Autor: Stojancho Gjorgjiev

  • Fernbus-Unfall mit vier Toten: Bewährungsstrafe für Fahrer

    Rund zwei Jahre nach einem Fernbus-Unfall mit vier Toten auf der Autobahn 9 bei Leipzig ist der Busfahrer zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Das Amtsgericht Eilenburg sprach den 64-Jährigen wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung schuldig.

  • Interne Chats belegen Kooperation von Webers EVP mit Rechten

    Die Fraktion von CDU und CSU im Europaparlament kooperiert deutlich enger mit der AfD und anderen rechten Parteien als bislang bekannt. Recherchen der Deutschen Presse-Agentur belegen, dass die EVP jüngst gemeinsam mit dem rechten Flügel in einer Chatgruppe und bei einem persönlichen Treffen von Abgeordneten an einem Gesetzesvorschlag zur Verschärfung der Migrationspolitik arbeitete. Ein Sprecher des EVP-Fraktionsvorsitzenden Manfred Weber sagte, man werde interne Abläufe nicht kommentieren.

  • Reiche: Preiserhöhung an Tankstellen nur noch einmal täglich

    Tankstellen in Deutschland sollen nur noch einmal am Tag ihre Spritpreise erhöhen dürfen. Dieses Modell wolle die Bundesregierung so rasch wie möglich einführen, sagte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) in Berlin.

  • Norbert Himmler als ZDF-Intendant wiedergewählt

    Norbert Himmler ist als Intendant des ZDF wiedergewählt worden. Er erhielt bei einer Sitzung des Fernsehrats in Mainz im ersten Wahlgang die erforderliche Mehrheit.

  • Deutschland gibt wegen Iran-Kriegs Teil der Ölreserven frei

    Deutschland gibt nach dpa-Informationen einen Teil der nationalen Ölreserven frei. Hintergrund sind die wegen des Iran-Kriegs deutlich gestiegenen Öl- und Spritpreise, die G7-Staaten hatten deshalb über eine Freigabe von Reserven beraten.

  • Körber erwartet 2026 schwächeres Umsatzwachstum

    Der Hamburger Technologiekonzern Körber rechnet 2026 mit einem schwächeren Umsatzwachstum als in Vorjahren. Körber erwartet ein Umsatzplus zwischen vier bis sechs Prozent, wie der Vorstandsvorsitzende Stephan Seifert im Interview der Deutschen Presse-Agentur sagte. Das entspreche organisch einem Umsatz von rund 3,2 bis 3,3 Milliarden Euro.

    Dass die Erwartung niedriger ist als in Vorjahren, hängt Seifert zufolge mit der aktuell volatilen und angespannten Weltlage zusammen. «Die Märkte sind insgesamt für uns in Ordnung», sagte Seifert, dessen Unternehmen international tätig ist. «Wegen der vielen Unsicherheiten planen wir dieses Jahr zwar etwas moderater, aber mal schauen, wo wir am Ende des Jahres landen.»

    Seifert zufolge ist das Stiftungsunternehmen Körber, das einen Teil des Gewinns an die gemeinnützige Körber-Stiftung ausschüttet, in vergangenen Jahren schnell gewachsen: «Die letzten sechs, sieben Jahre haben wir immer ein zweistelliges Umsatzwachstum gehabt zwischen 10 und 20 Prozent.»

    Auftragsbestand erreicht Höchstwert

    Der Auftragsbestand liegt dem Manager zufolge derzeit bei 3,3 Milliarden Euro. Es handle sich um den höchsten Wert in der Geschichte des Unternehmens. Die Investitionsbereitschaft in den USA und in Asien sei derzeit – anders als in Europa – hoch, sagte Seifert zur Begründung.

    Seifert baute den Konzern um 

    Die Ursprünge Körbers reichen bis 1946 zurück. Das Unternehmen belieferte als Maschinenbauer die Tabakindustrie, später kamen Bereiche wie Papier und Schleiftechnik hinzu. Seifert leitete nach eigener Aussage zwischen Ende 2016 und Anfang 2017 einen Jahre zuvor angekündigten Umbau ein: Körber gab mehrere konventionelle Geschäftsfelder ab und kaufte an anderer Stelle zu – etwa im Softwarebereich.

    Inzwischen ist Körber in die Bereiche Pharma, Supply-Chain und Technologies (Deutsch: Lieferkette und Technologien) gegliedert. Körber bietet vor allem Maschinen, Anlagen und Software an. Laut Website hat der Konzern rund 13.000 Mitarbeiter an mehr als 100 Standorten weltweit.

    Die USA sind der wichtigste Markt

    Vergangenes Jahr lag Körbers Umsatz organisch nach vorläufigen Zahlen bei rund 3,1 Milliarden Euro, wie Seifert sagte. Den Wert hatte er zuvor leicht höher eingeschätzt. Die Hälfte des Umsatzes erzielte Körber demnach in Europa; auf Deutschland entfielen 22 Prozent. Wichtigster Einzelmarkt waren die USA, wo Körber nahezu ein Drittel (32 Prozent) des Umsatzes machte.

    Körber stellt weiter Zigaretten- und Filtermaschinen her sowie solche, die Komponenten für Tabakerhitzer produzieren. Die Bedeutung des Tabakgeschäfts habe in vergangenen Jahren kontinuierlich abgenommen, sagte Seifert. Es mache noch rund ein Viertel am Umsatz aus.

    Körber ist auf Einkaufstour

    Bis 2035 peilt der Konzern einen Umsatz von zehn Milliarden Euro an. Zum Wachstum sollen Seifert zufolge weitere Zukäufe und Beteiligungen beitragen.

    Dabei wolle Körber sich ausschließlich auf Technologien beschränken, die «zukunftskritisch» seien. Auch versuche der Konzern, Zugriff auf Regionen in den USA und in Asien zu bekommen, in denen das Unternehmen bisher nicht ausreichend vertreten sei. Seifert verwies darauf, dass Europas Anteil an der Weltbevölkerung unter zehn Prozent liege. «Der Umsatz unserer Kunden, die wir beliefern, ist in der Regel populationsgetrieben.»

  • Körber erwartet 2026 schwächeres Umsatzwachstum

    Der Hamburger Technologiekonzern Körber rechnet 2026 mit einem schwächeren Umsatzwachstum als in Vorjahren. Körber erwartet ein Umsatzplus zwischen vier bis sechs Prozent, wie der Vorstandsvorsitzende Stephan Seifert im Interview der Deutschen Presse-Agentur sagte. Das entspreche organisch einem Umsatz von rund 3,2 bis 3,3 Milliarden Euro.

    Dass die Erwartung niedriger ist als in Vorjahren, hängt Seifert zufolge mit der aktuell volatilen und angespannten Weltlage zusammen. «Die Märkte sind insgesamt für uns in Ordnung», sagte Seifert, dessen Unternehmen international tätig ist. «Wegen der vielen Unsicherheiten planen wir dieses Jahr zwar etwas moderater, aber mal schauen, wo wir am Ende des Jahres landen.»

    Seifert zufolge ist das Stiftungsunternehmen Körber, das einen Teil des Gewinns an die gemeinnützige Körber-Stiftung ausschüttet, in vergangenen Jahren schnell gewachsen: «Die letzten sechs, sieben Jahre haben wir immer ein zweistelliges Umsatzwachstum gehabt zwischen 10 und 20 Prozent.»

    Die Ursprünge Körbers reichen bis 1946 zurück. Das Unternehmen belieferte als Maschinenbauer die Tabakindustrie, später kamen Bereiche wie Papier und Schleiftechnik hinzu. Seifert leitete nach eigener Aussage Ende 2016 einen Umbau ein: Körber gab mehrere konventionelle Geschäftsfelder ab und kaufte an anderer Stelle zu – etwa im Softwarebereich.

    Inzwischen ist Körber in die Bereiche Pharma, Supply-Chain und Technologies (Deutsch: Lieferkette und Technologien) gegliedert. Körber bietet vor allem Maschinen, Anlagen und Software an. Laut Website hat der Konzern rund 13.000 Mitarbeiter an mehr als 100 Standorten weltweit.

  • Rüstungsboom: Wie profitiert der Osten vom Milliardenmarkt?

    Kriege, Krisen, Zeitenwende – die Nachfrage nach Rüstungsgütern hat der deutschen Industrie einen Aufschwung beschert. Laut dem Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri ist Deutschland inzwischen viertgrößter Waffenexporteur der Welt. 

    Was davon kommt im Osten an? Zu wenig, findet Martin Kurczyk, Vorstand des neu gegründeten Mitteldeutschen Instituts für Sicherheitsindustrie (MISI) in Leipzig. Das müsse sich ändern. Auch, um die Menschen in Ostdeutschland mit den enormen Verteidigungsausgaben der Bundesregierung – 108 Milliarden allein in diesem Jahr – «zu versöhnen», findet der langjährige Generalmajor der Bundeswehr. Es sei «ungerecht», wenn diese Ausgaben nur in alten Bundesländern in Form von Wertschöpfung ankämen. Ziel müsse sein, dass Investitionen «analog der Größe der Einwohnerzahl» anteilig auch nach Mitteldeutschland zurückflössen. Kurczyks Rechnung nach wären das etwa zehn Prozent der in Deutschland entstehenden Wertschöpfung. 

    Wie groß ist die ostdeutsche Rüstungsbranche im Vergleich? 

    Zahlen zur Rüstungsbranche in Ostdeutschland gibt es kaum. Etwas Licht ins Dunkel bringt die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Bundestagsgruppe BSW im Jahr 2024. Darin heißt es, für den Zeitraum von Januar bis zum 15. Oktober 2024 wurden für Sachsen Exportgenehmigungen für Rüstungsgüter und Kriegswaffen im Wert von gut 2,2 Millionen Euro erteilt, für Sachsen-Anhalt rund 7,9 Millionen Euro und für Thüringen rund 90 Millionen Euro. Zum Vergleich: Spitzenreiter im selben Zeitraum war Niedersachsen mit 3,9 Milliarden Euro gefolgt von Baden-Württemberg und Bayern mit je etwa 2,3 Milliarden Euro.

    Die Gründe dafür sind historisch, sagt Peter Scheben vom Bundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (BDSV). Die Rüstungsindustrie sei traditionell stärker im Westen angesiedelt. Der Verband führe aktuell für Sachsen 16 Mitgliedsunternehmen. In Sachsen-Anhalt sind es vier und in Thüringen sieben. 

    Doch es gab zuletzt auch Bewegung: Im vergangenen Jahr hatte der Rüstungskonzern KNDS den früheren Alstom-Standort für Eisenbahnwaggonbau in Görlitz übernommen. Dort werden seitdem Panzerteile produziert. In Sachsen-Anhalt will die Rheinmetall AG Millionen in ihren Standort in Silberhütte im Harz investieren. Das Unternehmen hatte vergangenes Jahr zudem die Munitionsfirma Muni Berka in Dietersdorf (Kreis Mansfeld-Südharz) übernommen.

    Welche Branchen im Osten können profitieren? 

    Aus Sicht von Thomas Horn, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Sachsen (WFS), ergeben sich Chancen unter anderem für die Branchen Maschinenbau, Fahrzeugtechnik, Elektronik und Luft- und Raumfahrt. Auch die aktuell krisengeplagten Autozulieferer können profitieren, glaubt Jens Katzek, Geschäftsführer des Automotive-Clusters Ostdeutschland (ACOD). Die Unternehmen seien es gewohnt, «in großen Stückzahlen in hoher Präzision unter einem engen regulatorischen Korsett» zu arbeiten. Das sei «genau dasselbe wie auch im Verteidigungsbereich». Das Thüringer Wirtschaftsministerium sieht «ausreichend Potenzial, damit Thüringer Unternehmen wegbrechende Geschäftsfelder in anderen Branchen zumindest teilweise durch solche neuen Geschäftsfelder ersetzen können».

    Wie groß ist das Interesse an Rüstungsaufträgen? 

    Das Interesse scheint riesig. So schildern es alle Befragten. Ein Informationsforum der Thüringer Landesentwicklungsgesellschaft im vergangenen Jahr platzte aus allen Nähten – knapp 300 Unternehmensvertreter waren vor Ort. Weitere Foren und «thematische Reisen» seien geplant, teilt das Wirtschaftsministerium mit. Es gebe «zahlreiche Anfragen zum potenziellen Einstieg in die Lieferketten», so Sachsens oberster Wirtschaftsförderer Thomas Horn. Sachsen-Anhalts Wirtschaftsministerium bestätigt ein wachsendes Interesse bei Automobilzulieferern. Der Bundesverband BDSV und auch Martin Kurczyk vom MISI berichten von einem dauerhaft hohen Aufkommen neuer Mitgliedsanträge. Zentral für eine Aufnahme sei für Kurczyk aber nicht allein Geschäftsinteresse, sondern auch die «Haltung». Er erwarte, dass neue Mitglieder Interesse daran hätten «das, was ich kann, einzusetzen für die Sicherheit unseres Landes».

    Ist die Rüstung Zukunftsbranche oder eher zweites Standbein?

    Rüstungsaufträge seien «kein Allheilmittel» für die krisengeplagte Autoindustrie, so ACOD-Chef Jens Katzek. Er kenne «niemanden, der die Hoffnung hat, hier verliere ich im Autobereich mein Geschäft und deshalb werde ich zu 100 Prozent jetzt in den militärischen Bereich gehen». Für viele gehe es darum, fünf oder 15 Prozent ihres Umsatzes in diesem Feld zu erzielen. Das berichtet auch ein im Erzgebirge ansässiges Unternehmen der Automotive-Branche, das auch im Verteidigungsbereich arbeitet. Einen deutlichen Auftragsboom gebe es bislang nicht. Es gehe eher um ein «Zubrot». 

    MISI-Chef Kurczyk empfiehlt, die Verteidigungsbranche eher als zweites Standbein zu betrachten. Doch das Potenzial sei dank voller Auftragsbücher bei den größten Rüstungsunternehmen groß: «Da ist noch nichts produziert, aber die müssen liefern», so der Experte. Sich selbst hat der neu gegründete Branchenverband ambitionierte Ziele gegeben: Bis Ende 2027 will der Verein nach eigenen Planungen eine wesentliche Rolle bei Investitionen von mehr als 200 Millionen Euro in Mitteldeutschland spielen und zur Schaffung von über 1.000 Arbeitsplätzen beitragen, nicht allein im Bereich Rüstung, sondern auch beim zivilen Schutz, dem Schutz kritischer Infrastruktur und der Cyber-Sicherheit.

  • Rüstungsboom: Wie profitiert der Osten vom Milliardenmarkt?

    Kriege, Krisen, Zeitenwende – die Nachfrage nach Rüstungsgütern hat der deutschen Industrie einen Aufschwung beschert. Laut dem Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri ist Deutschland inzwischen viertgrößter Waffenexporteur der Welt. 

    Was davon kommt im Osten an? Zu wenig, findet Martin Kurczyk, Vorstand des neu gegründeten Mitteldeutschen Instituts für Sicherheitsindustrie (MISI) in Leipzig. Das müsse sich ändern. Auch, um die Menschen in Ostdeutschland mit den enormen Verteidigungsausgaben der Bundesregierung – 108 Milliarden allein in diesem Jahr – «zu versöhnen», findet der langjährige Generalmajor der Bundeswehr. Es sei «ungerecht», wenn diese Ausgaben nur in alten Bundesländern in Form von Wertschöpfung ankämen. Ziel müsse sein, dass Investitionen «analog der Größe der Einwohnerzahl» anteilig auch nach Mitteldeutschland zurückflössen. Kurczyks Rechnung nach wären das etwa zehn Prozent der in Deutschland entstehenden Wertschöpfung. 

    Wie groß ist die ostdeutsche Rüstungsbranche im Vergleich? 

    Zahlen zur Rüstungsbranche in Ostdeutschland gibt es kaum. Etwas Licht ins Dunkel bringt die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Bundestagsgruppe BSW im Jahr 2024. Darin heißt es, für den Zeitraum von Januar bis zum 15. Oktober 2024 wurden für Sachsen Exportgenehmigungen für Rüstungsgüter und Kriegswaffen im Wert von gut 2,2 Millionen Euro erteilt, für Sachsen-Anhalt rund 7,9 Millionen Euro und für Thüringen rund 90 Millionen Euro. Zum Vergleich: Spitzenreiter im selben Zeitraum war Niedersachsen mit 3,9 Milliarden Euro gefolgt von Baden-Württemberg und Bayern mit je etwa 2,3 Milliarden Euro.

    Die Gründe dafür sind historisch, sagt Peter Scheben vom Bundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (BDSV). Die Rüstungsindustrie sei traditionell stärker im Westen angesiedelt. Der Verband führe aktuell für Sachsen 16 Mitgliedsunternehmen. In Sachsen-Anhalt sind es vier und in Thüringen sieben. 

    Doch es gab zuletzt auch Bewegung: Im vergangenen Jahr hatte der Rüstungskonzern KNDS den früheren Alstom-Standort für Eisenbahnwaggonbau in Görlitz übernommen. Dort werden seitdem Panzerteile produziert. In Sachsen-Anhalt will die Rheinmetall AG Millionen in ihren Standort in Silberhütte im Harz investieren. Das Unternehmen hatte vergangenes Jahr zudem die Munitionsfirma Muni Berka in Dietersdorf (Kreis Mansfeld-Südharz) übernommen.

    Welche Branchen im Osten können profitieren? 

    Aus Sicht von Thomas Horn, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Sachsen (WFS), ergeben sich Chancen unter anderem für die Branchen Maschinenbau, Fahrzeugtechnik, Elektronik und Luft- und Raumfahrt. Auch die aktuell krisengeplagten Autozulieferer können profitieren, glaubt Jens Katzek, Geschäftsführer des Automotive-Clusters Ostdeutschland (ACOD). Die Unternehmen seien es gewohnt, «in großen Stückzahlen in hoher Präzision unter einem engen regulatorischen Korsett» zu arbeiten. Das sei «genau dasselbe wie auch im Verteidigungsbereich». Das Thüringer Wirtschaftsministerium sieht «ausreichend Potenzial, damit Thüringer Unternehmen wegbrechende Geschäftsfelder in anderen Branchen zumindest teilweise durch solche neuen Geschäftsfelder ersetzen können».

    Wie groß ist das Interesse an Rüstungsaufträgen? 

    Das Interesse scheint riesig. So schildern es alle Befragten. Ein Informationsforum der Thüringer Landesentwicklungsgesellschaft im vergangenen Jahr platzte aus allen Nähten – knapp 300 Unternehmensvertreter waren vor Ort. Weitere Foren und «thematische Reisen» seien geplant, teilt das Wirtschaftsministerium mit. Es gebe «zahlreiche Anfragen zum potenziellen Einstieg in die Lieferketten», so Sachsens oberster Wirtschaftsförderer Thomas Horn. Sachsen-Anhalts Wirtschaftsministerium bestätigt ein wachsendes Interesse bei Automobilzulieferern. Der Bundesverband BDSV und auch Martin Kurczyk vom MISI berichten von einem dauerhaft hohen Aufkommen neuer Mitgliedsanträge. Zentral für eine Aufnahme sei für Kurczyk aber nicht allein Geschäftsinteresse, sondern auch die «Haltung». Er erwarte, dass neue Mitglieder Interesse daran hätten «das, was ich kann, einzusetzen für die Sicherheit unseres Landes».

    Ist die Rüstung Zukunftsbranche oder eher zweites Standbein?

    Rüstungsaufträge seien «kein Allheilmittel» für die krisengeplagte Autoindustrie, so ACOD-Chef Jens Katzek. Er kenne «niemanden, der die Hoffnung hat, hier verliere ich im Autobereich mein Geschäft und deshalb werde ich zu 100 Prozent jetzt in den militärischen Bereich gehen». Für viele gehe es darum, fünf oder 15 Prozent ihres Umsatzes in diesem Feld zu erzielen. Das berichtet auch ein im Erzgebirge ansässiges Unternehmen der Automotive-Branche, das auch im Verteidigungsbereich arbeitet. Einen deutlichen Auftragsboom gebe es bislang nicht. Es gehe eher um ein «Zubrot». 

    MISI-Chef Kurczyk empfiehlt, die Verteidigungsbranche eher als zweites Standbein zu betrachten. Doch das Potenzial sei dank voller Auftragsbücher bei den größten Rüstungsunternehmen groß: «Da ist noch nichts produziert, aber die müssen liefern», so der Experte. Sich selbst hat der neu gegründete Branchenverband ambitionierte Ziele gegeben: Bis Ende 2027 will der Verein nach eigenen Planungen eine wesentliche Rolle bei Investitionen von mehr als 200 Millionen Euro in Mitteldeutschland spielen und zur Schaffung von über 1.000 Arbeitsplätzen beitragen, nicht allein im Bereich Rüstung, sondern auch beim zivilen Schutz, dem Schutz kritischer Infrastruktur und der Cyber-Sicherheit.

  • Körber erwartet 2026 schwächeres Umsatzwachstum

    Der Hamburger Technologiekonzern Körber rechnet 2026 mit einem schwächeren Umsatzwachstum als in Vorjahren. Körber erwartet ein Umsatzplus zwischen vier bis sechs Prozent, wie der Vorstandsvorsitzende Stephan Seifert im Interview der Deutschen Presse-Agentur sagte. Das entspreche organisch einem Umsatz von rund 3,2 bis 3,3 Milliarden Euro.

    Dass die Erwartung niedriger ist als in Vorjahren, hängt Seifert zufolge mit der aktuell volatilen und angespannten Weltlage zusammen. «Die Märkte sind insgesamt für uns in Ordnung», sagte Seifert, dessen Unternehmen international tätig ist. «Wegen der vielen Unsicherheiten planen wir dieses Jahr zwar etwas moderater, aber mal schauen, wo wir am Ende des Jahres landen.»

    Seifert zufolge ist das Stiftungsunternehmen Körber, das einen Teil des Gewinns an die gemeinnützige Körber-Stiftung ausschüttet, in vergangenen Jahren schnell gewachsen: «Die letzten sechs, sieben Jahre haben wir immer ein zweistelliges Umsatzwachstum gehabt zwischen 10 und 20 Prozent.»

    Die Ursprünge Körbers reichen bis 1946 zurück. Das Unternehmen belieferte als Maschinenbauer die Tabakindustrie, später kamen Bereiche wie Papier und Schleiftechnik hinzu. Seifert leitete nach eigener Aussage Ende 2016 einen Umbau ein: Körber gab mehrere konventionelle Geschäftsfelder ab und kaufte an anderer Stelle zu – etwa im Softwarebereich.

    Inzwischen ist Körber in die Bereiche Pharma, Supply-Chain und Technologies (Deutsch: Lieferkette und Technologien) gegliedert. Körber bietet vor allem Maschinen, Anlagen und Software an. Laut Website hat der Konzern rund 13.000 Mitarbeiter an mehr als 100 Standorten weltweit.