Architektur für die Verwaltung von Stücklisten, Bauteildaten und Projekten genutzt wird und gleichzeitig die Flexibilität besteht, individuelle Frontends für photonikspezifische Workflows und den täglichen Einsatz zu entwickeln. Die Implementierung der Plattform erfolgt intern. Dabei setzt Lightium auch auf KI-gestützte Ansätze, um seine Entwicklungsprozesse zu optimieren.
„Unternehmen wie Lightium stehen exemplarisch für eine neue Generation von Hightech-Unternehmen, die in hochkomplexen und dynamischen Technologiefeldern agieren“, sagt Matthias Fohrer, der bei Aras als Vice President das EMEA-Geschäft verantwortet. „Gerade in solchen Umgebungen ist eine flexible Plattform entscheidend, um Daten, Prozesse und Disziplinen miteinander zu verbinden und Innovationen voranzutreiben.“
Junges Unternehmen mit technologischer Substanz
Lightium wurde im September 2023 gegründet und baut auf mehr als sechs Jahren Forschungs- und Entwicklungsarbeit vor der Unternehmensgründung auf. Das schnell wachsende Start-up bietet Foundry-Services für photonische Chips auf Basis von 200-mm-Fertigungsprozessen und ermöglicht damit eine skalierbare industrielle Produktion. Laut Unternehmensangaben reduziert die Technologie den Energieverbrauch um mehr als 30 Prozent gegenüber herkömmlichen Lösungen. Während aktuelle Systeme Übertragungsraten von bis zu 800 Gbit/s erreichen und die nächste Generation auf 1,6 Tbit/s abzielt, arbeitet Lightium daran, in den kommenden Jahren Geschwindigkeiten von über 6 Tbit/s zu ermöglichen.
Über Aras
Aras bietet eine Digital-Thread-Plattform für Product Lifecycle Management und Engineering-KI. Aufbauend auf einer KI-nativen Low-Code-Architektur ermöglicht Aras die schnelle Bereitstellung flexibler Lösungen. Das Unternehmen verbindet Teams über Disziplinen und Funktionen hinweg mit geschäftskritischen Produktdaten und agentischer KI über den gesamten Produktlebenszyklus und die erweiterte Wertschöpfungskette hinweg. Besuchen Sie www.aras.com, um mehr zu erfahren, und folgen Sie uns auf YouTube, X, Facebook und LinkedIn.
Pressekontakt: Arne Stuhr Thöring & Stuhr Kommunikationsberatung Tel: +49 40 207 6969 83 Mobil: +49 177 3055 194 arne.stuhr@corpnewsmedia.de
Weiteres Material: www.presseportal.de Quelle: Aras Software GmbH
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Cannes startet mit Star-Power, aber ohne Hollywood
Viele hatten es erwartet, doch erst nachträglich war klar: Das Krimi-Drama «Paper Tiger» mit Scarlett Johansson, Adam Driver und Miles Teller wird im prestigeträchtigen Wettbewerb der Filmfestspiele in Cannes laufen. Es ist der Film mit dem wohl größten Star-Aufgebot, der in das Rennen um die Goldene Palme (12. bis 23. Mai) geht – und dafür nachnominiert wurde.
Wenn das glamouröse Filmfest am Dienstag in Südfrankreich startet, setzt es einmal mehr auf große Namen. Viele Filme sind mit international bekannten Schauspielern besetzt – darunter Penélope Cruz, Glenn Close, Brendan Fraser, Bill Murray, Dustin Hoffman, Rami Malek und Sandra Hüller. John Travolta zeigt seinen ersten Film als Regisseur. Und Barbra Streisand und «Der Herr der Ringe»-Regisseur Peter Jackson werden mit einer Ehrenpalme ausgezeichnet.
Viele Stars, aber Hollywood-Studios fehlen
Bei all dem Glamour und den Promis fällt aber auch auf: Die großen Hollywood-Studios halten sich in diesem Jahr zurück. Im Wettbewerb vertreten sind jedoch zwei US-amerikanische Regisseure aus dem Arthouse- und Independentkino: James Gray mit «Paper Tiger» und «The Man I Love» von Ira Sachs mit Oscar-Preisträger Rami Malek. Hollywood-Blockbuster wie «Mission: Impossible – The Final Reckoning» mit Tom Cruise, der 2025 in Cannes noch außer Konkurrenz präsentiert wurde, fehlen hingegen.
Festivaldirektor Thierry Frémaux führt das auf die Lage der US-Filmindustrie zurück. In einem Interview des Branchenmagazins «Screen Daily» sagte er, die USA habe die Corona-Pandemie, die Hollywood-Streiks und die Brände in Los Angeles erlebt. Hinzu kämen eine politisch unsichere Lage sowie laufende Studio-Übernahmen. «All das sorgt nicht für die nötige Gelassenheit, um Entscheidungen zu treffen, geschweige denn Filme zu produzieren, die in der Regel Millionen von Dollar kosten», sagte Frémaux.
Doch auch ohne die US-Studios zieht es Stars nach Cannes, zum Beispiel «Marvel»-Schauspieler Sebastian Stan an der Seite von Renate Reinsve im Drama «Fjord» des rumänischen Regisseurs Cristian Mungiu. In «Diamond» von Andy Garcia gehören Brendan Fraser, Bill Murray, Dustin Hoffman und Vicky Krieps zum Cast. Für die Komödie «Full Phil» (Quentin Dupieux) werden Kristen Stewart und Woody Harrelson in Cannes erwartet.
Internationales Autorenkino gewinnt an Bedeutung
Das zeigt auch, dass das internationale Autorenkino weiter an Bedeutung gewinnt. Damit war das Filmfest in den vergangenen Jahren äußerst erfolgreich. Bei den diesjährigen Oscars zum Beispiel liefen vier von fünf nominierte Produktionen in der Sparte Bester internationaler Film zuvor an der Croisette, darunter der Oscar-Gewinner «Sentimental Value». Die Cannes-Hits «Parasite» (2020) und «Anora» (2025) wurden bei den Oscars sogar als bester Film ausgezeichnet.
Auch in diesem Jahr konkurrieren internationale Schwergewichte im Wettbewerb. Der iranische Regisseur Asghar Farhadi kehrt mit dem in Paris gedrehten Film «Parallel Tales» zurück. Der spanische Star-Regisseur Pedro Almodóvar kommt mit seinem neuen Film «Bitter Christmas».
Und der Japaner Hirokazu Koreeda, der 2018 für «Shoplifters» die Goldene Palme gewann, zeigt «Sheep in the Box» – über ein Paar, das einen humanoiden Roboter wie ein Kind großzieht. Wer am Ende die Goldene Palme gewinnt, entscheidet eine Jury unter Vorsitz des südkoreanischen Regisseurs Park Chan-wook («No Other Choice»). Demi Moore und Stellan Skarsgård sind ebenfalls Teil der Jury.
Sandra Hüller, Jella Haase – und Lars Eidinger gleich doppelt
Eine Chance auf eine Auszeichnung hat auch die deutsche Regisseurin Valeska Grisebach mit ihrem Wettbewerbsfilm «Das geträumte Abenteuer». Er spielt in der Grenzregion zwischen Bulgarien, Griechenland und der Türkei und folgt einer Frau, die sich auf einen fragwürdigen Deal einlässt, um einem alten Freund zu helfen.
Neben Grisebach sind in Cannes weitere deutsche Namen vertreten. Sandra Hüller etwa spielt in Pawel Pawlikowskis «Vaterland» über den Kalten Krieg Erika Mann, die Tochter von Schriftsteller Thomas Mann. Jella Haase ist in «Gentle Monster» der Österreicherin Marie Kreutzer neben Léa Seydoux und Catherine Deneuve zu sehen.
Und Lars Eidinger mischt gleich doppelt mit: Im Wettbewerbsfilm «Moulin» von László Nemes verkörpert er den Gestapo-Chef Klaus Barbie. Zudem spielt er in «Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte» mit, dem neuen Film von Regie-Größe Volker Schlöndorff. Die Literaturverfilmung nach Jenny Erpenbeck läuft in der Sonderreihe «Cannes Première». Hier präsentiert auch John Travolta sein Regie-Debüt «Propeller One-Way Night Coach», ein von seiner Flugleidenschaft inspirierter Film.
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Trotz Gerüchten im Netz: Bluetooth-Kopfhörer unbedenklich
Musik beim Joggen, Krafttraining oder auf dem Weg zur Arbeit: Bluetooth-Kopfhörer sind weit verbreitet. Immer wieder kursieren im Netz Warnungen vor einer angeblich gefährlichen Strahlung der Geräte. Dabei wird häufig auf die Nutzung ähnlicher Frequenzen wie bei Mikrowellen verwiesen. Fachleute sehen darin jedoch keinen Hinweis auf eine Gesundheitsgefahr.
Behauptung
Die Strahlung von Bluetooth-Kopfhörern schädigt das Gehirn und ist krebserregend.
Bewertung
Falsch. Es gibt keine wissenschaftlichen Belege für gesundheitsschädliche Wirkungen von Bluetooth-Kopfhörern.
Fakten
Bluetooth-Kopfhörer nutzen hochfrequente elektromagnetische Felder. Sie arbeiten dabei ähnlich wie WLAN oder Mikrowellenherde im Bereich von etwa 2,45 Gigahertz. Entscheidend für mögliche gesundheitliche Auswirkungen ist jedoch nicht allein die Frequenz, sondern vor allem die Leistung der Geräte.
Nach Angaben des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) nutzen Bluetooth-Kopfhörer nur eine vergleichsweise geringe Leistung im Milliwatt-Bereich. Im Gegensatz zu einem Mikrowellenherd mit rund 1000 Watt erreichen typische Geräte nur etwa 0,0025 Watt.
«Diese Leistung ist so gering, dass die Nutzung von Bluetooth-Kopfhörern nicht zu einer relevanten Erwärmung des Gewebes am Ohr führen kann», erklärt Florian Kohn, wissenschaftlicher Referent im Kompetenzzentrum Elektromagnetische Felder beim BfS.
Sendeleistung von Smartphones deutlich höher
Die gesundheitlichen Auswirkungen von Strahlung auf den menschlichen Organismus gelten als gründlich erforscht. Gesetze und Normen sehen Grenzwerte zur Produktsicherheit vor. Eine Größe ist die spezifische Absorptionsrate (SAR), die etwa für Handys angewendet wird. Dieser SAR-Wert gibt an, «wie viel Energie das Körpergewebe bei der Nutzung des Telefons aufnimmt», erläutert Kohn.
Für Smartphones, die laut Kohn auf eine maximale Sendeleistung von 200 Milliwatt (0,2 Watt) kommen, im Alltag jedoch meist darunter liegen, beträgt der maximal zulässige SAR-Wert zwei Watt pro Kilogramm Körpergewebe. Zum Vergleich: Kabellose Kopfhörer arbeiten mit einer Sendeleistung von etwa 2,5 Milliwatt (0,0025 Watt).
«SAR-Werte durch Funkwellen einzelner Bluetooth-Geräte bleiben in der Regel unterhalb der empfohlenen Grenzwerte», sagt auch Sarah Drießen vom Forschungszentrum für elektromagnetische Umweltverträglichkeit der Uniklinik Aachen. Mit anderen Worten: Die elektromagnetischen Felder sind zu schwach, um die Temperatur des Körpergewebes so stark zu erhöhen, dass gesundheitliche Gefahren drohen.
Auch Thomas Zwick, Leiter des Instituts für Hochfrequenztechnik und Elektronik am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), verweist auf die bisherige Studienlage. Elektromagnetische Strahlung im Mikrowellenbereich sei vielfach untersucht worden, «bisher ohne einen Nachweis für Erkrankungen beim Menschen bei Einhaltung der Grenzwerte».
Kabel als Alternative? Ja, aber Handy weg vom Körper
Wer die Strahlenbelastung im Kopfbereich dennoch reduzieren möchte, kann kabelgebundene Kopfhörer verwenden. Expertin Drießen weist darauf hin, dass dann häufig das Smartphone näher am Körper getragen wird und dadurch unter Umständen eine höhere Belastung durch das Mobiltelefon entsteht.
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Die offene Milliarden-Frage zur VW-Dieselaffäre
Investorenprozess – Für Volkswagen vielleicht das letzte Stichwort, das in der Wolfsburger Konzernzentrale nach der Dieselaffäre noch Unruhe auslöst. Denn mehr als zehn Jahre nach Auffliegen der Abgasmanipulation könnte der Ausgang dieses Verfahrens noch richtig viel Geld kosten. Anleger wollen für Verluste entschädigt werden und verlangen Milliarden. Nach einer langen Pause wird nun am Dienstag und Mittwoch weiter verhandelt.
Worum geht es in dem Prozess?
Aktionäre fordern in dem Musterverfahren Schadenersatz in Milliardenhöhe. Es geht in diesem Prozess aber nicht um den Betrug selbst. Die entscheidende Frage ist eher: Hat VW die Märkte rechtzeitig über die Affäre rund um die millionenfach manipulierten Dieselmotoren informiert?
Unmittelbar nach Bekanntwerden des Skandals Ende September 2015 war der Kurs der VW-Aktie eingebrochen – zeitweise verloren die Vorzugspapiere des Konzerns fast die Hälfte ihres Werts. Für die Verluste wollen Anleger bis heute entschädigt werden.
Musterverfahren – Was bedeutet das?
Mit dem Prozess wird kein strafrechtliches Handeln einzelner Personen überprüft. Es handelt sich um ein Zivilverfahren, bei dem um viel Geld in Form von Schadenersatz gestritten wird. Während sich im Normalfall dabei zwei Parteien gegenüberstehen, erlaubt das Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz (KapMuG) eine Ausnahme.
In dem Musterprozess können viele Parallelverfahren für eine einheitliche Entscheidung gebündelt werden. Derzeit warten rund 2.000 ausgesetzte Ausgangsverfahren mit rund 3.400 Klageparteien.
Am Ende des Verfahrens am Oberlandesgericht Braunschweig soll es einen Musterentscheid geben. Wenn dieser rechtskräftig ist, sind die Feststellungen für die Gerichte aller ausgesetzten Verfahren bindend.
Wer streitet eigentlich vor Gericht?
Der Braunschweiger Zivilsenat hat die Deka Investment GmbH als Musterkläger bestimmt. Musterbeklagte sind die Volkswagen AG und der VW-Hauptaktionär Porsche SE. Während sich Volkswagen mit Blick auf die vielen Strafprozesse und Hafturteile gegen frühere Konzern-Manager betont unbeteiligt gibt, ist das für dieses Verfahren nicht möglich. Die Schadenersatzansprüche richten sich gegen den Autobauer und die Porsche SE.
Ist das nach so langer Zeit überhaupt noch wichtig?
Von Bedeutung ist der Prozess vor allem, weil es um sehr viel Geld geht. Den Streitwert beziffert das OLG Braunschweig derzeit mit rund 4,3 Milliarden Euro. Nach Einschätzung von Branchenexpertin Helena Wisbert, Professorin für Automobilwirtschaft an der Ostfalia Hochschule Wolfsburg, ist der Ausgang relevant für VW, weil damit Zahlungen und Vergleiche im Raum stehen, deren finanzielle Rückstellungen die Bilanz belasten.
Die Aufarbeitung der Affäre hat den VW-Konzern nach eigenen Angaben bereits mehr als 32 Milliarden Euro gekostet. Im schlimmsten Fall würden dem Unternehmen also weitere Milliarden für Investitionen fehlen.
Wie argumentieren die Kläger?
Die Klägerseite meint, dass dem VW-Vorstand spätestens seit 2007 klar war: Die strengen US-Vorgaben zum Stickoxidausstoß können nicht eingehalten werden. Danach habe VW betrogen – und weil die Anleger das nicht wussten, hätten sie Aktien viel zu teuer gekauft.
Das Musterverfahren in Braunschweig hat demnach gezeigt, dass der Vorstand mit dem damaligen Chef Martin Winterkorn ab einem sogenannten High-Level-Meeting im November 2007 wusste, dass VW nicht in der Lage war, regelkonforme Dieselfahrzeuge herzustellen.
«Die einschlägigen Unterlagen zu diesem Termin, insbesondere die dort gehaltene Präsentation, enthalten nach unserer Überzeugung unzweideutige Hinweise auf die geplante Verwendung unzulässiger Abschalteinrichtungen», sagt Klägeranwalt Axel Wegner.
Was entgegnen die Beklagten?
Sie streiten die Vorwürfe ab. In einer Klageerwiderung vor Verfahrensbeginn betonte VW, dass es aus Sicht des Konzerns keine konkreten Anhaltspunkte für eine Kursrelevanz der Affäre gab, bis die US-Umweltbehörden am 18. September 2015 unerwartet mit ihren Anschuldigungen an die Öffentlichkeit gingen.
«Die Volkswagen AG ist überzeugt, zu jeder Zeit die kapitalmarktrechtlichen Informationspflichten erfüllt zu haben», sagt ein Konzernsprecher. Fast wortgleich lautet die Einschätzung aus Stuttgart: «Die Porsche SE ist überzeugt, jederzeit ihren kapitalmarktrechtlichen Publizitätspflichten entsprochen zu haben», teilt ein Sprecher von dort mit.
Nach fast acht Jahren Verhandlungszeit sieht sich bei VW niemand genötigt, von dieser Sichtweise abzurücken. «Vor dem Hintergrund der laufenden Beweisaufnahme und den bisherigen Zeugenbefragungen sehen wir uns in unserer Überzeugung bestätigt», sagt der Konzernsprecher.
Warum dauert das Verfahren so unendlich lang?
Schon 2020 – nach zwei Jahren Verhandlung – erklärte eine OLG-Sprecherin, dass in dem komplexen und umfangreichen Verfahren kein Ende absehbar sei. Damals sprach sie von rund 5.500 Blatt Akten, zahlreichen Anlagen und 21 Privatgutachten.
2023 verkündete das Gericht, dass es eine Beweisaufnahme durchführen und dafür rund 80 Zeugen hören sowie eine Vielzahl an Dokumenten sichten will. Auf der Zeugenliste fanden sich unter anderem die Namen der früheren VW-Konzernchefs Martin Winterkorn, Matthias Müller und Herbert Diess.
Von September 2023 bis September 2025 wurden nach einer Auflistung des Gerichts 63 Zeugen und drei Parteien vernommen. Zu der schwierigen Bewertung der Aussagen kommt, dass einige der eingeplanten Zeugen sich auf ein aus ihrer Sicht umfassendes Zeugnisverweigerungsrecht beriefen.
Kommt bald die Entscheidung?
Für die beiden Termine in dieser Woche werden weitere Zeugenbefragungen erwartet. Spannend könnte dabei werden, was der mittlerweile rechtskräftig verurteilte ehemalige Audi-Motorenchef Wolfgang Hatz aussagt.
Alle Beteiligen erhoffen sich zudem eine Einschätzung der Richter, was die Beweisaufnahme bisher erbracht hat und wie es im Prozess weitergehen soll. Der Musterentscheid ist und bleibt aber nicht absehbar.
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Ärzte warnen vor Verwerfungen in der Versorgung
Die Protestwelle gegen ihr Sparpaket ebbt so schnell nicht ab. Das dürfte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) auch an diesem Dienstag bei der Eröffnung des Deutschen Ärztetags in Hannover zu spüren bekommen. Verbände der Praxis- und Klinikärzte machen Front gegen Limits für Vergütungsanstiege und ein Aus für mehrere Extra-Zahlungen – und warnen vor Folgen für das Behandlungsangebot. «Einsparungen im Gesundheitswesen bleiben nicht abstrakt, sondern wirken sich unmittelbar auf die Versorgung aus», sagte Ärztepräsident Klaus Reinhardt der Deutschen Presse-Agentur.
Die Gesetzespläne, mit denen Warken drohende nächste Defizite bei den gesetzlichen Krankenkassen abwenden will, kommen jetzt in die Beratungen im Bundestag. Da könnte sich auch auf Druck von Branchen noch einiges ändern.
«Maßstab muss der medizinisch notwendige Versorgungsbedarf der Bevölkerung sein», mahnte Reinhardt. «Andernfalls drohen erhebliche Verwerfungen in der Versorgung, die langfristig sogar zu steigenden Kosten führen können.» Eine «einseitige Orientierung» der Kassenausgaben an der Steigerungsrate der Einnahmen greife deshalb zu kurz. Geplant ist, dass für Vergütungsanstiege in allen Bereichen eine solche Obergrenze kommt.
«Geht nicht um das Ob, sondern das Wie»
Reinhardt sagte, es stehe außer Frage, dass die Finanzen der gesetzlichen Krankenversicherung stabilisiert werden müssen. «Ein Anstieg der Sozialversicherungsbeiträge gefährdet die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland und damit auch die gesellschaftliche Stabilität. Es geht bei den Sparbemühungen also nicht um das Ob, sondern um das Wie.»
Warken will die Kassen mit dem Paket 2027 um 16,3 Milliarden Euro entlasten. Das ist etwas mehr als das erwartete Defizit von 15,3 Milliarden Euro und soll neue Anhebungen der Zusatzbeiträge verhindern. Kanzler Friedrich Merz (CDU) hat als Vorgabe für die Parlamentsberatungen formuliert, dass dieser Spar-Puffer nicht mehr kleiner werden dürfe. Geplant sind zudem Ausgabenbremsen bei der Pharmabranche und etwa auch höhere Zuzahlungen für Medikamente und Einschränkungen der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern.
«Nationaler Kraftakt» – ohne den Bund?
Der Ärztepräsident betonte: «Es ist wichtig, die Lasten breit zu verteilen.» Und würde sich auch Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) an diesem nationalen Kraftakt beteiligen, wäre das Spargesetz nicht nötig – indem der Bund die Kassen von versicherungsfremden Leistungen für Bürgergeldbezieher befreit.
Die sind generell gesetzlich versichert. Nur deckt die bisher vom Bund gezahlte Pauschale die Kosten nicht. Die vom Kabinett auf den Weg gebrachten Pläne sehen vor, dass es mehr Steuergeld gibt: 250 Millionen Euro für 2027, dann soll der Betrag soll bis 2031 auf zwei Milliarden Euro im Jahr aufwachsen. Laut einer Expertenkommission müssten es aber zwölf Milliarden Euro sein. Und zugleich soll der reguläre Bundeszuschuss um zwei Milliarden Euro gekappt werden – als Beitrag zur Etatsanierung. Für 2027 ergäbe sich so ein Minus von 1,75 Milliarden Euro, monierte Reinhardt. «Das ist ein finanzpolitischer Taschenspielertrick.»
Kinder vor Risiken von Social Media schützen
Vor dem Ärztetag fordert er auch einen besseren Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Risiken sozialer Medien. «In der besonders sensiblen Phase der Identitätsentwicklung sollte die Nutzung von Social Media komplett vermieden werden, danach nur unter klaren Schutzvorkehrungen erfolgen.» Plattformbetreiber seien stärker in die Pflicht zu nehmen – für verlässliche Altersüberprüfungen und Anpassungen ihrer Algorithmen, um suchtfördernde Mechanismen und gefährliche Inhalte von jungen Menschen fernzuhalten.
Übermäßiger Medienkonsum könne die körperliche und psychische Gesundheit gefährden und stehe in Zusammenhang mit Depressionen, Angststörungen und Konzentrationsproblemen. Besonders junge Männer seien gefährdet, sagte Reinhardt. «Wenn sie ihren Alltag nicht mehr ohne Smartphone, Streaming und Scrollen bewältigen können, verlieren sie den Anschluss an das reale Leben.»
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Die offene Milliarden-Frage zur VW-Dieselaffäre
Investorenprozess – Für Volkswagen vielleicht das letzte Stichwort, das in der Wolfsburger Konzernzentrale nach der Dieselaffäre noch Unruhe auslöst. Denn mehr als zehn Jahre nach Auffliegen der Abgasmanipulation könnte der Ausgang dieses Verfahrens noch richtig viel Geld kosten. Anleger wollen für Verluste entschädigt werden und verlangen Milliarden. Nach einer langen Pause wird nun am Dienstag und Mittwoch weiter verhandelt.
Worum geht es in dem Prozess?
Aktionäre fordern in dem Musterverfahren Schadenersatz in Milliardenhöhe. Es geht in diesem Prozess aber nicht um den Betrug selbst. Die entscheidende Frage ist eher: Hat VW die Märkte rechtzeitig über die Affäre rund um die millionenfach manipulierten Dieselmotoren informiert?
Unmittelbar nach Bekanntwerden des Skandals Ende September 2015 war der Kurs der VW-Aktie eingebrochen – zeitweise verloren die Vorzugspapiere des Konzerns fast die Hälfte ihres Werts. Für die Verluste wollen Anleger bis heute entschädigt werden.
Musterverfahren – Was bedeutet das?
Mit dem Prozess wird kein strafrechtliches Handeln einzelner Personen überprüft. Es handelt sich um ein Zivilverfahren, bei dem um viel Geld in Form von Schadenersatz gestritten wird. Während sich im Normalfall dabei zwei Parteien gegenüberstehen, erlaubt das Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz (KapMuG) eine Ausnahme.
In dem Musterprozess können viele Parallelverfahren für eine einheitliche Entscheidung gebündelt werden. Derzeit warten rund 2.000 ausgesetzte Ausgangsverfahren mit rund 3.400 Klageparteien.
Am Ende des Verfahrens am Oberlandesgericht Braunschweig soll es einen Musterentscheid geben. Wenn dieser rechtskräftig ist, sind die Feststellungen für die Gerichte aller ausgesetzten Verfahren bindend.
Wer streitet eigentlich vor Gericht?
Der Braunschweiger Zivilsenat hat die Deka Investment GmbH als Musterkläger bestimmt. Musterbeklagte sind die Volkswagen AG und der VW-Hauptaktionär Porsche SE. Während sich Volkswagen mit Blick auf die vielen Strafprozesse und Hafturteile gegen frühere Konzern-Manager betont unbeteiligt gibt, ist das für dieses Verfahren nicht möglich. Die Schadenersatzansprüche richten sich gegen den Autobauer und die Porsche SE.
Ist das nach so langer Zeit überhaupt noch wichtig?
Von Bedeutung ist der Prozess vor allem, weil es um sehr viel Geld geht. Den Streitwert beziffert das OLG Braunschweig derzeit mit rund 4,3 Milliarden Euro. Nach Einschätzung von Branchenexpertin Helena Wisbert, Professorin für Automobilwirtschaft an der Ostfalia Hochschule Wolfsburg, ist der Ausgang relevant für VW, weil damit Zahlungen und Vergleiche im Raum stehen, deren finanzielle Rückstellungen die Bilanz belasten.
Die Aufarbeitung der Affäre hat den VW-Konzern nach eigenen Angaben bereits mehr als 32 Milliarden Euro gekostet. Im schlimmsten Fall würden dem Unternehmen also weitere Milliarden für Investitionen fehlen.
Wie argumentieren die Kläger?
Die Klägerseite meint, dass dem VW-Vorstand spätestens seit 2007 klar war: Die strengen US-Vorgaben zum Stickoxidausstoß können nicht eingehalten werden. Danach habe VW betrogen – und weil die Anleger das nicht wussten, hätten sie Aktien viel zu teuer gekauft.
Das Musterverfahren in Braunschweig hat demnach gezeigt, dass der Vorstand mit dem damaligen Chef Martin Winterkorn ab einem sogenannten High-Level-Meeting im November 2007 wusste, dass VW nicht in der Lage war, regelkonforme Dieselfahrzeuge herzustellen.
«Die einschlägigen Unterlagen zu diesem Termin, insbesondere die dort gehaltene Präsentation, enthalten nach unserer Überzeugung unzweideutige Hinweise auf die geplante Verwendung unzulässiger Abschalteinrichtungen», sagt Klägeranwalt Axel Wegner.
Was entgegnen die Beklagten?
Sie streiten die Vorwürfe ab. In einer Klageerwiderung vor Verfahrensbeginn betonte VW, dass es aus Sicht des Konzerns keine konkreten Anhaltspunkte für eine Kursrelevanz der Affäre gab, bis die US-Umweltbehörden am 18. September 2015 unerwartet mit ihren Anschuldigungen an die Öffentlichkeit gingen.
«Die Volkswagen AG ist überzeugt, zu jeder Zeit die kapitalmarktrechtlichen Informationspflichten erfüllt zu haben», sagt ein Konzernsprecher. Fast wortgleich lautet die Einschätzung aus Stuttgart: «Die Porsche SE ist überzeugt, jederzeit ihren kapitalmarktrechtlichen Publizitätspflichten entsprochen zu haben», teilt ein Sprecher von dort mit.
Nach fast acht Jahren Verhandlungszeit sieht sich bei VW niemand genötigt, von dieser Sichtweise abzurücken. «Vor dem Hintergrund der laufenden Beweisaufnahme und den bisherigen Zeugenbefragungen sehen wir uns in unserer Überzeugung bestätigt», sagt der Konzernsprecher.
Warum dauert das Verfahren so unendlich lang?
Schon 2020 – nach zwei Jahren Verhandlung – erklärte eine OLG-Sprecherin, dass in dem komplexen und umfangreichen Verfahren kein Ende absehbar sei. Damals sprach sie von rund 5.500 Blatt Akten, zahlreichen Anlagen und 21 Privatgutachten.
2023 verkündete das Gericht, dass es eine Beweisaufnahme durchführen und dafür rund 80 Zeugen hören sowie eine Vielzahl an Dokumenten sichten will. Auf der Zeugenliste fanden sich unter anderem die Namen der früheren VW-Konzernchefs Martin Winterkorn, Matthias Müller und Herbert Diess.
Von September 2023 bis September 2025 wurden nach einer Auflistung des Gerichts 63 Zeugen und drei Parteien vernommen. Zu der schwierigen Bewertung der Aussagen kommt, dass einige der eingeplanten Zeugen sich auf ein aus ihrer Sicht umfassendes Zeugnisverweigerungsrecht beriefen.
Kommt bald die Entscheidung?
Für die beiden Termine in dieser Woche werden weitere Zeugenbefragungen erwartet. Spannend könnte dabei werden, was der mittlerweile rechtskräftig verurteilte ehemalige Audi-Motorenchef Wolfgang Hatz aussagt.
Alle Beteiligen erhoffen sich zudem eine Einschätzung der Richter, was die Beweisaufnahme bisher erbracht hat und wie es im Prozess weitergehen soll. Der Musterentscheid ist und bleibt aber nicht absehbar.
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Ärzte warnen vor Verwerfungen in der Versorgung
Die Protestwelle gegen ihr Sparpaket ebbt so schnell nicht ab. Das dürfte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) auch an diesem Dienstag bei der Eröffnung des Deutschen Ärztetags in Hannover zu spüren bekommen. Verbände der Praxis- und Klinikärzte machen Front gegen Limits für Vergütungsanstiege und ein Aus für mehrere Extra-Zahlungen – und warnen vor Folgen für das Behandlungsangebot. «Einsparungen im Gesundheitswesen bleiben nicht abstrakt, sondern wirken sich unmittelbar auf die Versorgung aus», sagte Ärztepräsident Klaus Reinhardt der Deutschen Presse-Agentur.
Die Gesetzespläne, mit denen Warken drohende nächste Defizite bei den gesetzlichen Krankenkassen abwenden will, kommen jetzt in die Beratungen im Bundestag. Da könnte sich auch auf Druck von Branchen noch einiges ändern.
«Maßstab muss der medizinisch notwendige Versorgungsbedarf der Bevölkerung sein», mahnte Reinhardt. «Andernfalls drohen erhebliche Verwerfungen in der Versorgung, die langfristig sogar zu steigenden Kosten führen können.» Eine «einseitige Orientierung» der Kassenausgaben an der Steigerungsrate der Einnahmen greife deshalb zu kurz. Geplant ist, dass für Vergütungsanstiege in allen Bereichen eine solche Obergrenze kommt.
«Geht nicht um das Ob, sondern das Wie»
Reinhardt sagte, es stehe außer Frage, dass die Finanzen der gesetzlichen Krankenversicherung stabilisiert werden müssen. «Ein Anstieg der Sozialversicherungsbeiträge gefährdet die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland und damit auch die gesellschaftliche Stabilität. Es geht bei den Sparbemühungen also nicht um das Ob, sondern um das Wie.»
Warken will die Kassen mit dem Paket 2027 um 16,3 Milliarden Euro entlasten. Das ist etwas mehr als das erwartete Defizit von 15,3 Milliarden Euro und soll neue Anhebungen der Zusatzbeiträge verhindern. Kanzler Friedrich Merz (CDU) hat als Vorgabe für die Parlamentsberatungen formuliert, dass dieser Spar-Puffer nicht mehr kleiner werden dürfe. Geplant sind zudem Ausgabenbremsen bei der Pharmabranche und etwa auch höhere Zuzahlungen für Medikamente und Einschränkungen der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern.
«Nationaler Kraftakt» – ohne den Bund?
Der Ärztepräsident betonte: «Es ist wichtig, die Lasten breit zu verteilen.» Und würde sich auch Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) an diesem nationalen Kraftakt beteiligen, wäre das Spargesetz nicht nötig – indem der Bund die Kassen von versicherungsfremden Leistungen für Bürgergeldbezieher befreit.
Die sind generell gesetzlich versichert. Nur deckt die bisher vom Bund gezahlte Pauschale die Kosten nicht. Die vom Kabinett auf den Weg gebrachten Pläne sehen vor, dass es mehr Steuergeld gibt: 250 Millionen Euro für 2027, dann soll der Betrag soll bis 2031 auf zwei Milliarden Euro im Jahr aufwachsen. Laut einer Expertenkommission müssten es aber zwölf Milliarden Euro sein. Und zugleich soll der reguläre Bundeszuschuss um zwei Milliarden Euro gekappt werden – als Beitrag zur Etatsanierung. Für 2027 ergäbe sich so ein Minus von 1,75 Milliarden Euro, monierte Reinhardt. «Das ist ein finanzpolitischer Taschenspielertrick.»
Kinder vor Risiken von Social Media schützen
Vor dem Ärztetag fordert er auch einen besseren Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Risiken sozialer Medien. «In der besonders sensiblen Phase der Identitätsentwicklung sollte die Nutzung von Social Media komplett vermieden werden, danach nur unter klaren Schutzvorkehrungen erfolgen.» Plattformbetreiber seien stärker in die Pflicht zu nehmen – für verlässliche Altersüberprüfungen und Anpassungen ihrer Algorithmen, um suchtfördernde Mechanismen und gefährliche Inhalte von jungen Menschen fernzuhalten.
Übermäßiger Medienkonsum könne die körperliche und psychische Gesundheit gefährden und stehe in Zusammenhang mit Depressionen, Angststörungen und Konzentrationsproblemen. Besonders junge Männer seien gefährdet, sagte Reinhardt. «Wenn sie ihren Alltag nicht mehr ohne Smartphone, Streaming und Scrollen bewältigen können, verlieren sie den Anschluss an das reale Leben.»