Autor: Stojancho Gjorgjiev

  • Porsche verkauft Beratungstochter MHP

    Porsche verkauft seine Management- und IT-Beratung MHP. Es sei ein Vertrag unterzeichnet worden, der den Verkauf von MHP an Tata Consultancy Services (TCS) vorsieht, wie das Unternehmen in Stuttgart mitteilte. Bei der Fokussierung auf sein Kerngeschäft mache man damit einen weiteren großen Schritt.

    MHP hat seinen Unternehmenssitz in Ludwigsburg bei Stuttgart und ist bislang eine 100-prozentige Porsche-Tochter. Die Behörden müssen der vollständigen Übernahme noch zustimmen. Zum Kaufpreis machten Porsche und TCS keine Angaben. TCS bietet den Angaben nach IT-Dienstleistungen, Beratung und Technologielösungen an und ist Teil des indischen Mischkonzerns Tata Group.

    Porsche ist sei 1998 an MHP beteiligt, vor gut zweieinhalb Jahren erfolgte die vollständige Übernahme. Die rund 300 Kunden des Beratungsunternehmens kommen aus der Auto- und Fertigungsindustrie, aber auch aus den Bereichen Luft- und Raumfahrt, Verteidigung sowie aus dem öffentlichen Sektor. MHP berät vor allem zu Strategiethemen und IT-Transformationen. 2025 machte das Unternehmen, das mehr als 4.500 Mitarbeiter beschäftigt, einen Umsatz von ungefähr 743 Millionen Euro.

  • Marc Wehning klärt auf: Warum Unternehmen vor dem KI-Einsatz erst ihre Prozesse in Ordnung bringen müssen (FOTO)

    KI und Automatisierung versprechen gerade kleinen und mittelständischen Unternehmen spürbare Entlastung. Doch was passiert, wenn Daten noch über Tabellen, E-Mails und verschiedene Programme verstreut sind und Abläufe keiner klaren Struktur folgen? Worauf Unternehmen achten sollten, bevor sie KI und Automatisierung sinnvoll einsetzen können, erfahren Sie hier.

    KI ist längst im Mittelstand angekommen – zumindest gedanklich. Geschäftsführer beschäftigen sich mit neuen Möglichkeiten, Mitarbeiter testen eigenständig Tools und erste Automatisierungen entstehen. Die erhoffte Entlastung bleibt jedoch häufig aus. Denn während an einzelnen Stellen neue Technik eingesetzt wird, hat sich an den zugrunde liegenden Abläufen wenig geändert. Informationen liegen weiterhin in verschiedenen Tabellen, Postfächern oder persönlichen Notizen, Zuständigkeiten sind nicht eindeutig geregelt und manche Prozesse sind über Jahre gewachsen, ohne je grundlegend hinterfragt worden zu sein. So entsteht schnell eine Schieflage: Statt zunächst ein organisatorisches Problem zu lösen, soll eine technische Anwendung die vorhandenen Schwächen ausgleichen. „Wer einen schlechten oder ungeklärten Prozess automatisiert, beseitigt das Problem nicht, sondern sorgt im schlimmsten Fall dafür, dass es schneller durch das Unternehmen läuft“, warnt Marc Wehning.

    „Die erste Frage sollte deshalb nicht lauten: Wo können wir KI einsetzen? Sondern: Welche wiederkehrende Tätigkeit kostet unsere Mitarbeiter jeden Tag unnötig Zeit?“, so Marc Wehning weiter. Für ihn beginnt eine sinnvolle Automatisierung damit nicht bei einem bestimmten Tool, sondern im betrieblichen Alltag. Diese Sichtweise beruht auch auf seiner eigenen unternehmerischen Erfahrung: Rund 20 Jahre lang führte der Diplom-Informatiker (FH) ein E-Commerce-Unternehmen mit etwa 50 Mitarbeitern und rund 40 Millionen Euro Umsatz. Die Herausforderungen wachsender Betriebe kennt er damit sowohl aus technischer Sicht als auch aus der Perspektive als Geschäftsführer. 2025 absolvierte er zudem ein Aufbaustudium zum Thema künstliche Intelligenz am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston. Daneben ist er Lehrbeauftragter an der FOM Hochschule. Heute unterstützt Marc Wehning mit wehning.com vor allem kleine und mittelständische Unternehmen dabei, Prozesse zu verbessern und geeignete wiederkehrende Tätigkeiten zu automatisieren. Dabei steht zunächst nicht die technische Lösung im Vordergrund, sondern die Frage, an welcher Stelle im Unternehmen überhaupt sinnvoll angesetzt werden kann.

    Der beste Startpunkt liegt oft im täglichen Kleinkram

    Wer nach einem geeigneten Automatisierungsprojekt sucht, muss nicht zwangsläufig den komplexesten Prozess im Unternehmen untersuchen. Oft lohnt sich der Blick auf unscheinbare Tätigkeiten, die sich Tag für Tag wiederholen: Informationen prüfen, Daten übertragen, Dokumente zuordnen oder Vorgänge an die nächste zuständige Stelle weiterleiten. Ein einzelner Arbeitsschritt mag kaum ins Gewicht fallen. Wird er jedoch hundert- oder tausendfach ausgeführt, summiert sich selbst eine kleine Zeitersparnis. Genau deshalb zählt für Marc Wehning nicht der spektakulärste Anwendungsfall, sondern die Häufigkeit eines vermeidbaren Aufwands.

    Diese Sichtweise begleitet ihn bereits seit seiner frühen beruflichen Laufbahn. Bei der Untersuchung von Kommissionierungsprozessen zeigte sich beispielsweise, dass schon eine eingesparte Sekunde pro Vorgang wirtschaftlich relevant werden kann, wenn derselbe Schritt täglich tausendfach erfolgt. „Gerade bei häufig wiederkehrenden Tätigkeiten lohnt es sich, sehr genau hinzusehen. Was bei einem einzelnen Vorgang kaum auffällt, kann über Wochen und Monate erhebliche Arbeitszeit binden“, erklärt Marc Wehning. Für Unternehmen bedeutet das, auch vermeintlich kleine Routinen ernst zu nehmen: Werden qualifizierte Mitarbeiter regelmäßig mit einfachen, standardisierbaren Aufgaben gebunden, kann genau dort ein wirtschaftlich sinnvoller Ansatzpunkt für Automatisierung liegen.

    Gute Automatisierung braucht eine verlässliche Grundlage

    Ist ein möglicher Engpass gefunden, folgt die nächste Prüfung: Wie funktioniert der Ablauf aktuell, welche Informationen werden dafür benötigt und welches konkrete Ergebnis soll am Ende entstehen? Erst wenn diese Punkte geklärt sind, lässt sich beurteilen, ob sich der Prozess zuverlässig automatisieren lässt. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Qualität der vorhandenen Daten. Nicht ihre Menge ist ausschlaggebend, sondern ob sie vollständig, verlässlich und einheitlich gepflegt sind. „Künstliche Intelligenz macht schlechte Daten nicht besser. Sie kann vorhandene Fehler, Lücken und Widersprüche lediglich schneller und in größerem Umfang verarbeiten“, betont Marc Wehning.

    Wie wichtig diese Grundlage ist, zeigt sich beispielsweise bei Kundendaten. Liegen relevante Informationen gleichzeitig in Tabellen, E-Mail-Postfächern und persönlichen Ablagen einzelner Mitarbeiter, fehlt eine verlässliche Datenbasis für weiterführende Anwendungen. In einem solchen Fall kann es sinnvoller sein, zunächst ein Customer-Relationship-Management-System einzuführen, das kundenbezogene Informationen zentral zusammenführt. Der sinnvolle nächste Schritt muss also nicht zwangsläufig eine KI-Anwendung sein. Mitunter besteht er zunächst darin, Daten und Prozesse so zu ordnen, dass eine spätere Automatisierung überhaupt zuverlässig darauf aufbauen kann.

    Marc Wehning setzt bei den tatsächlichen Engpässen an

    Welche Maßnahme für einen Betrieb tatsächlich sinnvoll ist, klärt Marc Wehning deshalb zunächst direkt mit dem Unternehmen. In einem zwei- bis dreistündigen Workshop betrachtet er die bestehenden Abläufe, identifiziert Engpässe und untersucht, an welchen Stellen wiederkehrende Tätigkeiten unnötig Arbeitszeit binden. Dabei geht es nicht darum, möglichst viele potenzielle KI-Anwendungen zu finden, sondern die Bereiche herauszuarbeiten, bei denen eine Veränderung einen konkreten betrieblichen Nutzen verspricht. Auf dieser Grundlage lässt sich anschließend entscheiden, welcher Prozess zuerst angegangen werden sollte und welcher Aufwand dafür wirtschaftlich sinnvoll ist.

    Das Ergebnis muss dabei nicht automatisch ein Automatisierungsprojekt sein. Zeigt die Analyse beispielsweise, dass zunächst Informationen zentralisiert, Zuständigkeiten geklärt oder ein Ablauf eindeutiger definiert werden muss, setzt der nächste Schritt genau dort an. „Für mich ist ein Workshop nicht dann erfolgreich, wenn wir am Ende möglichst viele Einsatzmöglichkeiten für KI gefunden haben. Entscheidend ist, dass klar wird, welcher nächste Schritt dem Unternehmen tatsächlich weiterhilft“, erklärt Marc Wehning. So steht am Anfang keine vorgefertigte technische Lösung, sondern eine konkrete Priorität, an der das Unternehmen weiterarbeiten kann.

    Mit einem klar abgegrenzten Prozess zum ersten Ergebnis

    Sind Prozesse und Daten ausreichend geordnet, muss der Einstieg nicht zum monatelangen IT-Großprojekt werden. Marc Wehning empfiehlt vielmehr, zunächst einen einzelnen, klar abgegrenzten Ablauf zu automatisieren, dessen Nutzen sich im Arbeitsalltag unmittelbar überprüfen lässt. Ein Beispiel dafür ist die Belegsteuerung in der Buchhaltung: Werden Dokumente bislang manuell erfasst, zugeordnet und an die richtige Stelle weitergeleitet, kann genau dieser wiederkehrende Ablauf automatisiert werden. Sind die notwendigen Daten und Systeme bereits vorhanden, lässt sich eine solche Anwendung innerhalb von etwa drei bis vier Wochen nach der Beauftragung umsetzen.

    Ein überschaubares erstes Projekt hat dabei einen weiteren Vorteil: Das Unternehmen sammelt praktische Erfahrungen, ohne direkt zahlreiche Prozesse und Systeme miteinander zu verknüpfen. „Beim ersten Projekt geht es auch darum, Vertrauen in die Automatisierung aufzubauen. Die Verantwortlichen müssen sehen, dass der Prozess zuverlässig läuft und im Alltag tatsächlich Arbeit abnimmt“, erklärt Marc Wehning. Bewährt sich die Lösung im laufenden Betrieb, entsteht damit zugleich eine Grundlage für weitere Schritte. Statt von Beginn an möglichst viele Abläufe zu automatisieren, kann das Unternehmen anschließend gezielt entscheiden, bei welchen wiederkehrenden Tätigkeiten sich ein ähnlicher Ansatz ebenfalls lohnt.

    Automatisierung braucht auch nach der Einführung Aufmerksamkeit

    Mit der technischen Einrichtung ist die Arbeit allerdings noch nicht beendet. Ein automatisierter Prozess muss so gestaltet sein, dass Verantwortliche erkennen können, ob er ordnungsgemäß läuft und an welcher Stelle eine Störung aufgetreten ist. Das wird besonders wichtig, wenn mehrere Programme oder Schnittstellen zusammenspielen. Updates können technische Funktionen verändern und Anpassungen erforderlich machen. Eine Lösung, die heute zuverlässig arbeitet, muss deshalb auch langfristig kontrollierbar und wartbar bleiben.

    Hinzu kommen Datenschutz und Compliance. Welche Anforderungen gelten, hängt unter anderem von den verarbeiteten Daten, eingesetzten Systemen und jeweiligen Anbietern ab und muss bei Bedarf von geeigneten Fachleuten individuell geprüft werden. „Unternehmen sollten sich deshalb schon bei der Planung fragen, wie sie später erkennen, wenn ein automatisierter Prozess nicht mehr so funktioniert wie vorgesehen. Sonst fällt ein Fehler möglicherweise erst auf, wenn er bereits zahlreiche Vorgänge betrifft“, erklärt Marc Wehning. Für ihn gehört die langfristige Beherrschbarkeit deshalb von Beginn an zu einer sinnvollen Umsetzung. So soll aus der technischen Entlastung kein neuer Prozess entstehen, dessen Funktionsweise im Unternehmen irgendwann niemand mehr zuverlässig überblickt.

    Für Marc Wehning zählt der Nutzen, nicht die Technologie

    Ob künstliche Intelligenz oder Automatisierung für ein Unternehmen sinnvoll ist, entscheidet sich nicht daran, wie fortschrittlich eine Lösung wirkt. Maßgeblich ist, ob sie ein konkretes betriebliches Problem löst und qualifizierten Mitarbeitern dauerhaft Arbeit abnimmt. Gerade im Mittelstand können dabei unscheinbare Verbesserungen einen größeren wirtschaftlichen Effekt haben als umfangreiche KI-Projekte. Entscheidend ist deshalb nicht, möglichst viele neue Technologien einzuführen, sondern an den Stellen anzusetzen, an denen im Arbeitsalltag tatsächlich unnötiger Aufwand entsteht.

    Diesen pragmatischen Ansatz verbindet Marc Wehning mit seiner Erfahrung als langjähriger Geschäftsführer und Diplom-Informatiker (FH). Mit wehning.com möchte er Unternehmen dabei unterstützen, technische Möglichkeiten nicht zum Selbstzweck werden zu lassen, sondern dort einzusetzen, wo ein nachvollziehbarer betrieblicher Nutzen entsteht. „Eine gute Automatisierung muss niemanden beeindrucken. Sie muss jeden Tag zuverlässig funktionieren und den Mitarbeitern Arbeit abnehmen“, fasst Marc Wehning zusammen.

    Sie möchten mit gezielter Automatisierung jede Woche 10 oder mehr Stunden zurückgewinnen – ohne IT-Abteilung, ohne neue Software, ohne zusätzliches Personal. Dann melden Sie sich jetzt bei Marc Wehning und vereinbaren Sie einen Termin!

    Wenn Sie sich zunächst einen Überblick verschaffen möchten, beginnen Sie mit seinem Buch „Der unsichtbare Mitarbeiter: Wie KMU mit Claude Code Prozesse automatisieren und wachsen“: https://www.amazon.de/unsichtbare-Mitarbeiter-Prozesse-automatisieren-wachsen/dp/B0H1GW4SBG

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  • FC Bayern gewinnt den Supercup gegen Borussia Dortmund

    Der FC Bayern München hat wie im Vorjahr den Franz-Beckenbauer-Supercup gewonnen. Der deutsche Fußball-Meister und DFB-Pokalsieger gewann eine Woche vor dem Bundesligastart das erste Pflichtspiel der Saison auswärts gegen Vizemeister Borussia Dortmund mit 2:1 (2:0).

  • Ermittlungen gegen JVA-Beschäftigte wegen Bestechlichkeit

    Wegen des Verdachts der Bestechlichkeit wird in der JVA Bremen gegen 23 Verdächtige ermittelt. Das teilte die Bremer Staatsanwaltschaft mit. Ermittelt wird demnach gegen sechs Beschäftigte des Gefängnisses sowie Häftlinge.

  • Neueste Forschungsergebnisse: Entwicklungszusammenarbeit hat deutlich höheren Nutzen für die deutsche Wirtschaft

    Frankfurt am Main (ots) –

    • Jeder Euro lässt deutsche Exporte um 2,50 Euro steigen – 380.000 Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen und gesichert
    • Entwicklungszusammenarbeit erhöht Marktchancen für deutsche Unternehmen und führt zu höherer Resilienz des deutschen Außenhandels

    Die Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit sichern mehr Wohlstand und Arbeitsplätze in Deutschland als bisher bekannt. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Universität Göttingen. Die Analyse untersucht den Zusammenhang zwischen Zahlungen im Rahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit und deutschen Exporten von Waren und erstmals auch von Dienstleistungen in die Partnerländer im Zeitraum von 2005 bis 2024.

    Die Berechnungen zeigen: Mit jedem Euro, den Deutschland in der Entwicklungszusammenarbeit direkt in einem Partnerland investiert, steigen die deutschen Warenausfuhren um 2,50 Euro. Den Effekt begründen die Forschenden unter anderem mit Einkommenseffekten in den Empfängerländern. Diese erhöhen vor Ort Nachfrage und Importe. Davon profitiert auch die deutsche Wirtschaft: Die dadurch ausgelösten zusätzlichen Exporte tragen dazu bei, rund 380.000 Arbeitsplätze in produzierenden Unternehmen sowie im Dienstleistungssektor in Deutschland zu schaffen und zu sichern. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit erzielt ihre stärksten Exportrenditen in den Sektoren Maschinenbau, Transport, Informationstechnologie, Chemie- und Elektroindustrie.

    Brigitte Réthier, Vorstandsmitglied der KfW Bankengruppe: „Die Ergebnisse zeigen, dass die deutsche Entwicklungszusammenarbeit zu spürbaren Exporteffekten führt. Davon profitiert auch unsere heimische Wirtschaft und mit ihr viele Arbeitsplätze in Deutschland. Der Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung in Partnerländern verbindet sich mit wirtschaftlichen Chancen und Interessen.“

    Die Befunde sind klar: Entwicklungszusammenarbeit stärkt die Handelsbeziehungen Deutschlands und macht den deutschen Außenhandel resilienter gegenüber geoökonomischen Risiken. Entwicklungszusammenarbeit stärkt internationale Verflechtungen auch in Krisenzeiten. Insbesondere mit aufstrebenden Schwellenländern sind eine enge Partnerschaft und Präsenz vor Ort für den Wirtschaftsstandort Deutschland enorm wichtig. Investitionen in nachhaltige Infrastruktur und Klimaschutz verbessern die Marktchancen deutscher Unternehmen beim Ausbau der Energie- und Transportsysteme in den Partnerländern.“

    Weitere Informationen zur Studie finden Sie unter diesem Link.

    Die vollständige Studie finden Sie unter diesem Link.

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  • IG Metall Mitte macht sich für harte Tarifrunde bereit

    Die IG Metall erwartet eine harte Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie im kommenden Herbst. «Die Beschäftigten fühlen sich in die Zange genommen von Politik und Arbeitgebern», sagt der Chef des Gewerkschaftsbezirks Mitte, Jörg Köhlinger. «Während die Politik verschiedene Maßnahmen zum Sozialabbau diskutiert, überbieten sich Unternehmer und Konzernmanager in Forderungen nach unbezahlter Mehrarbeit und Lohnverzicht.» 

    Mit Blick auf den forcierten Stellenabbau in der Autoindustrie und anderen Sparten sowie fehlende Investitionspläne für deutsche Standorte sagt der Bezirkschef: «Die Industrie befindet sich in der schärfsten Krise seit Bestehen der Bundesrepublik. Dabei geht es nicht um konjunkturelle Entwicklungen, sondern um die Struktur der Industriegesellschaft.» 

    Existenzielle Fragen für die Beschäftigten 

    Die Beschäftigten werden sich die Entwicklungen nicht tatenlos anschauen, kündigt der Gewerkschafter an. «Es geht für unsere Leute um existenzielle Fragen. Ich erwarte eine sehr kämpferische Tarifbewegung, bei der ausdrücklich keine Arbeitskampfmaßnahme ausgeschlossen ist.» 

    Die Situation sei in den meisten Betrieben sehr angespannt: «Mit Ausnahme der wenigen Rüstungsbetriebe steht die Metall- und Elektroindustrie unter Druck. Dem Maschinenbau geht es dabei noch etwas besser als der Automobilindustrie und ihren Zulieferern.» Es sei klar, dass gute tarifliche Bedingungen nur mit einem starken Engagement der Belegschaften erreicht werden können. 

    Natürlich gehe es den Menschen um die Sicherung der Standorte und ihrer Arbeitsplätze. Die Arbeitgeber müssten auf einen verlässlichen Kurs zurückkehren. «Die Unternehmen haben die Krise selbst mit verursacht durch falsche Strategie sowie arrogante Fehleinschätzungen des Marktes und der Konkurrenz. Jetzt fällt ihnen als einziges ein, dass die Kosten sinken müssen. Die Unternehmen waren erst planlos, jetzt sind sie schamlos.» 

    Forderung kommt im September 

    Die IG Metall verhandelt ab Oktober für rund 3,7 Millionen Beschäftigte der deutschen Metall- und Elektroindustrie die Entgelt-Tarifverträge. Bei den regional geführten Verhandlungen ist der Bezirk Mitte für rund 360.000 Beschäftigte in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland sowie rund 28.000 Metallerinnen und Metaller in Thüringen zuständig. Ein bundesweiter Aktionstag zur Situation in der Automobilindustrie ist bereits für den 21. September geplant. 

    Eine Forderung will Deutschlands mächtigste Gewerkschaft im September festlegen. Dazu ist ein komplexes Wechselspiel zwischen Gewerkschaftsvorstand, den Tarifkommissionen der Bezirke und den Beschäftigten etabliert. Eine Nullrunde werde es in diesem Jahr nicht geben, kündigt Köhlinger an: «Natürlich werden wir höhere Entgelte fordern. Dafür haben wir die Tarifverträge ja gekündigt.» Warnstreiks sind ab November möglich. 

    Köhlinger kritisiert wiederholte Forderungen von Unternehmern und Konzernmanagern wie Mercedes-Chef Ola Källenius nach verlängerten Arbeitszeiten und abgesenkten Sozialkosten. «Wenn das alles ernst gemeint ist, müssten die Arbeitgeber eigentlich den Manteltarifvertrag aufkündigen. Dann bekommen wir aber eine noch sehr viel härtere Auseinandersetzung.»

  • Studie: 7,2 Millionen Jobs hängen an Export in die EU

    Der Export in andere Länder der EU sichert in Deutschland einer Studie zufolge etwa 7,2 Millionen Arbeitsplätze. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie von Prognos im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw). Insgesamt hänge eine Bruttowertschöpfung von rund 550 Milliarden Euro an der Nachfrage aus anderen EU-Ländern. 

    Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2022 – für aktuelle Jahre liegen die dafür nötigen Daten noch nicht vor. Die Bedeutung dürfte aktuell aber eher zu- als abnehmen. Zuletzt haben die Exporte in die USA und nach China tendenziell nachgegeben, in die EU führten deutsche Unternehmen dagegen mehr aus. 

    Wichtiger als andere Wirtschaftsräume

    «Im internationalen Vergleich ist die EU für Deutschland deutlich wichtiger als andere große Wirtschaftsräume», betont auch vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. «Sie bietet stabile und verlässliche Rahmenbedingungen, deren Bedeutung angesichts wachsender geopolitischer Unsicherheiten weiter zunimmt.»

    Besonders hohe Wertschöpfung in Deutschland, die auf Nachfrage aus der EU zurückgeht, gibt es unter anderem im Auto- und Maschinenbau aber auch der Chemie. «Schlüsselindustrien wie der Kraftwagen- und Maschinenbau profitieren nicht nur am stärksten von der europäischen Importnachfrage, sondern sind zugleich strukturell eng in europäische Produktionsnetzwerke eingebettet», heißt es in der Studie.

    Das setzt die Wirtschaft allerdings auch einer besonders hohen Abhängigkeit in Bezug auf die wirtschaftliche Entwicklung in den anderen EU-Ländern aus. Eine wirtschaftliche Stagnation dort würde das Bruttoinlandsprodukt bis 2030 um mehr als 20 Milliarden Euro schrumpfen lassen. Besonders stark träfe dies Autobau, Maschinenbau und Chemie. 

    Auch die Freizügigkeit hilft

    Die Studie beschäftigt sich aber nicht nur mit den Auswirkungen der Exportnachfrage, sondern auch denen der Freizügigkeit im Schengen-Raum. Summiert man deren Effekte für Güterverkehr, Tourismus und grenzüberschreitende Pendler aus Deutschland auf, kommen die Forscher auf einen positiven Effekt von 1,5 Milliarden bis 2 Milliarden Euro. 

    «Die Studie macht deutlich, dass wir die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Europa verbessern und so unsere Wettbewerbsfähigkeit stärken müssen», sagt Brossardt. «Der Binnenmarkt muss vollendet werden, indem wir nach wie vor bestehende Handelshemmnisse abbauen. Ein wirtschaftlich starkes Europa sorgt gerade in Deutschland und Bayern für Wachstum.»

  • Lotto-Jackpot von 50 Millionen Euro geknackt

    Der Lotto-Jackpot mit der Maximalhöhe von 50 Millionen Euro ist zum zweiten Mal in Folge geknackt worden. Wie Lotto Bremen mitteilte, gehen jeweils 16,66 Millionen Euro einmal nach Hessen und zweimal nach Niedersachsen.

  • Von A wie Autobahn bis Z wie Zeche: Was ist typisch NRW?

    Am 23. August feiert Nordrhein-Westfalen Geburtstag. Das Land wird an diesem Sonntag 80 Jahre alt. Die große Feier steigt eine Woche später in Münster. Doch was ist eigentlich typisch für dieses Bindestrich-Bundesland mit seinen unterschiedlichen Menschen, Landstrichen und Eigenarten? Die Deutsche Presse-Agentur hat das Land zwischen Rhein, Ruhr und Weser einmal durchbuchstabiert:

    A wie Autobahnen: Mehr als 2.200 Kilometer Autobahn durchziehen NRW. Täglich pendeln Millionen von A nach B – und das bei reichlich Baustellen und reichlich europäischem Lastwagen-Verkehr. Das Bundesland ist ein bedeutendes Transitland und trägt deshalb auch weiterhin den unrühmlichen Titel «Stauland Nr. 1». Warum? Der ADAC hat gezählt: 35 Prozent der Staustunden in ganz Deutschland entfielen im Jahr 2025 auf unser Bundesland. Mit weitem Abstand folgen mit 13 Prozent Bayern und Baden-Württemberg mit 10 Prozent. Den Spitzenplatz hält dabei die A3 von Köln nach Oberhausen mit 12.424 Staustunden, gefolgt von der A42 im Ruhrgebiet mit 9.387 Stunden und der A1 von Köln nach Dortmund mit 8.758 Stunden. 

    B wie Büdchen: Der kleine Kiosk an der Ecke ist bis heute ein sozialer Treffpunkt. Wer schnell ’ne Flasche Bier oder Eis für die Kinder braucht, ist hier auch außerhalb der üblichen Ladenöffnungszeiten richtig. Je nach Region tragen die kleinen Verkaufsläden andere Namen. Was dem Berliner der Späti, ist dem Reviermenschen das Büdchen, der Kiosk oder die Trinkhalle. Im Rheinland war der Spruch «Am Büdchen krichse alles!» lange fest im Sprachschatz verankert. 

    C wie Cranger Kirmes und andere Traditionsveranstaltungen: Volksfeste wie die Cranger Kirmes in Herne oder die Rhein-Kirmes in Düsseldorf gehören zur NRW-DNA. Ob Libori in Paderborn, der Send in Münster oder die Allerheiligen Kirmes in Soest, die Zahl der Besucher überschreitet oft die Million-Grenze. Und jedes Angebot hat seine spezielle Geschichte. Libori ist eng verbunden mit einer kirchlichen Tradition und der ältesten europäischen Städtepartnerschaft mit Le Mans in Frankreich. Soest ist die größte Altstadtkirmes Europas. Hier drehen die Fahrgeschäfte sehr nah an den alten Fachwerkhäusern ihre Runden. 

    D wie Discofieber: Der Aachener «Scotch-Club» gilt als erste Diskothek Deutschlands. Als dem damaligen Restaurant 1959 die Gäste ausbleiben, macht Franzkarl Schwendinger daraus ein Tanzlokal. Ihm fehlt das Geld für teure Live-Musik. Daher lässt er Schallplatten aktueller Hits abspielen, wie ein Sonderheft des NRW-Landtags zum 80. Geburtstag des Landes berichtet. 

    E wie Einwanderungsland: NRW hat eine lange Zuwanderungsgeschichte. Im 19. Jahrhundert waren viele Polen ins Ruhrgebiet ausgewandert, seit den 1960er Jahren des wirtschaftlichen Aufschwungs wurden sogenannte Gastarbeiter aus Italien, Griechenland oder der Türkei besonders fürs Ruhrgebiet angeworben. Sie und ihre Nachkommen blieben. Fast jeder dritte Einwohner hat heute einen Migrationshintergrund. Knapp 3,3 Millionen Ausländer lebten Ende 2025 in NRW, vor allem Türken, auch Ukrainer und Syrer. Die Einbürgerungszahl steigt. 2025 waren es 76.156 – Höchststand seit 2000. 

    F wie Fußball: Borussia Dortmund, Schalke 04, 1. FC Köln, Borussia Mönchengladbach, Bayer Leverkusen und der SC Paderborn: Sie alle sind in der Saison 2026/2027 in der obersten deutschen Fußballliga vertreten. In keinem anderen Bundesland spielt Fußball eine so große Rolle. In keinem gibt es so viele Traditionsvereine, Spielerlegenden und so große Derbys. Ab sofort steht nach dem Aufstieg des FC Schalke nach drei Jahren Pause auch wieder der Klassiker überhaupt auf dem Spielplan. Anfang Dezember ist der BVB zu Gast bei den Königsblauen in Gelsenkirchen. 

    G wie Gelsenkirchener Barock: Was ist das eigentlich? Ursprünglich handelt es sich um wuchtige Wohnküchenschränke, die im Ruhrgebiet bei Stahlarbeitern und Bergleuten beliebt waren und als Ausdruck von Wohlstand und sogar etwas Luxus galten, schreibt der Landtag NRW in einem Sonderheft. Heute wird die Bezeichnung eher ironisch für spießiges, kitschiges und altmodisches Mobiliar verwendet. Es handelt sich jedenfalls nicht um einen Begriff der Kunst- oder Designgeschichte.

    H wie Heimliche Gewinner: Mit etwa 150 eher im Verborgenen arbeitenden Unternehmen der Weltspitze etwa in den Bereichen Elektrotechnik, Automobilzulieferung, Maschinenbau und zahllosen anderen Branchen hat NRW eine besonders hohe Dichte sogenannter Hidden Champions. Diese erfolgreichen Unternehmen stellen Produkte her, die viele brauchen und wenige kennen. So kommen einige, liebevoll Steckerkönige genannt, aus Ostwestfalen oder dem kleinsten Landesteil Lippe. Wer sein E-Auto lädt, verbindet oft mit Produkten dieser Hersteller die Ladesäule mit seinem Fahrzeug. 

    I wie Industriekultur: Die Extra-Schicht ist eine Veranstaltung im Ruhrgebiet, bei der die Besucher von einem Veranstaltungsort zum nächsten pilgern – zu Zechen, ehemaligen Stahlwerke oder auf Halden. Dabei sind diese Orte ganzjährige Anziehungspunkte, auch für Touristen aus dem Ausland. Zeche Zollverein ist Weltkulturerbe und der Landschaftspark Nord in Duisburg bietet Kultur, Sport und Führungen in sehr luftigen Höhen. 

    J wie Jupiter: Am Forschungszentrum Jülich steht der schnellste europäische Supercomputer. Er soll mit seiner Rechenleistung besonders bei Klimaforschung und der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz helfen. Jupiter kann pro Sekunde mindestens eine Trillion – das ist eine Eins mit 18 Nullen – Rechenoperationen ausführen. Diese Zahl ist für unser Gehirn nicht zu begreifen. Daher ein Vergleich: Eine Million moderne Smartphones kommen bei einem gleichzeitigen Betrieb auf eine vergleichbare Rechenleistung.

    K wie Klischees: Der Rheinländer ist kontaktfreudig, nimmt es nicht immer so genau und ist gelegentlich zu blauäugig. Der Westfale ist stur, fleißig, redet nicht viel, aber ist sehr treu, wenn er einen erst einmal ins Herz geschlossen hat. Im Ruhrgebiet ist man geradeheraus, gelegentlich ruppig. Die Lipper sind geizig. Es ist wie immer mit Klischees – sie sind heillos übertrieben, nie ohne Ausnahme und haben doch einen wahren Kern.

    L wie Landesteile: NRW ist als großes Gesamtkunstwerk eine Erfindung der Briten. Die Landesteile unterstreichen mitunter bis heute und mit Verve ihren Charakter. Man sollte sich grob merken: Nordrhein-Westfalen heißt Nordrhein-Westfalen, weil es aus dem Rheinland und Westfalen besteht. Spezialisten wissen noch Lippe zu erkennen, den dritten Landesteil.

    M wie Mond: Der befindet sich in Köln. Wer zum Mond fahren möchte, sollte in den Planitzweg 2 fahren. Dort befindet sich das «Mondzentrum Luna», ein gemeinsames Projekt des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Es spielt eine zentrale Rolle bei der Vorbereitung künftiger Mondmissionen. Besucherinnen und Besucher können durch ein großes Fenster einen Blick auf die rund 700 Quadratmeter große Mondlandschaft unter ihnen werfen. Sie sehen das Modell einer Mondlandefähre, Felsbrocken, Krater – und etwa 900 Tonnen Staub. Der Staub wurde aus Basalt hergestellt und stammt aus einem Steinbruch im Rhein-Sieg-Kreis. Er soll dem Original-Mondstaub sehr ähnlich sein.

    N wie Nationalpark Eifel: Er war der Erste seiner Art in Nordrhein-Westfalen und ist bislang auch der Einzige: Im Nationalpark Eifel sind nach Angaben der Verwaltung bereits mehr als 11.200 Arten nachgewiesen worden. Davon stehen etwa 2.600 als bedrohte Arten auf Roten Listen. Der 22 Jahre alte Nationalpark ganz im Südwesten des Landes, an der Grenze zur Niederlande und zu Belgien, gilt als Vorbild in Sachen sanfter Tourismus – damit bezeichnet man eine bewusst nachhaltige Form des Reisens. Regelmäßig besuchen den Nationalpark pro Jahr mehr eine Million Gäste.

    O wie Ostwestfalen/Lippe: Wer von Berlin in Richtung Ruhrgebiet fährt (oder umgekehrt), kommt auf der A2 vor den Höhen des Teutoburger Waldes an dieser Autobahnabfahrt vorbei. Aber eigentlich ist die Bezeichnung ein Unding, denn kaum ein Landesteil legt so großen Wert auf seine Selbstständigkeit: Die stolzen Lipper sind Lipper und keine Ostwestfalen. Und wenn wir ganz streng sind, feiern die Lipper diesen 80. Geburtstag nicht mit. Bei der «Operation Marriage», wie die Zusammenführung von Rheinland und Westfalen vor 80 Jahren durch die Briten genannt wurde, waren die Menschen rund um Detmold, Lemgo und Blomberg noch nicht dabei. Sie hatten die Wahl zwischen Niedersachsen und NRW und entschieden sich erst ein Jahr später für uns. 

    P wie Pferde: Das springende Westfalen-Ross im Landeswappen ist kein Zufall: NRW ist Pferdeland, auch im Rheinland. Wer mit dem Rad durch die Landschaft fährt, rollt nicht nur im Münsterland, sondern auch am Niederrhein und anderen Landesteilen immer wieder an Pferdekoppeln vorbei. Mit dem Landesgestüt in Warendorf leistet sich NRW sogar eine eigene Zucht, die in diesem Jahr 200 Jahre alt wird. 

    Nach Dülmen ins Naturschutzgebiet Merfelder Bruch zieht es jedes Jahr am letzten Maiwochenende rund 20.000 Pferdefans, wenn dort die Hengste aus einer wilden Herde eingefangen werden. Und mit dem CHIO – die Abkürzung steht für Concours Hippique International Officiel – wird in Aachen jährlich das Weltfest des Pferdesports zelebriert – in diesem Jahr sogar als Weltmeisterschaft. 

    Q wie Quadrat: Das Bottroper Quadrat feiert in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag. Das Museum verdankt seinen Namen einem Künstler, der 1888 in der Ruhrgebietsstadt geboren wurde. Josef Albers vermachte 1970 seine Werke der Revierstadt, als er ihr Ehrenbürger wurde. Die Sammlung hat heute 350 Werke und ist damit weltweit die größte öffentlich zugängliche. Wer die Dauerausstellung sehen will, muss keinen Eintritt zahlen. Der 1976 in New Haven im US-Bundesstaat Connecticut gestorbene Albers wurde durch Farben und oft ineinander verschachtelte Quadrate bekannt.

    R wie Rothaarsteig: Der Wanderweg von Brilon nach Dillenburg in Hessen mit einer Länge von fast 160 Kilometern zählt zu den spektakulärsten Routen für Wanderer in unserem Bundesland und steht exemplarisch für andere schöne NRW-Strecken. Wer sich an die Tourenvorgabe hält, kommt am Ende auf 97 Stunden mit 2.893 Höhenmetern und 3.123 Metern auf den Abstiegen. Je nach Leistungsfähigkeit geben die Macher sechs, acht oder auch zwölf Etappen vor. Höhepunkt sind der rund 842 Meter hohe Kahle Asten oder zuvor Willingen in Hessen mit dem spektakulären Skywalk. Vergleichbare Wanderrouten gibt es mit dem Eifelsteig (313 Kilometer) oder dem 224 Kilometer langen Hermannsweg, der das nördliche Münsterland mit dem Teutoburger Wald bis nach Marsberg verbindet.

    S wie Stahl: … und Kohle. Oder andersherum: NRW stand lange für Kohle und Stahl. Die Steinkohle ist längst Geschichte, die letzte Zeche geschlossen (siehe Buchstabe Z). Aber Stahl wird noch in unserem Land produziert. Allerdings ist die Branche mächtig unter Druck. Die Produktion erzeugt viel klimaschädliches CO2 und die benötigte Elektrizität ist teuer. So stehen wichtige Investitionen in sogenannten Grünen Stahl an. Thyssenkrupp Steel Europe (TKSE) baut derzeit für drei Milliarden Euro eine neue Anlage zur Stahlerzeugung, die einen Hochofen ersetzen soll. Zuerst wird sie mit Gas, später mit klimafreundlichem Wasserstoff betrieben. 

    T wie «Tief im Westen»: Dort liegt nicht nur das vom berühmten NRW-Sohn Herbert Grönemeyer besungene Bochum, sondern die gesamte Metropolregion Rhein/Ruhr – einem der größten Ballungsräume Europas. «Keine Schönheit/vor Arbeit ganz grau» passt dem Strukturwandel zum Trotz noch immer irgendwie, denn es wird malocht: In NRW wird das bundesweit größte Bruttoinlandsprodukt erwirtschaftet. 2025 waren das 909 Milliarden Euro. Wäre NRW ein eigener Staat, spielte unser Land in einer Liga mit den Niederlanden, der Schweiz oder Saudi-Arabien. 

    U wie Unternehmen: Das Rückgrat des Industrielandes sind kleine und mittelständische Unternehmen. Außerdem ist die Dichte an Familienunternehmen hoch – auch in der Gruppe der Global Player: So sind etwa die Handelsriesen Aldi und Metro ebenso wie der Lebensmittelkonzern Oetker, der Medienkonzern Bertelsmann oder das Konsumgüter-Unternehmen Henkel in Familienhand. 11 der 40 im deutschen Aktienindex Dax gelisteten Konzerne kommen aus NRW. 

    V wie Vogelschießen: Wer Schützenkönig werden will, muss beim Schießen den Vogel von der Stange holen. Der Brauch steht im Zentrum vieler traditioneller Schützenfeste, schließlich darf sich derjenige, der das in großer Höhe befestigte Holztier abschießt, ein Jahr lang König nennen – mit allen dazugehörigen Ehren wie Umzügen, Blasmusik-Ständchen und Paraden. Für viele Dorf- und Kleinstadtbewohner sind die geselligen Feste mit ihren Ritualen identitätsstiftende Jahreshöhepunkte. Hannover in Niedersachsen und Neuss in NRW streiten sich darum, wer das weltweit größte Schützenfest ausrichtet. Die Niedersachsen bringen 10.000 Teilnehmer beim Ausmarsch auf die Straße, in Neuss sind es 7.700. Aber Neuss reklamiert dennoch den Welttitel für sich, weil es im Gegensatz zu Hannover nur von einem Schützenverein organisiert wird.

    W wie Winterwunderland: Skifahren im Sauerland rund um Winterberg und Altastenberg – das ist nicht nur bei uns NRWlern beliebt, sondern auch bei unseren niederländischen Nachbarn. Dem Klimawandel zum Trotz werfen die Betreiber der Skikarussells ihre Schneekanonen an. Im vergangenen Winter kam noch bestes Wetter mit ordentlich Neuschnee dazu. Anfang des Jahres waren 39 Lifte für die Skifahrer geöffnet und sieben Lifte für die Rodelbahnen. Auf 37 Pistenkilometern konnten sich die Winterfreunde austoben. Negativ ist dabei, dass vor Winterberg besonders an den Wochenenden die Zufahrtsstraßen völlig verstopft sind.

    X wie Xatar: Der Rapper nahm mitten im Bonner Problemviertel Brüser Berg als Giwar Hajabi seine ersten Songs auf, bevor er als Xatar zu einer nationalen Rap-Ikone wurde. 2025 starb der im Iran geborene Kurde völlig überraschend im Alter von nur 43 Jahren in Köln. Die ARD widmete dem Musiker und Produzenten eine dreiteilige Dokumentation «XATAR – Ein Leben ist nicht genug». Sie ist noch in der ARD-Mediathek abrufbar.

    Y wie «Yes we can»: Das Ruhrgebiet hat heute wieder gute Luft und blauen Himmel. Die letzte Zeche ist längst geschlossen, das Revier hat einen Transformationsprozess durchlaufen. Nun ist das rheinische Braunkohlerevier an der Reihe. Dort sollen in den tiefen Löchern Seen für die Naherholung entstehen. Bis 2030 will NRW aus der Kohleverstromung aussteigen. Ob das klappt?

    Z wie Zechen: In Bottrop wurde 2018 die letzte Steinkohle in NRW abgebaut. Der letzte geförderte schwarze Klumpen liegt heute im Haus der Geschichte in Bonn. Zu sehen sind die letzten Spuren wie Fördertürme oder Waschkauen noch an vielen Stellen im Revier. Oft werden sie als Museen, Büroflächen für Start-ups oder Forschungslabore genutzt. 

    Sinnbildlich dafür steht die Zeche Zollverein in Essen, heute eine Unesco-Welterbestätte. Zollverein war einst die größte Steinkohlenzeche der Welt und hat die 80-jährige Landesgeschichte mitgeprägt. Kohle und Stahl (siehe auch Buchstabe S) waren nach dem Krieg zentral für den Wiederaufbau des zerstörten und verarmten Westens, sie heizten später das Wirtschaftswunder an. Der Abbau des schwarzen Goldes jedoch wurde bereits vor Jahrzehnten immer unwirtschaftlicher. An die Stelle der Montanindustrie traten immer öfter der Bildungs- und Dienstleistungssektor.

  • Von A wie Autobahn bis Z wie Zeche: Was ist typisch NRW?

    Am 23. August feiert Nordrhein-Westfalen Geburtstag. Das Land wird an diesem Sonntag 80 Jahre alt. Die große Feier steigt eine Woche später in Münster. Doch was ist eigentlich typisch für dieses Bindestrich-Bundesland mit seinen unterschiedlichen Menschen, Landstrichen und Eigenarten? Die Deutsche Presse-Agentur hat das Land zwischen Rhein, Ruhr und Weser einmal durchbuchstabiert:

    A wie Autobahnen: Mehr als 2.200 Kilometer Autobahn durchziehen NRW. Täglich pendeln Millionen von A nach B – und das bei reichlich Baustellen und reichlich europäischem Lastwagen-Verkehr. Das Bundesland ist ein bedeutendes Transitland und trägt deshalb auch weiterhin den unrühmlichen Titel «Stauland Nr. 1». Warum? Der ADAC hat gezählt: 35 Prozent der Staustunden in ganz Deutschland entfielen im Jahr 2025 auf unser Bundesland. Mit weitem Abstand folgen mit 13 Prozent Bayern und Baden-Württemberg mit 10 Prozent. Den Spitzenplatz hält dabei die A3 von Köln nach Oberhausen mit 12.424 Staustunden, gefolgt von der A42 im Ruhrgebiet mit 9.387 Stunden und der A1 von Köln nach Dortmund mit 8.758 Stunden. 

    B wie Büdchen: Der kleine Kiosk an der Ecke ist bis heute ein sozialer Treffpunkt. Wer schnell ’ne Flasche Bier oder Eis für die Kinder braucht, ist hier auch außerhalb der üblichen Ladenöffnungszeiten richtig. Je nach Region tragen die kleinen Verkaufsläden andere Namen. Was dem Berliner der Späti, ist dem Reviermenschen das Büdchen, der Kiosk oder die Trinkhalle. Im Rheinland war der Spruch «Am Büdchen krichse alles!» lange fest im Sprachschatz verankert. 

    C wie Cranger Kirmes und andere Traditionsveranstaltungen: Volksfeste wie die Cranger Kirmes in Herne oder die Rhein-Kirmes in Düsseldorf gehören zur NRW-DNA. Ob Libori in Paderborn, der Send in Münster oder die Allerheiligen Kirmes in Soest, die Zahl der Besucher überschreitet oft die Million-Grenze. Und jedes Angebot hat seine spezielle Geschichte. Libori ist eng verbunden mit einer kirchlichen Tradition und der ältesten europäischen Städtepartnerschaft mit Le Mans in Frankreich. Soest ist die größte Altstadtkirmes Europas. Hier drehen die Fahrgeschäfte sehr nah an den alten Fachwerkhäusern ihre Runden. 

    D wie Discofieber: Der Aachener «Scotch-Club» gilt als erste Diskothek Deutschlands. Als dem damaligen Restaurant 1959 die Gäste ausbleiben, macht Franzkarl Schwendinger daraus ein Tanzlokal. Ihm fehlt das Geld für teure Live-Musik. Daher lässt er Schallplatten aktueller Hits abspielen, wie ein Sonderheft des NRW-Landtags zum 80. Geburtstag des Landes berichtet. 

    E wie Einwanderungsland: NRW hat eine lange Zuwanderungsgeschichte. Im 19. Jahrhundert waren viele Polen ins Ruhrgebiet ausgewandert, seit den 1960er Jahren des wirtschaftlichen Aufschwungs wurden sogenannte Gastarbeiter aus Italien, Griechenland oder der Türkei besonders fürs Ruhrgebiet angeworben. Sie und ihre Nachkommen blieben. Fast jeder dritte Einwohner hat heute einen Migrationshintergrund. Knapp 3,3 Millionen Ausländer lebten Ende 2025 in NRW, vor allem Türken, auch Ukrainer und Syrer. Die Einbürgerungszahl steigt. 2025 waren es 76.156 – Höchststand seit 2000. 

    F wie Fußball: Borussia Dortmund, Schalke 04, 1. FC Köln, Borussia Mönchengladbach, Bayer Leverkusen und der SC Paderborn: Sie alle sind in der Saison 2026/2027 in der obersten deutschen Fußballliga vertreten. In keinem anderen Bundesland spielt Fußball eine so große Rolle. In keinem gibt es so viele Traditionsvereine, Spielerlegenden und so große Derbys. Ab sofort steht nach dem Aufstieg des FC Schalke nach drei Jahren Pause auch wieder der Klassiker überhaupt auf dem Spielplan. Anfang Dezember ist der BVB zu Gast bei den Königsblauen in Gelsenkirchen. 

    G wie Gelsenkirchener Barock: Was ist das eigentlich? Ursprünglich handelt es sich um wuchtige Wohnküchenschränke, die im Ruhrgebiet bei Stahlarbeitern und Bergleuten beliebt waren und als Ausdruck von Wohlstand und sogar etwas Luxus galten, schreibt der Landtag NRW in einem Sonderheft. Heute wird die Bezeichnung eher ironisch für spießiges, kitschiges und altmodisches Mobiliar verwendet. Es handelt sich jedenfalls nicht um einen Begriff der Kunst- oder Designgeschichte.

    H wie Heimliche Gewinner: Mit etwa 150 eher im Verborgenen arbeitenden Unternehmen der Weltspitze etwa in den Bereichen Elektrotechnik, Automobilzulieferung, Maschinenbau und zahllosen anderen Branchen hat NRW eine besonders hohe Dichte sogenannter Hidden Champions. Diese erfolgreichen Unternehmen stellen Produkte her, die viele brauchen und wenige kennen. So kommen einige, liebevoll Steckerkönige genannt, aus Ostwestfalen oder dem kleinsten Landesteil Lippe. Wer sein E-Auto lädt, verbindet oft mit Produkten dieser Hersteller die Ladesäule mit seinem Fahrzeug. 

    I wie Industriekultur: Die Extra-Schicht ist eine Veranstaltung im Ruhrgebiet, bei der die Besucher von einem Veranstaltungsort zum nächsten pilgern – zu Zechen, ehemaligen Stahlwerke oder auf Halden. Dabei sind diese Orte ganzjährige Anziehungspunkte, auch für Touristen aus dem Ausland. Zeche Zollverein ist Weltkulturerbe und der Landschaftspark Nord in Duisburg bietet Kultur, Sport und Führungen in sehr luftigen Höhen. 

    J wie Jupiter: Am Forschungszentrum Jülich steht der schnellste europäische Supercomputer. Er soll mit seiner Rechenleistung besonders bei Klimaforschung und der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz helfen. Jupiter kann pro Sekunde mindestens eine Trillion – das ist eine Eins mit 18 Nullen – Rechenoperationen ausführen. Diese Zahl ist für unser Gehirn nicht zu begreifen. Daher ein Vergleich: Eine Million moderne Smartphones kommen bei einem gleichzeitigen Betrieb auf eine vergleichbare Rechenleistung.

    K wie Klischees: Der Rheinländer ist kontaktfreudig, nimmt es nicht immer so genau und ist gelegentlich zu blauäugig. Der Westfale ist stur, fleißig, redet nicht viel, aber ist sehr treu, wenn er einen erst einmal ins Herz geschlossen hat. Im Ruhrgebiet ist man geradeheraus, gelegentlich ruppig. Die Lipper sind geizig. Es ist wie immer mit Klischees – sie sind heillos übertrieben, nie ohne Ausnahme und haben doch einen wahren Kern.

    L wie Landesteile: NRW ist als großes Gesamtkunstwerk eine Erfindung der Briten. Die Landesteile unterstreichen mitunter bis heute und mit Verve ihren Charakter. Man sollte sich grob merken: Nordrhein-Westfalen heißt Nordrhein-Westfalen, weil es aus dem Rheinland und Westfalen besteht. Spezialisten wissen noch Lippe zu erkennen, den dritten Landesteil.

    M wie Mond: Der befindet sich in Köln. Wer zum Mond fahren möchte, sollte in den Planitzweg 2 fahren. Dort befindet sich das «Mondzentrum Luna», ein gemeinsames Projekt des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Es spielt eine zentrale Rolle bei der Vorbereitung künftiger Mondmissionen. Besucherinnen und Besucher können durch ein großes Fenster einen Blick auf die rund 700 Quadratmeter große Mondlandschaft unter ihnen werfen. Sie sehen das Modell einer Mondlandefähre, Felsbrocken, Krater – und etwa 900 Tonnen Staub. Der Staub wurde aus Basalt hergestellt und stammt aus einem Steinbruch im Rhein-Sieg-Kreis. Er soll dem Original-Mondstaub sehr ähnlich sein.

    Düsseldorf (dpa/lnw) – Am 23. August feiert Nordrhein-Westfalen Geburtstag. Das Land wird an diesem Sonntag 80 Jahre alt. Die große Feier steigt dann eine Woche später in Münster. Doch was ist eigentlich typisch für dieses Bindestrich-Bundesland mit seinen unterschiedlichen Menschen, Landstrichen und Eigenarten? Die Deutsche Presse-Agentur hat das Land zwischen Rhein, Ruhr und Weser einmal durchbuchstabiert. Hier Teil 2 von N bis Z:

    N wie Nationalpark Eifel: Er war der Erste seiner Art in Nordrhein-Westfalen und ist bislang auch der Einzige: Im Nationalpark Eifel sind nach Angaben der Verwaltung bereits mehr als 11.200 Arten nachgewiesen worden. Davon stehen etwa 2.600 als bedrohte Arten auf Roten Listen. Der 22 Jahre alte Nationalpark ganz im Südwesten des Landes, an der Grenze zur Niederlande und zu Belgien, gilt als Vorbild in Sachen sanfter Tourismus – damit bezeichnet man eine bewusst nachhaltige Form des Reisens. Regelmäßig besuchen den Nationalpark pro Jahr mehr eine Million Gäste.

    O wie Ostwestfalen/Lippe: Wer von Berlin in Richtung Ruhrgebiet fährt (oder umgekehrt), kommt auf der A2 vor den Höhen des Teutoburger Waldes an dieser Autobahnabfahrt vorbei. Aber eigentlich ist die Bezeichnung ein Unding, denn kaum ein Landesteil legt so großen Wert auf seine Selbstständigkeit: Die stolzen Lipper sind Lipper und keine Ostwestfalen. Und wenn wir ganz streng sind, feiern die Lipper diesen 80. Geburtstag nicht mit. Bei der «Operation Marriage», wie die Zusammenführung von Rheinland und Westfalen vor 80 Jahren durch die Briten genannt wurde, waren die Menschen rund um Detmold, Lemgo und Blomberg noch nicht dabei. Sie hatten die Wahl zwischen Niedersachsen und NRW und entschieden sich erst ein Jahr später für uns. 

    P wie Pferde: Das springende Westfalen-Ross im Landeswappen ist kein Zufall: NRW ist Pferdeland, auch im Rheinland. Wer mit dem Rad durch die Landschaft fährt, rollt nicht nur im Münsterland, sondern auch am Niederrhein und anderen Landesteilen immer wieder an Pferdekoppeln vorbei. Mit dem Landesgestüt in Warendorf leistet sich NRW sogar eine eigene Zucht, die in diesem Jahr 200 Jahre alt wird. 

    Nach Dülmen ins Naturschutzgebiet Merfelder Bruch zieht es jedes Jahr am letzten Maiwochenende rund 20.000 Pferdefans, wenn dort die Hengste aus einer wilden Herde eingefangen werden. Und mit dem CHIO – die Abkürzung steht für Concours Hippique International Officiel – wird in Aachen jährlich das Weltfest des Pferdesports zelebriert – in diesem Jahr sogar als Weltmeisterschaft. 

    Q wie Quadrat: Das Bottroper Quadrat feiert in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag. Das Museum verdankt seinen Namen einem Künstler, der 1888 in der Ruhrgebietsstadt geboren wurde. Josef Albers vermachte 1970 seine Werke der Revierstadt, als er ihr Ehrenbürger wurde. Die Sammlung hat heute 350 Werke und ist damit weltweit die größte öffentlich zugängliche. Wer die Dauerausstellung sehen will, muss keinen Eintritt zahlen. Der 1976 in New Haven im US-Bundesstaat Connecticut gestorbene Albers wurde durch Farben und oft ineinander verschachtelte Quadrate bekannt.

    R wie Rothaarsteig: Der Wanderweg von Brilon nach Dillenburg in Hessen mit einer Länge von fast 160 Kilometern zählt zu den spektakulärsten Routen für Wanderer in unserem Bundesland und steht exemplarisch für andere schöne NRW-Strecken. Wer sich an die Tourenvorgabe hält, kommt am Ende auf 97 Stunden mit 2.893 Höhenmetern und 3.123 Metern auf den Abstiegen. Je nach Leistungsfähigkeit geben die Macher sechs, acht oder auch zwölf Etappen vor. Höhepunkt sind der rund 842 Meter hohe Kahle Asten oder zuvor Willingen in Hessen mit dem spektakulären Skywalk. Vergleichbare Wanderrouten gibt es mit dem Eifelsteig (313 Kilometer) oder dem 224 Kilometer langen Hermannsweg, der das nördliche Münsterland mit dem Teutoburger Wald bis nach Marsberg verbindet.

    S wie Stahl: … und Kohle. Oder andersherum: NRW stand lange für Kohle und Stahl. Die Steinkohle ist längst Geschichte, die letzte Zeche geschlossen (siehe Buchstabe Z). Aber Stahl wird noch in unserem Land produziert. Allerdings ist die Branche mächtig unter Druck. Die Produktion erzeugt viel klimaschädliches CO2 und die benötigte Elektrizität ist teuer. So stehen wichtige Investitionen in sogenannten Grünen Stahl an. Thyssenkrupp Steel Europe (TKSE) baut derzeit für drei Milliarden Euro eine neue Anlage zur Stahlerzeugung, die einen Hochofen ersetzen soll. Zuerst wird sie mit Gas, später mit klimafreundlichem Wasserstoff betrieben. 

    T wie «Tief im Westen»: Dort liegt nicht nur das vom berühmten NRW-Sohn Herbert Grönemeyer besungene Bochum, sondern die gesamte Metropolregion Rhein/Ruhr – einem der größten Ballungsräume Europas. «Keine Schönheit/vor Arbeit ganz grau» passt dem Strukturwandel zum Trotz noch immer irgendwie, denn es wird malocht: In NRW wird das bundesweit größte Bruttoinlandsprodukt erwirtschaftet. 2025 waren das 909 Milliarden Euro. Wäre NRW ein eigener Staat, spielte unser Land in einer Liga mit den Niederlanden, der Schweiz oder Saudi-Arabien. 

    U wie Unternehmen: Das Rückgrat des Industrielandes sind kleine und mittelständische Unternehmen. Außerdem ist die Dichte an Familienunternehmen hoch – auch in der Gruppe der Global Player: So sind etwa die Handelsriesen Aldi und Metro ebenso wie der Lebensmittelkonzern Oetker, der Medienkonzern Bertelsmann oder das Konsumgüter-Unternehmen Henkel in Familienhand. 11 der 40 im deutschen Aktienindex Dax gelisteten Konzerne kommen aus NRW. 

    V wie Vogelschießen: Wer Schützenkönig werden will, muss beim Schießen den Vogel von der Stange holen. Der Brauch steht im Zentrum vieler traditioneller Schützenfeste, schließlich darf sich derjenige, der das in großer Höhe befestigte Holztier abschießt, ein Jahr lang König nennen – mit allen dazugehörigen Ehren wie Umzügen, Blasmusik-Ständchen und Paraden. Für viele Dorf- und Kleinstadtbewohner sind die geselligen Feste mit ihren Ritualen identitätsstiftende Jahreshöhepunkte. Hannover in Niedersachsen und Neuss in NRW streiten sich darum, wer das weltweit größte Schützenfest ausrichtet. Die Niedersachsen bringen 10.000 Teilnehmer beim Ausmarsch auf die Straße, in Neuss sind es 7.700. Aber Neuss reklamiert dennoch den Welttitel für sich, weil es im Gegensatz zu Hannover nur von einem Schützenverein organisiert wird.

    W wie Winterwunderland: Skifahren im Sauerland rund um Winterberg und Altastenberg – das ist nicht nur bei uns NRWlern beliebt, sondern auch bei unseren niederländischen Nachbarn. Dem Klimawandel zum Trotz werfen die Betreiber der Skikarussells ihre Schneekanonen an. Im vergangenen Winter kam noch bestes Wetter mit ordentlich Neuschnee dazu. Anfang des Jahres waren 39 Lifte für die Skifahrer geöffnet und sieben Lifte für die Rodelbahnen. Auf 37 Pistenkilometern konnten sich die Winterfreunde austoben. Negativ ist dabei, dass vor Winterberg besonders an den Wochenenden die Zufahrtsstraßen völlig verstopft sind.

    X wie Xatar: Der Rapper nahm mitten im Bonner Problemviertel Brüser Berg als Giwar Hajabi seine ersten Songs auf, bevor er als Xatar zu einer nationalen Rap-Ikone wurde. 2025 starb der im Iran geborene Kurde völlig überraschend im Alter von nur 43 Jahren in Köln. Die ARD widmete dem Musiker und Produzenten eine dreiteilige Dokumentation «XATAR – Ein Leben ist nicht genug». Sie ist noch in der ARD-Mediathek abrufbar.

    Y wie «Yes we can»: Das Ruhrgebiet hat heute wieder gute Luft und blauen Himmel. Die letzte Zeche ist längst geschlossen, das Revier hat einen Transformationsprozess durchlaufen. Nun ist das rheinische Braunkohlerevier an der Reihe. Dort sollen in den tiefen Löchern Seen für die Naherholung entstehen. Bis 2030 will NRW aus der Kohleverstromung aussteigen. Ob das klappt?

    Z wie Zechen: In Bottrop wurde 2018 die letzte Steinkohle in NRW abgebaut. Der letzte geförderte schwarze Klumpen liegt heute im Haus der Geschichte in Bonn. Zu sehen sind die letzten Spuren wie Fördertürme oder Waschkauen noch an vielen Stellen im Revier. Oft werden sie als Museen, Büroflächen für Start-ups oder Forschungslabore genutzt. 

    Sinnbildlich dafür steht die Zeche Zollverein in Essen, heute eine Unesco-Welterbestätte. Zollverein war einst die größte Steinkohlenzeche der Welt und hat die 80-jährige Landesgeschichte mitgeprägt. Kohle und Stahl (siehe auch Buchstabe S) waren nach dem Krieg zentral für den Wiederaufbau des zerstörten und verarmten Westens, sie heizten später das Wirtschaftswunder an. Der Abbau des schwarzen Goldes jedoch wurde bereits vor Jahrzehnten immer unwirtschaftlicher. An die Stelle der Montanindustrie traten immer öfter der Bildungs- und Dienstleistungssektor.