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  • Ein Jahr Trump: Wie US-Zölle die deutsche Wirtschaft treffen

    Ob aus Gründen der «nationalen Sicherheit» oder als Strafmaßnahme: Kaum ein Druckmittel war und ist für US-Präsident Donald Trump so wichtig wie Zölle, die er wiederholt als sein «Lieblingswort» bezeichnete. Gegen die EU, China, Brasilien oder Kanada: Im ersten Jahr seiner zweiten Amtszeit spielten Zölle eine wesentliche Rolle. 

    Und das ganz aktuell auch im Grönland-Konflikt: Trump kündigte am Samstag Zölle gegen Deutschland sowie Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande und Finnland an. Sie würden zunächst ab dem 1. Februar 10 Prozent auf sämtliche Waren betragen. Ab 1. Juni sollen sie auf 25 Prozent klettern. Dieser Zoll sei fällig, bis eine Einigung über den «vollständigen und umfassenden Kauf Grönlands» erzielt sei. 

    Trump besteht darauf, dass die ressourcenreiche Arktisinsel wegen der nationalen Sicherheit in den Besitz der USA übergehen müsse. Die Ankündigung Trumps kam nur kurz vor Unterzeichnung des Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur, der den Abbau von Zollbarrieren vorsieht. 

    Ein Jahr nach Trumps Amtsantritt wird klar, dass die Negativfolgen für die deutsche Wirtschaft von Dauer sind. Zwar haben sich die EU und die USA im Sommer 2025 auf ein Abkommen geeinigt, das für die meisten EU-Importe einen Zollsatz von 15 Prozent vorsieht. Doch Brüssel musste große Zugeständnisse machen – etwa den zollfreien Import von amerikanischen Autos nach Europa. 

    Das Ifo-Institut rechnet mit jahrelangen Belastungen für die deutsche Wirtschaft. Eine Bilanz, wie sich Trumps Zölle bereits heute auswirken. 

    Dauer-Schock für die Konjunktur 

    «Die US-Zölle sind ein negativer Schock für die deutsche Wirtschaft und treffen sie gleich dreifach», sagte Lisandra Flach, Leiterin des Ifo-Zentrums für Außenwirtschaft. «Erstens, weil Deutschland weniger in die USA exportiert und zweitens, weil die Zölle Chinas Wirtschaft treffen und damit die Nachfrage nach deutschen Waren sinkt. Drittens, weil China wegen Trumps Zöllen nach neuen Märkten sucht und Waren verstärkt nach Europa umgelenkt werden, was Deutschland Konkurrenz macht.» 

    Schwere Last für Exporteure 

    Die hohen US-Zölle treffen die deutschen Exporteure auf ihrem wichtigsten Exportmarkt. Das Geschäft mit den Vereinigten Staaten, in die 2024 deutsche Waren im Wert von 161 Milliarden Euro gingen, ist im vergangenen Jahr eingebrochen, im November lag es laut Statistischem Bundesamt sogar um fast ein Viertel unter Vorjahresniveau. Der Rückgang im US-Geschäft lastet schwer auf dem gesamten deutschen Export, der 2025 das dritte Jahr in Folge schrumpfte. Von ihm hängt fast jeder vierte Arbeitsplatz in Deutschland ab. 

    Die Zölle unter Trump dämpften dem Ifo zufolge das Wachstum der deutschen Wirtschaft 2025 um 0,3 Prozentpunkte, dieses Jahr sollen es 0,6 Prozentpunkte sein. Das klingt wenig, entspricht aber etwa dem Effekt, den das Ifo aus den riesigen Staatsausgaben für Infrastruktur und Verteidigung sowie weiterer Entlastung für die Wirtschaft erwartet. Als wäre das nicht genug, hat der Dollar seit Trumps Amtsantritt kräftig an Wert verloren, was deutsche Waren auf den Weltmärkten verteuert. 

    Autobranche leidet 

    Gerade die deutsche Autobranche wird von Trumps Zöllen belastet. Die USA zählen traditionell zu den wichtigsten Auslandsmärkten, vor allem für Porsche, BMW und Mercedes. Und die Zölle trafen die Branche härter und früher als andere: Zunächst mit 27,5 Prozent, die im August nach dem Deal mit der EU auf 15 Prozent sanken. Das ist aber immer noch sechsmal so viel wie die 2,5 Prozent, die vorher galten. 

    In der Folge brach der Auto-Export aus Deutschland in die USA ein. «Trump hat die Autoindustrie in Deutschland und in Europa massiv getroffen», sagt Autoexperte Stefan Bratzel. Mit seinen Zöllen verstärke er den Trend, dass Autos immer mehr da gebaut werden, wo sie verkauft werden. «Für unsere exportorientierte Autoindustrie ist das ein völliges Erodieren ihres klassischen Geschäftsmodells. Für die Arbeitsplätze in Europa, in Deutschland, ist das natürlich Gift.» 

    Maschinenbau und Stahl unter Druck 

    Besonders hoch sind die US-Zölle auf Stahl mit 50 Prozent. In den ersten zehn Monaten 2025 sind die Stahlexporte in die USA nach Branchenangaben um elf Prozent zum Vorjahreszeitraum geschrumpft. Die Stahlzölle berechnen die Amerikaner zudem auf den Stahlanteil in Maschinen, was den deutschen Maschinenbau belastet. Dort ist die Produktion laut Branchenverband VDMA das dritte Jahr nacheinander geschrumpft, die Folge sind Jobabbau und Kurzarbeit in vielen Betrieben. 

    Nur wenige Ausnahmen 

    Nur wenige Bereichen bleiben von Trumps Zöllen verschont, sagt Ifo-Ökonomin Flach. Ausnahmen seien etwa Dienstleister, da sie nicht betroffen seien, und der deutsche Agrarsektor. Er profitiere von Vorteilen im Handel mit China, da US-Produkte mit dem Zollstreit zwischen den beiden Großmächten teurer geworden seien. «Diese beiden Effekte auf die deutsche Wirtschaft sind aber minimal.» 

    Folgen für Patienten? 

    Da Trump die Arzneipreise in den USA senken will, hat er auch den Gesundheitsmarkt ins Visier genommen. Als Zugeständnis haben eine Reihe von Pharmakonzernen angekündigt, Milliarden in den USA zu investieren und Arzneien mit Rabatt über den von Trump initiierten Direktvertrieb «TrumpRX» zu verkaufen. 

    Doch müssen Arzneihersteller die Preise im lukrativen US-Markt senken, dürften sie versuchen, höhere Preise woanders durchzusetzen. Kurzfristige Preissprünge in Deutschland sind aber nicht zu erwarten, denn der Markt für verschreibungspflichtige Medikamente ist streng reguliert und viele Lieferverträge sind langfristig angelegt. 

    Konzerne knicken vor Trump ein 

    Einige Unternehmen haben auf Trumps Druck reagiert. So sagte der Pharmakonzern Merck zu, Behandlungen für künstliche Befruchtungen in den USA deutlich günstiger anzubieten. Im Gegenzug soll der Dax-Konzern von Pharmazöllen befreit bleiben. Bedingung ist, dass er in die Produktion und Forschung in Amerika investiert. Einem ähnlichen Abkommen mit der Trump-Regierung schloss sich kürzlich Boehringer Ingelheim an. Auch VW-Chef Oliver Blume mühte sich um einen Deal mit den USA – und lockte mit Investitionen.

    Was die Zölle den USA bringen 

    Die Zölle auf Importe aus aller Welt bringen den USA riesige Einnahmen. Sie liegen nach Angaben des Weißen Hauses bei umgerechnet rund 200 Milliarden Euro. Damit bleibt die Summe hinter Erwartungen zurück: Im Juli hatte US-Finanzminister Scott Bessent noch 300 Milliarden Dollar bis Jahresende in Aussicht gestellt. 

    Wo neue Zölle drohen 

    Auch wenn es einen Deal mit der EU gibt: Vor Trumps wankelmütiger Zollpolitik kann sich kaum eine Branche sicher fühlen. Bangen müssen etwa Hersteller von Polstermöbeln, Küchenschränken und Waschtischen. Trump hatte zunächst eine Zollerhöhung für den 1. Januar 2026 angepeilt, diese aber an Silvester um ein Jahr verschoben.

    Funkt das oberste US-Gericht Trump dazwischen? 

    Aber nicht alle in den USA sind von Trumps Zöllen angetan. Jene, die Trump unter Berufung auf ein Notstandsgesetz von 1977 gegen Dutzende Handelspartner verhängte, werden vor dem Obersten Gericht der USA verhandelt. Die Frage ist, ob Trump seine Kompetenz überschritten hat. 

    Dabei geht es auch um die Zölle auf EU-Produkte, die in die USA exportiert werden. Eine Entscheidung des Supreme Court steht noch aus. Unklar ist, welchen konkreten Einfluss der Prozessausgang auf den Zolldeal zwischen EU und USA hat – etwa, ob die US-Zölle dann gekippt werden könnten. 

    Selbst wenn der Supreme Court gegen Trump entscheide, bedeute das aber nicht zwingend das Ende seiner Zollpolitik, meint Adam Hersh, Ökonom am Economic Policy Institute in Washington. Denn Trump habe noch andere gesetzgeberische Wege, um Zölle durchzusetzen – auch weiter ohne Zustimmung des Kongresses.

  • Ein Jahr Trump: Wie US-Zölle die deutsche Wirtschaft treffen

    Ob aus Gründen der «nationalen Sicherheit» oder als Strafmaßnahme: Kaum ein Druckmittel war und ist für US-Präsident Donald Trump so wichtig wie Zölle, die er wiederholt als sein «Lieblingswort» bezeichnete. Gegen die EU, China, Brasilien oder Kanada: Im ersten Jahr seiner zweiten Amtszeit spielten Zölle eine wesentliche Rolle. 

    Und das ganz aktuell auch im Grönland-Konflikt: Trump kündigte am Samstag Zölle gegen Deutschland sowie Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande und Finnland an. Sie würden zunächst ab dem 1. Februar 10 Prozent auf sämtliche Waren betragen. Ab 1. Juni sollen sie auf 25 Prozent klettern. Dieser Zoll sei fällig, bis eine Einigung über den «vollständigen und umfassenden Kauf Grönlands» erzielt sei. 

    Trump besteht darauf, dass die ressourcenreiche Arktisinsel wegen der nationalen Sicherheit in den Besitz der USA übergehen müsse. Die Ankündigung Trumps kam nur kurz vor Unterzeichnung des Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur, der den Abbau von Zollbarrieren vorsieht. 

    Ein Jahr nach Trumps Amtsantritt wird klar, dass die Negativfolgen für die deutsche Wirtschaft von Dauer sind. Zwar haben sich die EU und die USA im Sommer 2025 auf ein Abkommen geeinigt, das für die meisten EU-Importe einen Zollsatz von 15 Prozent vorsieht. Doch Brüssel musste große Zugeständnisse machen – etwa den zollfreien Import von amerikanischen Autos nach Europa. 

    Das Ifo-Institut rechnet mit jahrelangen Belastungen für die deutsche Wirtschaft. Eine Bilanz, wie sich Trumps Zölle bereits heute auswirken. 

    Dauer-Schock für die Konjunktur 

    «Die US-Zölle sind ein negativer Schock für die deutsche Wirtschaft und treffen sie gleich dreifach», sagte Lisandra Flach, Leiterin des Ifo-Zentrums für Außenwirtschaft. «Erstens, weil Deutschland weniger in die USA exportiert und zweitens, weil die Zölle Chinas Wirtschaft treffen und damit die Nachfrage nach deutschen Waren sinkt. Drittens, weil China wegen Trumps Zöllen nach neuen Märkten sucht und Waren verstärkt nach Europa umgelenkt werden, was Deutschland Konkurrenz macht.» 

    Schwere Last für Exporteure 

    Die hohen US-Zölle treffen die deutschen Exporteure auf ihrem wichtigsten Exportmarkt. Das Geschäft mit den Vereinigten Staaten, in die 2024 deutsche Waren im Wert von 161 Milliarden Euro gingen, ist im vergangenen Jahr eingebrochen, im November lag es laut Statistischem Bundesamt sogar um fast ein Viertel unter Vorjahresniveau. Der Rückgang im US-Geschäft lastet schwer auf dem gesamten deutschen Export, der 2025 das dritte Jahr in Folge schrumpfte. Von ihm hängt fast jeder vierte Arbeitsplatz in Deutschland ab. 

    Die Zölle unter Trump dämpften dem Ifo zufolge das Wachstum der deutschen Wirtschaft 2025 um 0,3 Prozentpunkte, dieses Jahr sollen es 0,6 Prozentpunkte sein. Das klingt wenig, entspricht aber etwa dem Effekt, den das Ifo aus den riesigen Staatsausgaben für Infrastruktur und Verteidigung sowie weiterer Entlastung für die Wirtschaft erwartet. Als wäre das nicht genug, hat der Dollar seit Trumps Amtsantritt kräftig an Wert verloren, was deutsche Waren auf den Weltmärkten verteuert. 

    Autobranche leidet 

    Gerade die deutsche Autobranche wird von Trumps Zöllen belastet. Die USA zählen traditionell zu den wichtigsten Auslandsmärkten, vor allem für Porsche, BMW und Mercedes. Und die Zölle trafen die Branche härter und früher als andere: Zunächst mit 27,5 Prozent, die im August nach dem Deal mit der EU auf 15 Prozent sanken. Das ist aber immer noch sechsmal so viel wie die 2,5 Prozent, die vorher galten. 

    In der Folge brach der Auto-Export aus Deutschland in die USA ein. «Trump hat die Autoindustrie in Deutschland und in Europa massiv getroffen», sagt Autoexperte Stefan Bratzel. Mit seinen Zöllen verstärke er den Trend, dass Autos immer mehr da gebaut werden, wo sie verkauft werden. «Für unsere exportorientierte Autoindustrie ist das ein völliges Erodieren ihres klassischen Geschäftsmodells. Für die Arbeitsplätze in Europa, in Deutschland, ist das natürlich Gift.» 

    Maschinenbau und Stahl unter Druck 

    Besonders hoch sind die US-Zölle auf Stahl mit 50 Prozent. In den ersten zehn Monaten 2025 sind die Stahlexporte in die USA nach Branchenangaben um elf Prozent zum Vorjahreszeitraum geschrumpft. Die Stahlzölle berechnen die Amerikaner zudem auf den Stahlanteil in Maschinen, was den deutschen Maschinenbau belastet. Dort ist die Produktion laut Branchenverband VDMA das dritte Jahr nacheinander geschrumpft, die Folge sind Jobabbau und Kurzarbeit in vielen Betrieben. 

    Nur wenige Ausnahmen 

    Nur wenige Bereichen bleiben von Trumps Zöllen verschont, sagt Ifo-Ökonomin Flach. Ausnahmen seien etwa Dienstleister, da sie nicht betroffen seien, und der deutsche Agrarsektor. Er profitiere von Vorteilen im Handel mit China, da US-Produkte mit dem Zollstreit zwischen den beiden Großmächten teurer geworden seien. «Diese beiden Effekte auf die deutsche Wirtschaft sind aber minimal.» 

    Folgen für Patienten? 

    Da Trump die Arzneipreise in den USA senken will, hat er auch den Gesundheitsmarkt ins Visier genommen. Als Zugeständnis haben eine Reihe von Pharmakonzernen angekündigt, Milliarden in den USA zu investieren und Arzneien mit Rabatt über den von Trump initiierten Direktvertrieb «TrumpRX» zu verkaufen. 

    Doch müssen Arzneihersteller die Preise im lukrativen US-Markt senken, dürften sie versuchen, höhere Preise woanders durchzusetzen. Kurzfristige Preissprünge in Deutschland sind aber nicht zu erwarten, denn der Markt für verschreibungspflichtige Medikamente ist streng reguliert und viele Lieferverträge sind langfristig angelegt. 

    Konzerne knicken vor Trump ein 

    Einige Unternehmen haben auf Trumps Druck reagiert. So sagte der Pharmakonzern Merck zu, Behandlungen für künstliche Befruchtungen in den USA deutlich günstiger anzubieten. Im Gegenzug soll der Dax-Konzern von Pharmazöllen befreit bleiben. Bedingung ist, dass er in die Produktion und Forschung in Amerika investiert. Einem ähnlichen Abkommen mit der Trump-Regierung schloss sich kürzlich Boehringer Ingelheim an. Auch VW-Chef Oliver Blume mühte sich um einen Deal mit den USA – und lockte mit Investitionen.

    Was die Zölle den USA bringen 

    Die Zölle auf Importe aus aller Welt bringen den USA riesige Einnahmen. Sie liegen nach Angaben des Weißen Hauses bei umgerechnet rund 200 Milliarden Euro. Damit bleibt die Summe hinter Erwartungen zurück: Im Juli hatte US-Finanzminister Scott Bessent noch 300 Milliarden Dollar bis Jahresende in Aussicht gestellt. 

    Wo neue Zölle drohen 

    Auch wenn es einen Deal mit der EU gibt: Vor Trumps wankelmütiger Zollpolitik kann sich kaum eine Branche sicher fühlen. Bangen müssen etwa Hersteller von Polstermöbeln, Küchenschränken und Waschtischen. Trump hatte zunächst eine Zollerhöhung für den 1. Januar 2026 angepeilt, diese aber an Silvester um ein Jahr verschoben.

    Funkt das oberste US-Gericht Trump dazwischen? 

    Aber nicht alle in den USA sind von Trumps Zöllen angetan. Jene, die Trump unter Berufung auf ein Notstandsgesetz von 1977 gegen Dutzende Handelspartner verhängte, werden vor dem Obersten Gericht der USA verhandelt. Die Frage ist, ob Trump seine Kompetenz überschritten hat. 

    Dabei geht es auch um die Zölle auf EU-Produkte, die in die USA exportiert werden. Eine Entscheidung des Supreme Court steht noch aus. Unklar ist, welchen konkreten Einfluss der Prozessausgang auf den Zolldeal zwischen EU und USA hat – etwa, ob die US-Zölle dann gekippt werden könnten. 

    Selbst wenn der Supreme Court gegen Trump entscheide, bedeute das aber nicht zwingend das Ende seiner Zollpolitik, meint Adam Hersh, Ökonom am Economic Policy Institute in Washington. Denn Trump habe noch andere gesetzgeberische Wege, um Zölle durchzusetzen – auch weiter ohne Zustimmung des Kongresses.

  • Deutsche Wirtschaft im Schlussquartal 2025 gewachsen

    Die deutsche Wirtschaft ist im vierten Quartal 2025 leicht gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte um 0,2 Prozent zum Vorquartal zu, wie das Statistische Bundesamt auf Basis bisher vorliegender Daten schätzt.

  • EU unterzeichnet Freihandelsabkommen mit Mercosur

    Nach über 25 Jahren Verhandlungen haben Vertreter der Europäischen Union und von vier südamerikanischen Ländern des Staatenbunds Mercosur das Freihandelsabkommen zwischen den beiden Wirtschaftsblöcken unterzeichnet. 

    An der Zeremonie in der Zentralbank in der paraguayischen Hauptstadt Asunción nahmen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Ratspräsident António Costa, Argentiniens Präsident Javier Milei, Paraguays Staatschef Santiago Peña und der uruguayische Präsident Yamandú Orsi teil. 

    Die neue Freihandelszone mit mehr als 700 Millionen Einwohnern und einer gemeinsamen Wirtschaftsleistung von rund 22 Billionen US-Dollar (19 Billionen Euro) wird eine der größten weltweit sein. 

    EU rechnet mit Export-Zuwächsen von 39 Prozent

    Durch den Abbau von Handelsbarrieren und Zöllen soll der Austausch von Waren und Dienstleistungen zwischen der EU und dem Mercosur angekurbelt werden. Die EU rechnet durch das Abkommen mit einer Steigerung der jährlichen Exporte in den Mercosur um 39 Prozent. Damit ist die neue Freihandelszone auch ein Zeichen gegen die protektionistische Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump.

    Kurz vor der Unterzeichnung des Abkommens zwischen der EU und dem Mercosur kündigte Trump wegen des Grönland-Konflikts zusätzliche Zölle gegen Deutschland und sieben weitere europäische Länder an. Ab dem 1. Februar würden zunächst 10 Prozent für in die USA gesendete Waren fällig. Ab dem 1. Juni steige der Zollsatz auf 25 Prozent, wenn kein Abkommen zu der Arktisinsel erzielt werde. Trump betont immer wieder, dass die ressourcenreiche Insel wegen der nationalen Sicherheit in den Besitz der USA übergehen müsse.

    «Wenn wir Wohlstand wollen, müssen wir Märkte öffnen, nicht schließen. Wir müssen Zonen der wirtschaftlichen Integration schaffen und nicht die Zölle erhöhen», sagte EU-Ratspräsident António Costa bei einer Pressekonferenz auf die Frage nach Trumps Zoll-Ankündigung. «Die EU war immer sehr entschlossen in der Verteidigung des Völkerrechts – und natürlich besonders im Gebiet eines Mitgliedstaats.»

    EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen stellte den Vertrag als klare Entscheidung für Freihandel und offene Märkte dar. «Dieses Abkommen sendet ein starkes Signal an die Welt. Wir entscheiden uns für fairen Handel statt Zölle, wir entscheiden uns für eine produktive, langfristige Partnerschaft, und vor allem wollen wir unseren Bürgern und Unternehmen echte und greifbare Vorteile verschaffen», sagte sie in ihrer Rede. 

    Freihandel mit Mercosur als Antwort auf US-Zollpolitik

    Nach Einschätzung des Ifo-Instituts kann das Abkommen zwischen der EU und dem Mercosur die Einbußen aus der US-Zollpolitik zumindest teilweise kompensieren. «Die Unterzeichnung des Handelsabkommens zwischen der EU und den Mercosur-Staaten ist ein wichtiger erster Schritt», sagte die Leiterin des Ifo-Zentrums für Außenwirtschaft, Lisandra Flach. «Es sind aber zusätzliche Handelsabkommen mit weiteren Handelspartnern nötig, um die negativen Folgen der US-Zollpolitik zu kompensieren.»

    Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sprach von einem starken Signal für den Freihandel. Besonders wichtig sei auch der Zugang zu kritischen Rohstoffen wie Lithium und Kupfer etwa für Elektromobilität und Erneuerbare Energien. Große Chancen werden auch für die Autoindustrie, den Maschinenbau und die Pharmabranche gesehen. Auf Autoimporte in die Mercosur-Länder wird beispielsweise derzeit ein Zoll in Höhe von 35 Prozent fällig.

    Die Verhandlungen über das Mercosur-Abkommen waren bereits 1999 gestartet worden. Die EU-Kommission hatte sie dann im Dezember 2024 trotz anhaltender Kritik aus Ländern wie Frankreich abgeschlossen. Zuletzt brachte der Zollstreit der EU mit den USA noch einmal neue Dynamik in den Prozess. Viele Länder wollen jetzt zeigen, dass die Zeiten des freien Handels nicht vorbei sind – zu ihnen gehört insbesondere Deutschland.

    Europäische Bauern fürchten gnadenlosen Wettbewerb

    Gegner des Abkommens kritisieren allerdings, dass Bauern in Europa in einen harten Preiskampf mit den besonders wettbewerbsfähigen südamerikanischen Farmern gezwungen würden. Immer wieder gingen Landwirte in Europa gegen den Deal auf die Straße.

    Kurz vor der Einigung wurden deshalb Sicherheitsklauseln in das Abkommen eingearbeitet, nach denen im Fall eines starken Anstiegs der Einfuhren aus den Mercosur-Staaten oder eines übermäßigen Preisverfalls rasch Gegenmaßnahmen in Gang gesetzt werden können.

    Umweltschützer warnen vor Folgen für Regenwald und Tiere

    Umweltschützer befürchten zudem, dass durch eine stärkere Nachfrage landwirtschaftlicher Produkte in Europa die Abholzung des Regenwaldes in Südamerika befeuert werden könnte. Außerdem rechnen sie mit negativen Folgen für die Artenvielfalt und die traditionelle Lebensweise indigener Gemeinschaften. 

    Wie geht es jetzt weiter?

    Um den Freihandelsvertrag zum Abschluss zu bringen, hatte ihn die EU in ein politisches Partnerschaftsabkommen und ein Interimsabkommen über den Handel aufgespalten. Da das Handelsabkommen in die ausschließliche Zuständigkeit der EU fällt, konnte der Rat der Mitgliedsstaaten in der vergangenen Woche per Mehrheitsentscheidung den Abschluss und die Unterzeichnung beschließen. Auch eine Ratifizierung durch nationale Parlamente ist nicht erforderlich. 

    Bevor das Freihandelsabkommen in Kraft treten kann, muss es noch vom Europäischen Parlament gebilligt werden. Es gebe bislang keine Pläne, den Vertrag bereits zuvor vorläufig zur Anwendung kommen zu lassen, sagte ein Sprecher der EU-Kommission. Es gehe nun darum, im EU-Parlament um Unterstützung für den Deal zu werben.

    Das politische Partnerschaftsabkommen wiederum tritt erst in Kraft, wenn es von den EU-Mitgliedsstaaten und den beteiligten Mercosur-Ländern ratifiziert wurde.

  • EU unterzeichnet Freihandelsabkommen mit Mercosur

    Nach über 25 Jahren Verhandlungen haben Vertreter der Europäischen Union und von vier südamerikanischen Ländern des Staatenbunds Mercosur das Freihandelsabkommen zwischen den beiden Wirtschaftsblöcken unterzeichnet. 

    An der Zeremonie in der Zentralbank in der paraguayischen Hauptstadt Asunción nahmen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Ratspräsident António Costa, Argentiniens Präsident Javier Milei, Paraguays Staatschef Santiago Peña und der uruguayische Präsident Yamandú Orsi teil. 

    Die neue Freihandelszone mit mehr als 700 Millionen Einwohnern und einer gemeinsamen Wirtschaftsleistung von rund 22 Billionen US-Dollar (19 Billionen Euro) wird eine der größten weltweit sein. 

    EU rechnet mit Export-Zuwächsen von 39 Prozent

    Durch den Abbau von Handelsbarrieren und Zöllen soll der Austausch von Waren und Dienstleistungen zwischen der EU und dem Mercosur angekurbelt werden. Die EU rechnet durch das Abkommen mit einer Steigerung der jährlichen Exporte in den Mercosur um 39 Prozent. Damit ist die neue Freihandelszone auch ein Zeichen gegen die protektionistische Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump.

    Kurz vor der Unterzeichnung des Abkommens zwischen der EU und dem Mercosur kündigte Trump wegen des Grönland-Konflikts neue Zölle gegen Deutschland und weitere europäische Länder an. Ab dem 1. Februar würden zunächst 10 Prozent für in die USA gesendete Waren fällig. Ab dem 1. Juni steige der Zollsatz auf 25 Prozent, wenn kein Abkommen zu der Arktisinsel erzielt werde. Trump betont immer wieder, dass die ressourcenreiche Insel wegen der nationalen Sicherheit in den Besitz der USA übergehen müsse.

    EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen stellte den Freihandelsvertrag als gewinnbringend für die beiden Wirtschaftsblöcke dar. «Von dieser Partnerschaft profitieren wir beide – wirtschaftlich, diplomatisch und geopolitisch. Unsere Unternehmen werden Exporte, Wachstum und Arbeitsplätze schaffen», sagte sie in ihrer Rede. «Und unsere Botschaft an den Rest der Welt ist klar: Die EU und der Mercosur setzen auf Zusammenarbeit statt auf Wettbewerb und auf Partnerschaft statt auf Polarisierung.»

    Freihandel mit Mercosur als Antwort auf US-Zollpolitik

    Nach Einschätzung des Ifo-Instituts kann das Abkommen zwischen der EU und dem Mercosur die Einbußen aus der US-Zollpolitik zumindest teilweise kompensieren. «Die Unterzeichnung des Handelsabkommens zwischen der EU und den Mercosur-Staaten ist ein wichtiger erster Schritt», sagte die Leiterin des Ifo-Zentrums für Außenwirtschaft, Lisandra Flach. «Es sind aber zusätzliche Handelsabkommen mit weiteren Handelspartnern nötig, um die negativen Folgen der US-Zollpolitik zu kompensieren.»

    Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sprach von einem starken Signal für den Freihandel. Besonders wichtig sei auch der Zugang zu kritischen Rohstoffen wie Lithium und Kupfer etwa für Elektromobilität und Erneuerbare Energien. Große Chancen werden auch für die Autoindustrie, den Maschinenbau und die Pharmabranche gesehen. Auf Autoimporte in die Mercosur-Länder wird beispielsweise derzeit ein Zoll in Höhe von 35 Prozent fällig.

    Die Verhandlungen über das Mercosur-Abkommen waren bereits 1999 gestartet worden. Die EU-Kommission hatte sie dann im Dezember 2024 trotz anhaltender Kritik aus Ländern wie Frankreich abgeschlossen. Zuletzt brachte der Zollstreit der EU mit den USA noch einmal neue Dynamik in den Prozess. Viele Länder wollen jetzt zeigen, dass die Zeiten des freien Handels nicht vorbei sind – zu ihnen gehört insbesondere Deutschland.

    Europäische Bauern fürchten gnadenlosen Wettbewerb

    Gegner des Abkommens kritisieren allerdings, dass Bauern in Europa in einen harten Preiskampf mit den besonders wettbewerbsfähigen südamerikanischen Farmern gezwungen würden. Immer wieder gingen Landwirte in Europa gegen den Deal auf die Straße.

    Kurz vor der Einigung wurden deshalb Sicherheitsklauseln in das Abkommen eingearbeitet, nach denen im Fall eines starken Anstiegs der Einfuhren aus den Mercosur-Staaten oder eines übermäßigen Preisverfalls rasch Gegenmaßnahmen in Gang gesetzt werden können.

    Umweltschützer warnen vor Folgen für Regenwald und Tiere

    Umweltschützer befürchten zudem, dass durch eine stärkere Nachfrage landwirtschaftlicher Produkte in Europa die Abholzung des Regenwaldes in Südamerika befeuert werden könnte. Außerdem rechnen sie mit negativen Folgen für die Artenvielfalt und die traditionelle Lebensweise indigener Gemeinschaften. 

    Wie geht es jetzt weiter?

    Um den Freihandelsvertrag zum Abschluss zu bringen, hatte ihn die EU in ein politisches Partnerschaftsabkommen und ein Interimsabkommen über den Handel aufgespalten. Da das Handelsabkommen in die ausschließliche Zuständigkeit der EU fällt, konnte der Rat der Mitgliedsstaaten in der vergangenen Woche per Mehrheitsentscheidung den Abschluss und die Unterzeichnung beschließen. Auch eine Ratifizierung durch nationale Parlamente ist nicht erforderlich. 

    Bevor das Freihandelsabkommen in Kraft treten kann, muss es noch vom Europäischen Parlament gebilligt werden. Es gebe bislang keine Pläne, den Vertrag bereits zuvor vorläufig zur Anwendung kommen zu lassen, sagte ein Sprecher der EU-Kommission. Es gehe nun darum, im EU-Parlament um Unterstützung für den Deal zu werben.

    Das politische Partnerschaftsabkommen wiederum tritt erst in Kraft, wenn es von den EU-Mitgliedsstaaten und den beteiligten Mercosur-Ländern ratifiziert wurde.

  • Deutsche Wirtschaft 2025 leicht gewachsen

    Die deutsche Wirtschaft ist 2025 leicht gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte um 0,2 Prozent zum Vorjahr zu, wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Daten mitteilte.

  • Trump droht Gegnern seiner Grönland-Pläne mit Zöllen

    US-Präsident Donald Trump droht Ländern, die sich seinem Besitzanspruch auf Grönland entgegenstellen, mit Zöllen. Er werde möglicherweise Zölle gegen solche Länder verhängen, weil die USA Grönland für ihre nationale Sicherheit bräuchten, sagte Trump im Weißen Haus.

  • Mehr Warnstreiks im öffentlichen Dienst geplant

    Die Gewerkschaften wollen ihre Warnstreiks im öffentlichen Dienst der Länder ab kommender Woche deutlich ausweiten. Betroffen sein sollen unter anderem Uniklinken und Verwaltungen sowie teilweise auch Kitas, wie der Chef der Gewerkschaft Verdi, Frank Werneke, ankündigte.

  • Erkundungsmission: Bundeswehr schickt Soldaten nach Grönland

    Die Bundeswehr schickt am Donnerstag 13 Soldaten für eine Erkundungsmission mehrerer europäischer Staaten nach Grönland. Das geschehe auf Einladung Dänemarks, zu dem die Arktisinsel gehört, teilte das Verteidigungsministerium in Berlin mit.

  • Dänemark: Keine Einigung mit USA bei Grönland-Krisengespräch

    Auch nach dem Krisengespräch zwischen den USA, Dänemark und Grönland gibt es keine Lösung in dem Konflikt um die Arktisinsel. Zwischen den Parteien bestehe eine «fundamentale Meinungsverschiedenheit», sagte der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen nach dem Treffen mit US-Außenminister Marco Rubio und US-Vizepräsident JD Vance in Washington.