Nach einer Reihe von Sabotage-Angriffen auf das deutsche Stromnetz hat die Polizei den 48-jährigen Tatverdächtigen festgenommen. Nach dpa-Informationen fiel der Mann der Polizei in der Nähe des Kraftwerks Weisweiler bei Aachen auf.
Blog
-
„Wir müssen Industriestärke neu verdienen“ (FOTO)
Deutschlands Industrie steht vor großen Aufgaben – aber auch vor neuen Möglichkeiten, die Mut, Tempo und Zusammenarbeit verlangen.
Exportmärkte verändern sich, Energie bleibt teuer, China wird vom Absatzmarkt zum anspruchsvollen Wettbewerber, und Europa muss mehr sicherheitspolitische Verantwortung übernehmen. Trotzdem sollte Deutschland nicht in eine reine Krisenerzählung verfallen, sondern sein industrielles Erfolgsmodell unter veränderten Bedingungen neu verdienen.
Die Hannover Messe 2026, die Weltleitmesse für die produzierende Industrie, zeigte: Europas Industrie sucht noch ihren Weg – aber sie sucht ihn aktiv. Dass sich dort zahlreiche namhafte CEOs und hochrangige politische Vertreter eingebracht haben, ist für Serjoscha Keck ein Signal. Es geht nicht nur um die Zukunft einer Messe, sondern um die industrielle Stärke Deutschlands und Europas.
Herr Keck, Deutschland diskutiert viel über Krise. Sie sprechen zunächst über Stolz auf das deutsche Wirtschaftsmodell. Warum?
Weil wir nicht vergessen sollten, woher wir kommen. Deutschland hat über Jahrzehnte ein beeindruckendes Erfolgsmodell aufgebaut: Ingenieurskunst, industrielle Netzwerke, Qualität und enorme Exportfähigkeit. Damit konnten wir uns vieles leisten: ein gutes Sozialsystem, hohe Standards und Regulierung, die zunächst oft aus guten Gründen entstanden ist.
Was folgt daraus für Deutschland?
Wir müssen unter Berücksichtigung der veränderten Rahmenbedingungen ehrlicher werden. Viele Regeln hatten gute Absichten: Schutz, Nachhaltigkeit, Fairness, Einzelfallgerechtigkeit. Aber wenn Überschüsse kleiner werden, müssen wir prüfen, was dauerhaft finanzierbar ist. Je mehr wirtschaftliche Leistung durch staatliche Strukturen gebunden wird, desto weniger Kraft bleibt für Investitionen, Innovation, unternehmerisches Risiko und Schnelligkeit.
Wir sind also zu langsam?
Ja. Genehmigungen dauern zu lange, Prozesse sind komplex, Daten werden von Behörden mehrfach abgefragt. Häufig liegt das Problem nicht im Ziel der Regulierung, sondern in der Umsetzung. Vereinfachung kann konkret werden: Daten nur einmal abgeben, vereinfachte Regime und Schwellenwerte, praxistaugliche Pauschalierungen, klare Fristen und Genehmigungsfiktionen.
Und was ist mit den Unternehmen selbst?
Auch in der produzierenden Industrie ist über die Jahre viel Bürokratie entstanden: zusätzliche Abstimmungen, interne Freigaben, komplexe Prozesse und doppelte Dokumentation. Auch dort müssen wir einfacher, schneller und klarer werden. Gerade KI bietet hier eine hervorragende Chance, Prozesse zu entschlacken, Routinetätigkeiten zu reduzieren und Entscheidungen besser vorzubereiten.
Wo liegen die Chancen für die produzierende Industrie in Deutschland und Europa?
Erstens im europäischen Binnenmarkt. Wir reden über mehr als 450 Millionen Menschen, hohe Kaufkraft, starke industrielle Vor- und Endprodukte und technologische Fähigkeiten, auf die auch China und die USA angewiesen sind. Daraus entsteht eine Chance für neue Kooperationen, auch mit China. Das gelingt aber nur, wenn wir realistisch und partnerschaftlich auftreten – und bereit sind, dort zu lernen, wo andere schneller oder besser geworden sind, ohne die eigenen Stärken kleinzureden.
Zweitens könnten wir noch stärker in neuen Märkten denken: Indien, Brasilien, Südostasien, Kanada, Teile Afrikas. Unternehmen könnten diese Märkte noch strategischer erschließen und ihre Wachstumserwartungen nicht zu stark auf wenige Regionen konzentrieren. Gleichzeitig müssen wir schnell sein: China ist dort längst präsent. Qualität allein reicht nicht. Wir müssen mit attraktiven Angeboten, Technologie, Finanzierung, Geschwindigkeit und lokalen Partnerschaften überzeugen.
Drittens liegt eine große Chance in produktiver KI. Für die Industrie wird KI dann spannend, wenn sie dort ansetzt, wo Wertschöpfung entsteht: in Entwicklung, Produktion, Qualität, Service und auf dem Shopfloor. Genau hier hat Deutschland einen Vorteil: eine starke industrielle Basis und viel Erfahrungswissen. Wenn es gelingt, dieses Wissen mit KI produktiver zu machen, kann daraus ein Hebel für Wettbewerbsfähigkeit entstehen – und eine Grundlage, um höhere Sozialstandards weiter tragen zu können.
Sind Sie optimistisch?
Ja, aber nicht naiv. Die in Deutschland jetzt auf den Weg gebrachten Reformen sind ein wichtiges Signal. Entscheidend wird aber die konkrete Umsetzung sein. Und der Mut, diesen Weg weiterzugehen. Ein Reformpaket ist kein Endpunkt, sondern ein Anfang. Deutschland muss sein Erfolgsmodell nicht abschreiben. Aber wir müssen es neu verdienen.
Mehr Informationen überKPMGunter:
Pressekontakt: Clemens Reisbeck creisbeck@kpmg.comwww.kpmg.de/im
Weiteres Material: www.presseportal.de Quelle: KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
-
Niedersachsen soll Standort für Europas nächste Schlüsseltechnologie werden: Proxima Fusion plant industrielle HTS-Band-Produktion (FOTO)
+++ Stärkung der Standortsouveränität: Ziel ist Europas erster groß-industrieller Produktionsstandort für fusionsgeeignetes Hochtemperatur-Supraleiter-Band (HTS-Band).
+++ Industrielle Wertschöpfung: Für die ersten beiden Projektphasen werden Investitionen von rund 140 Millionen Euro erwartet. Angestrebt ist eine hälftige private und öffentliche Finanzierung; Niedersachsen plant, 21 Millionen Euro beizutragen.
+++ Proxima Fusion schafft als Ankerkunde Nachfrage für eine Schlüsseltechnologie mit zusätzlichen Anwendungsmöglichkeiten in Energienetzen, Medizintechnik und Antriebssystemen.
Proxima Fusion und das Land Niedersachsen haben heute eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding, kurz MoU) unterzeichnet, um die Grundlage für den Aufbau einer großindustriellen Produktion von Hochtemperatur-Supraleiter-Band (HTS-Band) in Niedersachsen zu schaffen. Für die ersten beiden Projektphasen – bis Ende 2029 – sind Investitionen von rund 140 Millionen Euro vorgesehen. Die Ansiedlung soll neue industrielle Wertschöpfung und qualifizierte Arbeitsplätze schaffen und zugleich eine zentrale Voraussetzung für den Aufbau von neuen europäischen Lieferketten bilden.
HTS-Band ist ein spezielles metallisches Band, das bei vergleichsweise hohen Temperaturen supraleitend wird. Im supraleitenden Zustand kann es elektrische Ströme praktisch ohne Widerstandsverluste transportieren. Dadurch lassen sich besonders starke und zugleich kompakte Elektromagnete bauen. Diese Magnete sind für Stellaratoren von zentraler Bedeutung: Sie erzeugen die Magnetfelder, die das extrem heiße Plasma im Inneren einer Fusionsanlage einschließen und kontrollieren.
HTS-Band wird so zu einer Schlüsselkomponente, weil es kompaktere und leistungsfähigere Fusionsanlagen und damit nicht nur die physikalische Umsetzung von Fusionsenergie, sondern auch kosteneffiziente Kraftwerke ermöglicht.
Die geplante Fabrik soll HTS-Band für den Einsatz in Fusionsanlagen herstellen, unter anderem für die leistungsstarken Magnete von Stellaratoren. Damit würde in Niedersachsen eine entscheidende industrielle Grundlage für Proximas Fusionsdemonstrator Alpha, das geplante Kraftwerk Stellaris und langfristig die Serienproduktion von Stellaratoren entstehen. Der künftige Produktionsstandort wäre einer der ersten seiner Art in Deutschland und Europa.
Die entstehende HTS-Produktionskapazität ist auch für andere Anwendungsfelder geeignet. HTS-Materialien können in leistungsfähigen Stromnetzen, der medizinischen Bildgebung und Therapie, fortschrittlichen Antriebssystemen sowie weiteren Hochfeldmagnet-Anwendungen eingesetzt werden. Eine Fertigung in Niedersachsen wird deshalb deutlich mehr schaffen als eine zusätzliche Lieferquelle für Stellaratoren-Technologie: Sie verbindet Materialkompetenz, Produktionsverfahren, Qualitätssicherung, Fachkräfte und Zulieferer zu einer industriellen Basis, die vielfältige Spin-Offs in weiteren Hochtechnologiebranchen ermöglichen kann.
Von der Fusionsforschung zur industriellen Wertschöpfung
Mit dem MoU schaffen Niedersachsen und Proxima den Rahmen, um aus dieser technologischen Nachfrage eine industrielle Produktionsbasis aufzubauen. Vorgesehen sind unter anderem die Prüfung geeigneter Standorte in Niedersachsen, eine meilensteinbasierte Unterstützungs- und Förderstruktur, die Begleitung von Genehmigungsverfahren sowie Kooperationen mit Unternehmen, Kommunen und Forschungseinrichtungen im Land.
Proxima befindet sich in Gesprächen mit mehreren internationalen Technologiepartnern, um etabliertes Know-how und Produktionskapazitäten für die Herstellung von HTS-Band nach Niedersachsen zu bringen.
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies:„Wir bauen Niedersachsen zum Vorreiter einer europäischen HTS-Produktion aus, die nicht nur Deutschlands ambitionierte Ziele im Bereich der Fusionsenergie unterstützen wird, sondern auch zukunftsorientierte Produktion, neue Wertschöpfung, qualifizierte Arbeitsplätze und technologisches Know-how zu uns bringen wird, all dies verspricht positive Innovationseffekte für viele weitere Branchen. Niedersachsen wird im wahrsten Sinne des Wortes zum Magneten für eine neue Schlüsseltechnologie.“
„HTS-Band ist eine der Schlüsseltechnologien dafür, um Fusion industriell schnell zu skalieren. Alpha und Stellaris schaffen die Nachfrage, um dieses Produktions-Know-how vor Ort aufzubauen. Niedersachsen bringt die industrielle Basis, Energiekompetenz und politische Entschlossenheit mit, um eine Abhängigkeit in eine dauerhafte, strategische Stärke des Industriestandorts Deutschland und Europa umzuwandeln,“sagt Dr. Francesco Sciortino, Mitgründer und CEO von Proxima Fusion.
„Niedersachsen bringt hervorragende Voraussetzungen für die Zukunftsfelder von morgen mit. Unsere Forschungseinrichtungen verfügen über gezielte Stärken in den Schlüsseltechnologien der Fusion, dazu zählen die Bereiche Laserphysik und Photonik. Die geplante Ansiedlung zeigt, wie wichtig die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft zur Bildung neuer Stärken für Niedersachsen ist,“sagt Falko Mohrs, Niedersachsens Minister für Wissenschaft und Kultur.
Eine strategische Lücke in Europas Fusionslieferkette schließen
HTS-Band wird bislang vor allem in Asien im großen industriellen Maßstab hergestellt. Der Aufbau eigener Fertigungskapazitäten ist strategisch relevant, um die Lieferkette von Stellaratoren nahezu vollständig in Europa zu verorten. Nach aktueller Planung benötigt Proxima rund 20.000 Kilometer HTS-Band für Alpha und weitere 40.000 Kilometer für Stellaris. Diese Nachfrage macht Proxima Fusion zum Ankerkunden: Langfristige Abnahmemengen sind wichtig für den industriellen Hochlauf, sichern eigenes Fertigungswissen und senken die Kosten pro Meter.
Bei der Gesamtinvestition strebt Proxima eine Finanzierung zu gleichen Teilen aus privaten Mitteln und öffentlicher Förderung an. Das Land Niedersachsen plant, aktuell 21 Millionen Euro bereitzustellen. Das entspricht knapp 30 Prozent des vorgesehenen öffentlichen Finanzierungsanteils.
Die Vereinbarung erweitert Proximas Industriestrategie um einen zentralen Produktionsschritt in der vorgelagerten Lieferkette. In der Alpha Alliance arbeiten bereits mehr als 50 Unternehmen an den Systemen, Fertigungsverfahren, Infrastrukturen und Integrationsleistungen für den Fusionsdemonstrator Alpha. Eine Produktion von fusionsgeeignetem HTS-Band würde diese industrielle Basis um eine zentrale Komponente ergänzen und gezielt eine entscheidende Lücke in der europäischen Fusionslieferkette schließen. Deutschland kann damit Fertigungswissen und Wertschöpfung im Land halten, seine Lieferketten widerstandsfähiger machen und seine weltweit führende Stellarator-Forschung in eine international relevante und für verschiedenste Branchen anschlussfähige Industrie überführen.
Über Proxima Fusion
Proxima Fusion ist Europas führendes Stellarator-Unternehmen und das erste Spin-out des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik. Das Unternehmen entwickelt Fusionskraftwerke auf Basis von QI-HTS-Stellaratoren und baut auf den wissenschaftlichen Durchbrüchen des Wendelstein-7-X-Programms auf.
Mit Alpha entwickelt Proxima einen Demonstrator für Nettoenergie aus Fusion Anfang der 2030er-Jahre und verfolgt das Ziel, mit Stellaris in den 2030er-Jahren das weltweit erste kommerzielle Stellarator-Fusionskraftwerk zu realisieren. Unterstützt wird dieser Weg durch die Alpha Alliance mit mehr als 50 Industriepartnern sowie ein hochrangig besetztes Industrial Development Board.
Proxima Fusion beschäftigt rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und hat seinen Hauptsitz in München sowie Büros in Zürich und Oxford. Weitere Informationen unter: www.proximafusion.com
Pressekontakt: Proxima Fusion Maria Dantz Flößergasse 2 81369 München Tel. 0031 614715715 press@proximafusion.com LHLK Agentur für Kommunikation Celine Albers Gustav-Meyer-Allee 25 13355 Berlin +49 30 4000652 - 18 proxima@lhlk.de
Weiteres Material: www.presseportal.de Quelle: Proxima Fusion
-
Ministerpräsident Schulze neuer Chef der CDU-Fraktion
Die CDU-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt hat Ministerpräsident Sven Schulze zu ihrem neuen Vorsitzenden gewählt. Zwei Tage nach der CDU-Niederlage bei der Landtagswahl setzte sich Schulze nach dpa-Informationen in Magdeburg gegen den bisherigen Fraktionschef Guido Heuer in einer Kampfabstimmung durch. Auch der «Spiegel» berichtete.
-
Pisa-Studie: Deutsche Ergebnisse so schlecht wie nie
In der neuen Pisa-Bildungsstudie schneiden Schülerinnen und Schüler in Deutschland so schlecht ab wie nie zuvor. In Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften wurden bei den hier getesteten 15-Jährigen «die niedrigsten Kompetenzwerte seit Beginn der Pisa-Erhebungen erzielt», heißt es in der internationalen Vergleichsstudie.
-
Sepp Müller will neuer CDU-Chef in Sachsen-Anhalt werden
Der Bundestagsabgeordnete Sepp Müller will nach der Wahlschlappe seiner Partei neuer CDU-Landeschef in Sachsen-Anhalt werden. «Ich kandidiere als Landesvorsitzender», sagte der 37-Jährige nach einer Sitzung des CDU-Landesvorstands in Magdeburg.
-
Moskau schließt Goethe-Institute, Konsulat in St. Petersburg
Russland hat alle dortigen Goethe-Institute geschlossen und die Mitarbeiter zum Verlassen des Landes bis spätestens 13. September aufgefordert. Zugleich ordnete das Außenministerium in Moskau die Schließung des deutschen Generalkonsulats in St. Petersburg bis 18. September an. Damit antwortete Moskau auf die angekündigte Schließung des Russland-Hauses in Berlin und des Generalkonsulats in Bonn, nachdem Berlin Moskau für den Anschlagsversuch mit einer Sprengstoffdrohne auf dem Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich gemacht hatte.
-
Strom-Sabotage: Polizei nimmt Verdächtigen fest
Nach einer Reihe von Sabotage-Angriffen auf das deutsche Stromnetz hat die Polizei den 48-jährigen Tatverdächtigen festgenommen. Nach dpa-Informationen fiel der Mann der Polizei in der Nähe des Kraftwerks Weisweiler bei Aachen auf.
-
Volkswagen will Werk in Osnabrück verkaufen
Volkswagen will das Werk Osnabrück an den Finanzinvestor Aurelius und das Land Niedersachsen verkaufen. Der Standort soll schrittweise zu einem Kompetenzzentrum für Sicherheits- und Verteidigungslösungen weiterentwickelt werden, wie der Autobauer mitteilte.
-
AfD verpasst in Sachsen-Anhalt absolute Mehrheit
Die AfD ist bei der Sachsen-Anhalt-Wahl stärkste Kraft geworden, hat aber keine absolute Mehrheit im Landtag gewonnen. Die CDU kommt nach den auf der Webseite der Landeswahlleiterin veröffentlichten vorläufigen Ergebnissen mit großen Verlusten auf den zweiten Platz. Dem BSW gelingt knapp der Einzug ins Landesparlament.